Der Fall schockierte die Öffentlichkeit: In der deutschen und französischen Grenzregion wurden 2022 Teile einer Frauenleiche gefunden. Schnell führt die Spur der Ermittler nach Diekirch. Der Prozess um den Mord an Diana S. offenbart die Abgründe des Verbrechens.

Der 18. September 2022 ist ein grauer, kühler Sonntag. Nichts allzu Ungewöhnliches für die Jahreszeit. Die Wetterstation des „Lycée Classique de Diekirch“ meldet 15 Grad, 69 Prozent Luftfeuchtigkeit, keinen Niederschlag. Etwa 200 Meter Luftlinie von der Schule entfernt tippt Diana S. um 14.06 Uhr eine Nachricht in ihr Handy und sendet sie an Pedro M., ihren neuen Freund. Sie wollen sich im Zentrum von Diekirch treffen.

Kurz vor seiner Ankunft schreibt Pedro M. der 40-Jährigen mehrfach. Doch seine Nachrichten kommen nicht mehr an. Das Telefon von Diana S. ist da bereits abgeschaltet oder außer Reichweite. Die Nachricht von 14.06 Uhr bleibt ihr letztes Lebenszeichen.

Drei Jahre später versuchte das Bezirksgericht in Diekirch jetzt zu klären, was an jenem Sonntagnachmittag passiert ist. Vor allem: Welche Rolle der 51-jährige Marokkaner Said B. beim Verschwinden und beim Schicksal von Diana S. spielt. Er ist der einzige Beschuldigte in diesem Verfahren, das an vier Tagen verhandelt wurde. Angeklagt ist er unter anderem wegen Mordes und Totschlags – sowie wegen eines Tatbestands, der selten vor Gericht verhandelt wird: der Störung der Totenruhe, oder „Atteinte à l’intégrité d’un cadavre“, wie ihn Artikel 453 des Luxemburger Strafgesetzbuchs bezeichnet.

Eine rätselhafte Tote in Frankreich

Für die Ermittler der Luxemburger Kriminalpolizei beginnt der Fall damals im Herbst 2022 unerwartet. Am 19. September wird ihren französischen Kollegen ein lebloser Frauenkörper im französischen Mont-Saint-Martin direkt an der Grenze zum Großherzogtum gemeldet. In einem Hinterhof zwischen Abfallresten und Müllcontainern entdeckt ein Jugendlicher damals zufällig einen verstümmelten Torso. Der Körper „wurde entsorgt wie ein Stück Dreck“, so ein Kriminalbeamter vor Gericht.

Wie die Gerichtsmedizinerin am ersten Prozesstag vorvergangene Woche aussagt, wurden dem Frauenkörper alle Extremitäten und der Kopf entfernt …