Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Aus den Tiefen des Sommerlochs blicken wir mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: Politiker im Urlaub und ein fleißiger Quotenminister.

Endlich kommt wieder Sommerstimmung auf! Die Politik verabschiedete sich allerdings bereits aus dem verregneten Luxemburg und sucht Zuflucht im Ausland, in dem Gewerkschaftsbosse und Unternehmerverbände einen nicht bis spät in die Nacht heimsuchen. Wären da nicht die bösen Journalisten, die einen auch noch im Urlaub aufspüren. Das „Wort“ lieferte sogar eine Karte mit den Urlaubszielen der Regierungsmitglieder. Das ist Servicejournalismus, damit auch jeder weiß, welche Urlaubsziele es diesen Sommer zu vermeiden gilt.

Trotzdem bleiben sie natürlich alle erreichbar. Im Ausland gibt es immerhin selbst für Postkunden funktionstüchtige Roaming-Optionen. Noch-nicht-Premier Gilles Roth erklärt etwa, „immer erreichbar zu sein“ und mit seinem Team in Kontakt zu stehen. Wer weiß, was #Luc über den Sommer noch über die Gewerkschaften sagt. Das Team im Situationroom des Finanzministeriums ist auf alles gefasst. #NoRestForTheWicked

Xav, der Paartherapeut

Für den Frieden in der Koalition ist nicht #Luc, sondern bekanntlich Xav verantwortlich. Zwar sei man nicht „in den Flitterwochen, aber die Hochzeit wurde unterschrieben im November 2023“, sagte der Ex-Premier über die Stimmung in der Koalition nach der ersten Sozialrunde. Doch Xavier Bettel hat nicht nur bahnbrechende Analysen über die politische Kälte zwischen den Regierungsparteien, er hat auch Beziehungstipps. „Das kann ich nur jedem Paar wirklich empfehlen: Wenn man zu zweit reist, sollte man auch zu zweit sein“, so der Paartherapeut in Ausbildung im Interview mit „Télécran“.

Im Interview mit der Retrospect-Redaktion gab der Minister der Herzen noch weitere Tipps für den nächsten Urlaub mit den Liebsten: Wenn man in den Urlaub fährt, sollte man auch Urlaub machen. Oder: Wenn man gemeinsam frühstückt, dann sollte man auch gemeinsam sein. Alles klar? Gut. Dann steht den nächsten Ferien nichts mehr im Weg.

Der Berg ruft

Was machen Minister eigentlich in den Ferien? Ganz genau: Frische Bergluft schnappen. Man muss sich ja von Lydies Autoabgasestadt erholen. Dabei ist Österreich das beliebteste Reiseziel. Für Politiker ist das Land ideal: Dort lernt man wie Korruption in den höchsten Ämtern geht. Eric Thill hat dafür extra noch vor seinem Amtsantritt die Biografie von Sebastian Kurz gelesen. Doch das ist nichts für Jedermann. Max Hahn ist aus einem anderen Grund in den Alpen.

Er reist dieses Jahr nach Elmau. „Es ist dort, woher die deutsch-österreichische Fernsehserie ‚Der Bergdoktor’ stammt“, sagt der Serienjunkie. In seiner Freizeit im Familienministerium schaut er jede einzelne Episode der 15-staffeligen Serie. Sobald er damit fertig ist, wird er seinen Plan zur Armutsbekämpfung vorlegen – vorausgesetzt, dass nicht noch eine neue Staffel von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder „Unter Uns“ dazwischenkommt.

Doch die Berge sind nicht für jeden gemacht. Partyqueen Elisabeth Margue sehnt sich nach mehr Feten, um dem öden Alltag der Luxemburger Politiker zu entkommen. Sie verschlägt es deshalb dieses Jahr nach Malle. Sie hat extra sichergestellt, dass Helene Fischer nicht am Ballermann auftritt. Sonst würde sie natürlich Léon, den Profi, treffen. Der macht ihr allerdings genug zu schaffen. Im Urlaub muss das nicht sein.

Eric Thill looking at things

Während die einen am Strand liegen oder Berge erkunden, haben die wichtigsten Minister keine Pause. Léon, der Profi, kann bekanntlich nicht anders, als zu arbeiten – wenn er nicht gerade Schlager hört. Aber auch Eric Thill arbeitet mehr im Urlaub als sonst. Während seine Woche als Tourismus- und Kulturminister sonst am Montag um 9 Uhr beginnt und die Arbeit am Dienstag um 11 Uhr getan ist, zeigt er in den Sommermonaten sein volles Potenzial als Tourismusführer.

Der arbeitstüchtigste Minister, seit es Quotenminister aus dem Norden gibt, begab sich während eines Monats auf Tour in Luxemburg. So etwa hier in Junglinster:

Supreme leader Eric Thill looking at Pumptrack. Zusammen mit Léon, der (Dreirad-)Profi, Bürgermeister Ben Ries von Junglinster und einem interessierten Beobachter der Luxemburger Politiker, Gilles Baum. (Foto: Facebook.com)

Tourismus gibt es auch im Süden des Landes. Dort durfte der Minister die Relikte der Stahlindustrie begutachten.

Eric Thill schaut auf einen Stahlwagen. (Foto: SIP / Emmanuel Claude)
Eric Thill schaut auf einen Stein.  (Foto: SIP / Emmanuel Claude)
Eric Thill schaut auf eine Maschine. (Foto: SIP / Emmanuel Claude)
Eric Thill steht auf dem Abstellgleis. (Foto: SIP / Emmanuel Claude)

Nach diesen aufwühlenden Wochen erklärt Eric Thill er wolle jetzt „Quality Time mit seinen Liebsten“ verbringen. Das wäre mit seinem „vollen Terminkalender im Alltag“ sonst nicht selbstverständlich, erklärt er gegenüber dem „Wort“. Tja auch die fleißigsten Minister brauchen eine Sommerpause von ihrem Bullshit-Job.

Das gilt auch für die Retrospect-Redaktion. Falls Sie für den Sommer noch nicht genug von Satire haben, empfehlen wir Ihnen, die Seiten des „Wort“ und „RTL“ im Blick zu behalten. Dort erfährt man zum Beispiel, warum es im Flieger in den Urlaub übel riechen könnte oder wie man mit Tieren gemeinsam schlafen kann. Mehr Retrospect gibt es pünktlich für die „Rentrée“ – wenn die Politiker wieder zurück aus ihrem Urlaub sind.


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