Vor Kurzem mussten sich Mitglieder eines venezolanischen Prostitutionsrings in Luxemburg vor Gericht verantworten. Der Fall zeigt, wie auch hierzulande Menschenhandel betrieben wird. Die Opfer werden kaum geschützt und oft einfach abgeschoben.
Es bedarf einer brutalen Auseinandersetzung, damit die Luxemburger Polizei auf den Menschenhändlerring aufmerksam wird, der zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast einem Jahr sein Geschäft im Großherzogtum betreibt. Am 10. Januar 2022 werden Beamte in eine Wohnung in Luxemburg-Stadt gerufen und finden dabei „drei in Venezuela geborene Prostituierte“ vor, die „Opfer von Schlägen“ gewesen sein sollen.
Die Aussagen eines Nachbarn, der das Geschehen in der angemieteten Wohnung bereits länger im Blick hat, bringen die Ermittler dann auf die Spur der Frau, die – wie es ein Luxemburger Gericht nun festgehalten hat – einen Prostitutionsring unterhielt. Ende Februar dieses Jahres wird die aus Venezuela stammende Frau unter anderem wegen Zuhälterei und Menschenhandel von neun Frauen zu vier Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung, und einer Geldstrafe von 5.000 Euro verurteilt. Gegen ihren mitangeklagten Helfer werden eine Haftstrafe von drei Jahren, davon zwei auf Bewährung, und ebenfalls 5.000 Geldbuße verhängt.
Das Urteil der siebten Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg, das Reporter.lu vorliegt, gibt einen Einblick in die umfassende Polizeiarbeit, die es brauchte, um das Netzwerk aufzudecken. Doch es ist auch ein Beleg dafür, wie schwer sich Luxemburg damit tut, Opfer von Menschenhandel zu schützen.
Escort-Webseiten bestehen weiter
Das Gerichtsurteil gründet unter anderem auf Aussagen von Kunden, die gegenüber der Polizei angaben, die Escort-Damen „gebucht“ zu haben. So konnten die Beamten einen Einblick in die Funktionsweise des Rings erhalten. Die alte Masche mit den Champagnerbars, in denen Kunden überteuerte Getränke bezahlten, um später in separaten Räumen sexuelle Dienste zu erhalten, ist zum Teil anderen Trends gewichen. Auch der Menschenhandel hat sich digitalisiert.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Internetportalen, auf denen Frauen ihre Dienste anbieten. Auf individuellen Profilen kann der potenzielle Kunde Fotos ansehen, er wird über die Preise – im vorliegenden Fall 150 Euro pro Stunde – informiert und auch über die Art des Services, den die Prostituierten anbieten. Darüber hinaus erhält er noch Informationen über Körperdimensionen, Sprachkenntnisse und Nationalität. Er erfährt sogar, ob die Frauen gerne Alkohol trinken oder nicht.
Il résulte des éléments du dossier (…) que l’activité (…) a été soumise à un chiffre d’affaires précis à atteindre (…) de 15 à 20 clients (…) en cas de non-respect (…) elles risquaient d’être renvoyées du logement.“Urteil vom 27. Februar 2025
Auf Basis des Urteils und eigener Recherchen konnte Reporter.lu einige solcher Internetseiten ermitteln. Eine der im Urteil angeführten Webseiten wurde inzwischen gelöscht. Andere bestehen weiterhin. Auf einer auf Luxemburg zugeschnittenen Seite stehen über 142 Frauenprofile zur Verfügung. Die meisten Frauen geben an, von der Hauptstadt aus zu arbeiten. Auf einigen Fotos sind im Hintergrund auch bekannte Straßenzüge, wie etwa die Avenue de la Liberté, zu erkennen. Aber auch für Esch/Alzette, Ettelbrück, Düdelingen und Petingen finden sich Angebote …
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