Ein Schlag, der lebensgefährlich hätte enden können, und ein dreist gefälschter Polizeibericht: Die Vorwürfe gegen die fünf angeklagten Polizisten wogen schwer. Das Bezirksgericht Luxemburg verurteilte die Beamten des Escher Kommissariats nun zu Haftstrafen.

Noch vor sechs Wochen saßen sie wegen eines Gewaltexzesses im Dienst und anschließender Vertuschungsversuche auf der Anklagebank. Nun haben am Donnerstag vier der fünf suspendierten Polizisten erneut den Weg in den Saal 1.10 des Bezirksgerichts Luxemburg gefunden. Angespannt stehen sie vor dem Richterpult, während der Vorsitzende der zwölften Kriminalkammer das Urteil in erster Instanz verkündet.

Für den Hauptbeschuldigten, Nicolas H., lautet das Strafmaß sechs Jahre Haft, davon fünf zur Bewährung, sowie eine Geldstrafe von 10.000 Euro. Auch eine Rückkehr in den Staatsdienst verweigern ihm die Richter. Der heute 41-Jährige hatte am Abend des 16. Februar 2019 im Beisein der Mitangeklagten einem betrunkenen Mann mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen. Später soll der Beamte laut der Ermittlung versucht haben, den Vorfall zu vertuschen. Deshalb warf ihm die Anklage nicht nur Folter und schwere Körperverletzung, sondern auch Fälschung und Justizbehinderung vor.

Seine vier damaligen Kollegen wurden ihrerseits wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt. Das Gericht verurteilte sie am Donnerstag jeweils zu drei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 5.000 Euro verurteilt. Anders als bei Nicolas H. besteht für sie noch die Möglichkeit, in den Polizeidienst zurückzukehren. Die Richter kommen damit dem Wunsch nach, den die Angeklagten während der Gerichtsverhandlung Mitte Oktober geäußert hatten. Ein Disziplinarverfahren wird nun voraussichtlich über ihre berufliche Zukunft entscheiden.

Aufgrund der langen Verfahrensdauer stellten die Richter übrigens eine Überschreitung des „Délai raisonnable“ fest, was sich letztlich mildernd auf das Strafmaß auswirkte.

Erdrückende Beweislast

Seinen Anfang nahm der Fall am 16. Februar 2019 mit einem Routineeinsatz im „Café Gambrinus“ in der Rue Jean-Pierre Bausch in Esch/Alzette. Die Polizei war wegen einer Schlägerei dorthin gerufen worden …