Betrugsfälle im Zusammenhang mit LuxTrust-Produkten sind ein zunehmendes Problem. Die Monopolstellung des Dienstleisters erleichtert den Tätern das Spiel. Es gäbe Alternativen, die zur Sicherheit beitragen könnten. Doch die Politik hält an dem einzigen Anbieter fest.
800 Euro pro Minute: So schnell verschwand das Geld vom Konto von Sophie*. Die Rentnerin verlor mehr als 13.000 Euro Erspartes, nur weil sie auf eine gefälschte SMS von „LuxTrust“ hereingefallen war. „Ich bin eigentlich eine sehr vorsichtige Person und dachte, mein Geld wäre auf meinem Sparkonto sicher – da dieses nicht mit einer Kredit- oder Debitkarte in Verbindung steht“, sagt sie im Gespräch mit Reporter.lu.
Das aber hielt die Betrüger nicht davon ab, das Geld von Sophies Sparkonto auf das Girokonto zu überweisen, um es dann an eine spanische Bank weiter zu transferieren. Möglich war das, da die Betrüger an die entsprechenden Login-Daten gekommen waren. Zwar konnte die Rentnerin das Konto blockieren. Das Geld jedoch war weg.
Sophies Bank sieht sich dabei nicht im Fehler: „Wenn Ihre persönlichen Login-Daten kompromittiert wurden, bedauern wir, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir nicht für die darauffolgenden Überweisungen verantwortlich gemacht werden können“, heißt es in einem Brief, den Reporter.lu einsehen konnte. Der Fakt, dass die Transaktionen im Minutentakt vollzogen wurden und höchst ungewöhnlich waren, änderte für ihre Bank nichts an ihrer Entscheidung. Und auch die spanische Bank ist sich keiner Schuld bewusst.
Betrugsversuche werden häufiger – und besser
Das Problem war, dass Sophie ihre Daten selbst den Betrügern übermittelt hatte, in dem Glauben, tatsächlich mit LuxTrust in Kontakt zu stehen. Denn die SMS, die sie erhalten hatte, war täuschend echt. Das bestätigen auch die Ermittler der Cybercrime-Einheit der Polizei: Fälschung und Realität seien kaum noch auseinanderzuhalten. Zudem wusste Sophie, dass ihr Zertifikat gleich erneuert werden müsste, und erwartete also, von LuxTrust kontaktiert zu werden.
Hinzu kommt: Obwohl es zunehmend zu Betrugsfällen im Zusammenhang mit LuxTrust kommt, gibt es in Luxemburg keine Alternative. Ohne LuxTrust-Zertifikate ist das alltägliche Leben so gut wie unmöglich geworden. Passerneuerungen, Steuererklärungen, Banküberweisungen, Schul-Apps, „eSanté“-Accounts – die Firma bestimmt über den Zugang zu wichtigen Dienstleistungen für alle im Großherzogtum lebenden und arbeitenden Menschen.
Es gibt keine Alternative: Entweder man benutzt LuxTrust oder man hat Pech gehabt im digitalen Luxemburg.“„Chaos Computer Club Lëtzebuerg“
Meldungen über solche LuxTrust-Betrügereien häufen sich vor allem in den letzten Wochen und Monaten. Nicht nur via SMS versuchen Kriminelle, an die Login-Daten von Nutzern zu kommen. Sie rufen auch mit täuschend echtem Luxemburger Akzent an oder verschicken gefälschte E-Mails. Es geht sogar so weit, dass falsche LuxTrust-Mitarbeiter bei Bankkunden an der Tür klingeln, um ihre Kreditkarten abzuholen, unter dem Vorwand, es gebe ein Problem mit ihrem Konto …
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