Der ukrainische Abgeordnete Boris Prykhodko gibt offiziell an, rund 2,6 Millionen Dollar zu besitzen. Recherchen von Reporter.lu legen nahe, dass sich das Vermögen mindestens auf fast das Zehnfache beläuft. Die Spuren führen zu einer Briefkastenfirma in Luxemburg.

Die Ukraine im Jahr 2012: Der pro-russische Präsident Viktor Janukowytsch sitzt seit zwei Jahren an den Schalthebeln der Macht. Die Korruption im Land erreicht neue Höchststände. Zwei Jahre später toben in Kiew blutige Proteste. Der Staatschef wird gestürzt und flüchtet nach Russland.

Wer unter Viktor Janukowytsch aufstieg, gilt ab dem Zeitpunkt als verdächtig. Einer von ihnen ist Boris Prykhodko. Der Banker, der 1973 in der Region Tschernihiw zur Welt kam, wurde 2012, nach einer Karriere in einigen der größten Privatbanken des Landes, zum stellvertretenden Leiter der ukrainischen Zentralbank ernannt.

Nach der „Euromaidan“-Revolution werden viele hohe Beamte des alten Regimes abgesetzt. Auch Boris Prykhodko verliert seinen Job. Ende Juli 2014 lässt die Generalstaatsanwaltschaft den ehemaligen Staatsbankier festnehmen. Der Vorwurf: Er soll dem Agrarfonds der Ukraine über zwei Milliarden ukrainische Hrywnja, umgerechnet knapp 160 Millionen Euro, gestohlen haben.

„Schutz“ des Familienvermögens

Die Staatsanwaltschaft wird später feststellen, dass es Boris Prykhodko wohl gelungen war, das Geld außer Landes zu schaffen. Der Beschuldigte kommt schließlich 2016 wieder auf freien Fuß und arbeitet zwischenzeitlich als Firmenberater. Der Versuch, gegen seine Absetzung zu klagen, schlägt fehl.

2019 gelingt es Boris Prykhodko, sich unter dem Banner der „Partei der Regionen“ einen Platz im ukrainischen Parlament zu sichern. Seine Wahl wird begleitet von Manipulationsvorwürfen. Auf der Webseite des Parlaments gibt er ein Vermögen von 2,6 Millionen US-Dollar an (Stand 2021).

Nach der Überprüfung (…) blieben wichtige Fragen unklar, größtenteils in Verbindung mit der Quelle des Wohlstands und wegen der Vorwürfe der Geldwäsche und Veruntreuung.“Schweizer Vermögensverwalter

Recherchen von Reporter.lu zufolge baut Boris Prykhodko bereits im Jahr nach seiner Nominierung bei der Zentralbank eine Offshore-Struktur auf, bei der später auch Luxemburg eine wichtige Rolle spielen wird.

Bereits 2012 wird in Panama die „Bovaiamom Private Foundation“ gegründet. Als Zweck nennt er den „Schutz seines Reichtums und den Vermögenswerten seiner Familie“, wie es in 2023 geleakten Dokumenten eines Schweizer Vermögensverwalters heißt, die Reporter.lu einsehen konnte …

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