Die ärmsten Länder der Welt haben ein schlimmes Jahrzehnt hinter sich. Nach kontinuierlichen Fortschritten geriet die globale Entwicklung ins Stocken. Das Scheitern der Politik könnte aber auch eine Chance sein, den Kampf gegen die Armut künftig effektiver zu führen.

Mittlerweile müssen eine Milliarde weniger Menschen mit 2,15 US-Dollar oder weniger pro Tag auskommen als noch im Jahr 2000. Seit der Jahrtausendwende gibt es jedes Jahr eine Gruppe von Entwicklungshelfern, Bürokraten und Philanthropen, die diesen außergewöhnlichen Rückgang der extremen Armut als ihr Verdienst beanspruchen und sich am Rande der UN-Vollversammlung treffen, um die Fortschritte bei ihrem wichtigsten Konzept der „Ziele für nachhaltige Entwicklung“ zu feiern. Auch beim derzeitigen Treffen in New York werden wieder viele mit sich selbst zufrieden sein.

Doch hier sind einige überraschende Fakten. Fast alle Fortschritte im Kampf gegen die Armut wurden in den ersten 15 Jahren der 2000er Jahre erzielt. Tatsächlich haben im Jahr 2022 verglichen mit 2013 nur ein Drittel der Menschen die extreme Armut hinter sich lassen können. Die Fortschritte bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, die in den ärmsten Ländern weit verbreitet sind, haben sich stark verlangsamt. Wenn der Anteil der an Malaria erkrankten Menschen in Ländern, in denen die Krankheit auftritt, im gleichen Tempo wie zwischen 2000 und 2012 weiter gesunken wäre, hätte es nur halb so viele Fälle gegeben wie im Jahr 2022.

Zwischen 2000 und 2016 ging die Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern mit einer Todesrate von 79 auf 42 pro 1.000 Geburten zurück. Doch bis 2022 war die Zahl nur geringfügig stärker gesunken, und zwar auf 37. Der Anteil der Kinder im Grundschulalter, die in Ländern mit niedrigem Einkommen zur Schule gehen, stagnierte 2015 bei 81 Prozent, nachdem er von 56 Prozent im Jahr 2000 gestiegen war. Armut gehört in weiten Teilen Europas und Südostasiens der Vergangenheit an, doch in weiten Teilen Afrikas scheint sie so stark verbreitet, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Das Ende des „Aufholwachstums“

Kurz gesagt, die arme Welt hat ein schlimmes Jahrzehnt erlebt. Einige Entwicklungsagenturen haben darauf reagiert, indem sie in einer Form der „Notfalltriage“ Geld in Bildung und Gesundheitsfürsorge investiert haben. Jetzt wird das Geld immer knapper, und nur wenige Länder zeigen Anzeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs, trotz der intensiven Bemühungen von Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Weltweit sind immer noch 700 Millionen Menschen extrem arm und 2,8 Milliarden Menschen leben in Regionen, die nicht an den Lebensstandard der reichen Welt herankommen.

Wie kann das sein? Die Antwort beginnt beim Wirtschaftswachstum. Theoretisch sollten arme Länder in der Lage sein, Technologien aus reichen Ländern zu verwenden und dabei die Kosten und Fehler zu vermeiden, die mit Innovationen verbunden sind …