Wird Elon Musk die Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump dominieren? Sowohl Anhänger der nationalistischen „America First“-Bewegung als auch Berater aus dem konservativen Mainstream könnten den Einfluss des meinungsstarken Milliardärs begrenzen.

Um das disruptive Potenzial von Donald Trumps Wirtschaftsagenda ermessen zu können, empfiehlt sich ein Blick über den im Rampenlicht stehenden Elon Musk hinaus auf die weitere Rollenverteilung im Umfeld des gewählten Präsidenten. Russell Vought, künftiger Direktor des Haushaltsbüros des Weißen Hauses, etwa verspricht, „die Bürokratie dem Willen des Präsidenten zu unterwerfen“. Handelsberater Peter Navarro seinerseits denkt über die Kündigung des Handelsabkommens mit Kanada und Mexiko nach. Der Kartellrechtler Andrew Ferguson wiederum schimpft auf große Technologiefirmen, weil diese abweichende Meinungsäußerungen unterdrücken.

Dies sind nur einige der Stimmen im Universum der Menschen, die die „Trumponomics“ prägen werden. US-Präsidenten haben normalerweise eine Reihe von Beamten und Beratern, die zu ihrem Wirtschaftsteam gehören. Im Fall von Donald Trump ist das Team jedoch ungewöhnlich groß und reicht vom Wirtschaftsmagnaten bis zum akademischen Bilderstürmer. Wie passen all diese Persönlichkeiten zusammen? Und wie werden sie versuchen, die Wirtschaft der USA umzugestalten?

Es dürfte sinnvoll sein, die Anhänger von Donald Trump in drei Gruppen einzuteilen: konservative Mainstreamer, „America First“-Anhänger und Technologie-Magnaten. In vielen Fällen kommt es zu Überschneidungen. Die meisten sind sich darin einig, dass die USA weniger Vorschriften, eine kleinere Regierung, niedrigere Steuern, weniger Einwanderung und eine härtere Haltung gegenüber ausländischen Gegnern brauchen. Praktisch alle bringen umfangreiche Erfahrung mit, sei es im öffentlichen oder im privaten Sektor. Ihre Prioritäten und Rezepte sind jedoch sehr unterschiedlich. Trump-Unterstützer glauben, dass diese Meinungsverschiedenheiten, wenn sie durch sein Oval Office geregelt werden, zu besseren Entscheidungen führen. Wenn sie schlecht gemanagt werden, können sie aber genauso leicht eine chaotische Regierungsführung bewirken.

Wider den extremen Protektionismus

Wie in Donald Trumps erster Amtszeit bekleiden konservative Mainstream-Anhänger eine Reihe prominenter Ämter. Es ist zu erwarten, dass sie den extremsten protektionistischen Impulsen entgegenwirken, die durch die Trumponomics entstehen. Der Hedgefonds-Manager Scott Bessent soll etwa das Finanzministerium leiten. Kevin Hassett, ein angesehener Ökonom und leitender Berater in der ersten Amtszeit von Donald Trump, wird dem „National Economic Council“ (NEC) vorstehen. Howard Lutnick, Vorstandsvorsitzender der Maklerfirma und Investmentbank „Cantor Fitzgerald“, wurde zum Handelsminister ernannt. Und Doug Burgum, ehemaliger Gouverneur von North Dakota und Unternehmer, wird das Innenministerium übernehmen.

Investoren und Diplomaten atmeten bei diesen Ernennungen gleichermaßen auf, insbesondere nach den umstritteneren Nominierungen von Donald Trump für Posten wie  den des Verteidigungsministers und den des Generalstaatsanwalts. „Er hat das Clownauto von der Wirtschaft ferngehalten“, drückt es ein Diplomat in Washington, D.C. aus. Es gibt Anklänge an die Moderatorenrolle, die Steven Mnuchin als Finanzminister und Gary Cohn im NEC in der ersten Trump-Regierung spielten, beide ehemalige Banker von „Goldman Sachs“.

Es wird ein Tauziehen zwischen den eher traditionellen Reagan-Anhängern des freien Marktes und den Stimmen geben, die daran glauben, dass eine große Regierung die Wirtschaft antreibt.“Stephen Moore, Wirtschaftsberater von Donald Trump

Aber die Mainstream-Anhänger scheinen dieses Mal eher bereit zu sein, der Agenda von Donald Trump zu folgen. So sagte Kevin Hassett, dass zehn Prozent universelle Zölle „durchaus erhebliche“ Vorteile für die USA bringen und zur Onshore-Produktion der Welt beitragen würden. Scott Bessent seinerseits sprach von Zöllen als einer „Verhandlungsposition“ und deutete damit an, dass er in solchen Abgaben einen Wert sieht, wenn auch keinen  Selbstzweck. Die Kämpfernatur Howard Lutnick geht noch weiter …