Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: #Luc im Dialograusch und viele alternative Reformpisten für den Frieden.
Kennen Sie das: Es ist Mittwoch und Sie warten nur noch darauf, dass die Woche vorbei ist. Du bist der selbsternannte CEO und legst das Programm für das nächste Jahr fest, alles ist klar, es ist perfekt. Und dann meckern alle. „Ech sëtzen zënter de Moien 9 Auer héi, déi Rieden nozelauschteren. Et ass ganz schwéier 9 Stonnen konzentréiert nozelauschteren“, klagte der arme #Luc.
Das Parlament solle doch bitte kürzere Redezeiten beschließen, bat #Luc um Gnade. Doch es half alles nichts. #Luc musste auch noch auf idiotische Fragen zu seiner brillanten, rhetorisch wie politisch tadellosen Rede antworten. Es brauchte erst Klassenlehrer Claude, um den gelangweilten Musterschüler zur Ordnung zu rufen. Man muss es sagen: #Luc versteht die jungen Leute, mit denen er sich immer so „flott“ unterhält. Denn ein Schultag ist mindestens so schlimm wie ein Tag Parlamentsdebatte.
Und dann reden die fiesen Oppositionspolitiker, die in ihrer intellektuellen Unbedarftheit die Brillanz des Premiers nicht erkennen können, alles schlecht. Und die alternative grüne Sam will noch schlauer rüberkommen als #Luc. Das kann alles nicht sein.
Immer schön konstruktiv bleiben
Die Retrospect-Redaktion zeigt sich solidarisch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Luxemburg S.A.! Denn wer von Krisen und Problemen redet, verkennt einfach, wie abgrundtief awesome unser Land und unsere Regierung sind. Deshalb haben wir ein paar Ideen gesammelt, wie man die Berufsnörgler und ewigen Miesmacher des Landes in die Schranken weisen kann. Konstruktiver Journalismus nennt man das bei den Kollegen vom „Journal“.
Die CO2-Steuer soll künftig die Renten mitfinanzieren. Grandiose Idee, finden wir. Aber #Luc war wie immer zu bescheiden. Das kann noch besser werden. Wir schlagen eine große Kampagne vor mit dem Slogan: „Gëff Gas fir deng Pensioun!“ Die Tafeln der „Sécurité routière“ sind ja jetzt billig zu haben.
Ein Tempo-Gebot von 150 km/h auf der Autobahn macht Luxemburg zudem attraktiver. Die Kampagne „Oldtimer fir Oldtimers“ schenkt jedem „kurz vor der Rente“ ein Auto aus seinem Geburtsjahr. Damit leistet jeder seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit des Pensionssystems. Und noch besser: Unvermeidbare Kollateralschäden machen das System noch nachhaltiger. #WinWin

Aber warum sollte man sich auf Sprit beschränken. Zur heiligen Dreifaltigkeit Luxemburgs gehören natürlich auch Zigaretten und harter Alkohol. Es wäre nur konsequent, auch diese Einnahmen für die Renten zu nutzen. Statt den Gruselbildern auf Tabakverpackungen könnte man einen Aufkleber „Merci fir Äre Bäitrag zu der Generatiounegerechtegkeet!“ gestalten. Das würde „d’Leit“ nicht „nerven“, sondern „mathuelen“ und bestimmt zu „flotten Diskussiounen“ führen. Ganz im Sinne von #Luc.
Flotte Lösungen für den Frieden
Auch bei den Militärausgaben ist die Kreativität von CSV und DP noch ausbaufähig. Es soll ja auch Spaß machen. So könnte die Regierung einfach für die Päischtcroisière einen Flugzeugträger leasen. Beim üblichen Alkoholpegel fällt das den Gästen von Kreuzfahrten eh nicht auf. Und es gibt nichts besseres als Musik von Fausti als Abschreckung des „Enemy“. Das Mittelmeer ist sicher, der Russe bangt.
Die einfachste Lösung wäre aber wie immer die luxemburgischste. Wir schütten die Militärbeamten einfach mit Geld zu. Jeder Uniformierte erhält demnach einen Brutto-Bonus am Ende des Jahres in Höhe von einer halben Million Euro, also zirka. Aus gewohnt mäßig informierten Kreisen verlautet, dass das Ministerium für den öffentlichen Dienst und die Liebkosung der CGFP das Konzept dafür schon in der Schublade liegen hat. Und es hat auch schon einen Namen: „Indemnité de fin de paix“.
Um mehr junge Männer für den Dienst an der Waffe zu begeistern, könnte man auch jedem Soldaten einen Lamborghini als Dienstauto aushändigen. Das würde dann auch wieder das Rentensystem stärken. #WinWinWin
Auch Staatsbeamte unter den Opfern
Aber zurück zum wahren Skandal: Alle sind immer so unfair zu #Luc. Trump stand in der Kritik, weil er sich ein 400-Millionen-Dollar-Flugzeug von den Kataris schenken lässt. #Luc hat schon vor langen Jahren den Kataris eine ganze Boeing-Flotte geschenkt. Und was war der Dank dafür?! Die bösen Medien machten eine Cargolux-„Affäre“ draus und irgendein Banken-Aufsichtsratsposten winkte auch noch. Und sonst? Irgendeine Anerkennung für die Pionierleistung des besten Premiers seit es dunkle Rollkragenpullover gibt? Pustekuchen!
Aber #Luc will auf jeden Fall sehr alt werden. Das ist auch nicht schwer. Alle werden immer älter, meint der CEO. Seine Eltern leben ja auch noch. Und die sind jetzt länger in Rente als sie gearbeitetet haben, erklärte er den verdutzten Abgeordneten. Es ist also ganz unproblematisch in Zukunft länger zu arbeiten. Vor allem jene, die schon seit jungem Alter einer körperlichen Tätigkeit nachgehen, sind begeistert. Herzinfarkt, Demenz, Krebs – das sind alles nur dornige Chancen, um dem Kapitalismus lange zu dienen.

Alter ist ohnehin so relativ. #Luc spricht ja gerne von jungen Menschen – „aber was heißt jung?“, meinte er philosophisch. „Forever young“ ist sein Motto. Seine „Fellow kids“ sind die Freunde seiner Kinder. Und die würden verstehen, dass „eng gutt Pensioun“ nicht in den Himmel wächst. Selbst Staatsbeamte müssen das jetzt eben einsehen. Das sind eben keine verwöhnten und privilegierten Sprösslinge wie alle anderen. Da könnten sich die Abgeordneten mal ein Stück abschneiden, erklärte #Luc im Parlament.
Die Großdemo der Gewerkschaften? Das sieht #Luc gelassen, auch wenn er es für durchaus unzivilisiert hält: „Ech si kee Frënd vun der Strooss, ech sinn e Frënd vum Dialog.“ Aber seinen Dialog versteht halt wieder niemand richtig. „Die wochenlange Scheindebatte erfüllte lediglich eine Alibifunktion. Die Reformpläne liegen seit langem griffbereit in der Schublade“, kritisiert die Staatsbeamtengewerkschaft „The sky is the limit“ (CGFP). Die wunderte sich zwar kurz, dass von mehr Beitragsjahren „nie die Rede“ gewesen sei. Doch wie wir wissen: Dialog hat am Ende doch nichts mit Zuhören oder Konsensfindung zu tun, sondern mit Leadership. #Basta
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönes, mit reichlich Fortschritt und Stabilität gesätes Wochenende und ganz viel Zeit für ellenlange Debatten und angetäuschte Dialoge.

