Ein hochrangiger Polizeibeamter wurde wegen Bestechlichkeit und Betrugs verurteilt. Seitdem geht der frühere Leiter der Bahnhofswache gegen seine Entlassung vor. Das Verfahren gibt Einblicke in eine verblüffende Polizeiaffäre, die erst nach einigen Jahren aufflog.

Serge J. weiß eigentlich, dass er die Versprechen nicht halten kann. Er weiß, dass er keinen Arbeitsplatz beschaffen kann, keinen Aufenthaltstitel, keinen Aufschub für eine Familie, die um ihren Verbleib im Land bangt. Trotzdem nimmt der damalige Leiter der Polizeiwache am Luxemburger Hauptbahnhof die 3.000 Euro entgegen, die ihm der Familienvater übergibt. Er verspricht schließlich, über eine angebliche Kontaktperson, alles möglich zu machen.

Einem anderen Vater stellt der Polizist gegen eine Zahlung von 1.500 Euro in Aussicht, eine Gerichtsverhandlung um das Besuchsrecht des Vaters vorverlegen zu lassen. Und einem Berufskraftfahrer verspricht er, dass er dafür sorgen könne, dass sein Verfahren wegen Alkohol am Steuer „oben auf den Stapel“ gelegt und er den entzogenen Führerschein so schnell wiederhaben könne, wenn er 1.500 Euro zahle. Jedes Mal beruft er sich auf denselben angeblichen Mittelsmann: einen gewissen Tom, der gut vernetzt sei und hinter den Kulissen der Justiz die Fäden ziehe.

Die Geschichte eines Absturzes

All das ist aber Schall und Rauch, also frei erfunden. Ab Anfang 2013 trudeln die ersten Anzeigen gegen den Leiter der Bahnhofswache in Luxemburg-Stadt ein. Mittlerweile stammen sie auch von den eigenen Kollegen, die er mit anderen falschen Versprechen getäuscht hatte. Schicht für Schicht fällt das Lügengerüst von Serge J. in sich zusammen. Bis dahin konnte er seine Maschen jedoch einige Jahre lang durchziehen.

Im Jahr 2020 wurde der damals 56-Jährige schließlich rechtskräftig zu 18 Monaten Haft, davon zwölf zur Bewährung, und zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro verurteilt. Die Tatbestände reichten von passiver Korruption und Einflussnahme über Betrug, versuchten Betrug und Vertrauensmissbrauch bis hin zur Geldwäsche. Die Anklagepunkte beziehen sich auf den Zeitraum zwischen 2009 und 2016 …

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