Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: Wachsendes Wachstum und der lockerste Podcast der Welt.
Mittwoch, 9.00 Uhr: Der Teint sitzt, die Powerpoint-Slides feingeschliffen: Gilles „Triple A“ Roth präsentiert den Haushaltsentwurf. Sah der beliebteste Député-Maire, seit es Mamer Skipisten gibt, im letzten Jahrzehnt noch alles düster, scheint heute auf einmal die budgetpolitische Dauersonne. Die Einnahmen sprudeln, die Konjunktur macht zumindest nicht schlapp und das Staatsdefizit übersteigt nur hauchdünn eine Milliarde Euro. Der Finanzminister hält also Kurs auf Norden – was zwar schlecht für die ministeriale Hautbräune ist, aber gut klingt. Immerhin.
Die Opposition war natürlich wie immer voll fies und auf Krawall gebürstet: Einen „Wirbelsturm der Banalitäten“ zog etwa David Wagner aus der Metaphernkiste. Phrasen dreschen, das könne der Finanzminister, spottete Sam Tanson. Und wie wir wissen, ist das Jonglieren mit Worthülsen jener Partei, die bei den Europawahlen mit dem Slogan „Fir dech, fir muer, elo!“ antrat, natürlich völlig fremd.
Dabei will der gute Gilles doch nur alles besser machen als seine Vorgänger: Diese Regierung wolle nicht „mit der Peitsche“ den Menschen sagen, was sie zu tun hätten. Die neue Koalition streichelt die Bürger bekanntlich lieber mit einer sanften Feder und auf Pump finanzierten Steuersenkungen windelweich. Die böse linksgrüne Verbotspolitik ist bei CSV und DP natürlich absolut tabu! Es sei denn für Bettler in der Hauptstadt, aber hey: Die zahlen ja ohnehin keine Steuern, die man wohlwollend senken könnte. Also sei’s drum.
Der Vin Diesel der Finanzpolitik
Dabei fing alles so gut an: Unterlegt mit fetten Beats verlässt der Minister für Finanzen, Budget und adrette Maßanzüge seinen Amtssitz und schlendert voller Tatendrang ins Parlament. Zumindest lässt das ein Video erahnen, das Gilles Roths hausinterner „Paparazzo mit Gehaltsstufe A1“ (wie das „Wort“ lästerte) offensichtlich drehte. Die Kamera schwankt und wackelt – aber der Minister hält Kurs! Kurs op muer. Ee Muer fir Jiddereen.
Man kann wahrlich nicht behaupten, dass Gilles Roth sich keine Mühe geben würde: Er rettet im Alleingang das heilige „Triple A“ vor den bösen Öko-Sozialisten. Und nicht nur das: Als moderner Mann hat er auch seine zarte Seite und ein fettes Herz für Arme. Das ist dann das von ihm selbst erfundene „Triple S“ – falls Sie auf dem Schlauch stehen: das „S“ steht für „Soziales“. Da hofft man allerdings, dass uns kein Downgrade erwartet.
Wir warten schon gespannt auf das Budget 2026, das Gilles Roth im weißen Feinripp vorstellen wird, mit dem Titel: „Triple X – jetzt erst recht!“ Wie Sisyphos kämpft er gegen den selbst aufgeschütteten Schuldenberg. Wir können das nächste Video jedenfalls kaum erwarten!
Das Wachstum, das wir wollen
Leider muss sogar Gilles Roth zugeben, dass das Wachstum, „das wir kannten“, gerade nicht auffindbar ist. Oder zumindest nicht da, wo man es erwartet …
Denn am Donnerstag entdeckte ganz Luxemburg eine inspirierende Geschichte: Der Staat ließ 400 Meerschweinchen beschlagnahmen – weil ihre Lebensbedingungen wohl nicht so prickelnd waren. Aber das Wunderbare: Innerhalb von einer Woche wurden 24 Meerschweinchen geboren. In wenigen Wochen könnte der Staat also stolzer Besitzer von 800 Tieren sein!
Das ist das Wachstum, das wir wollen! 100 Prozent innerhalb von Wochen: Finanzminister wäre der einfachste Job der Welt. Auf der anderen Seite scheint der Staat leicht überfordert, Hunderte putzige Tierchen zu versorgen. Private Tierschützer müssen einspringen.
Doch in der Regierung wird eifrig an Lösungen gearbeitet: Der Premier wünscht sich ein paar Kuscheltierchen, um sein „kaltes Herz“ (dixit „Wort“ und Djuna „Comeback Kid“ Bernard) zu wärmen. Der Minister für innere Sicherheit, Hauptstadt-Hygiene und Weinfeste, Léon Gloden, ist kurz davor, den Einsatzbefehl für die Mehrschweinchen-Armee zu geben. Sie sollen die Luxemburger Grenzen schützen gegen Flüchtlingsströme und die – besonders gefährlichen – Künstler. Sie bekommen die strikte Anweisung, nur noch Menschen mit 500.000 Euro in Bar, auf einem Schweizer Nummernkonto oder in einer Luxemburger Soparfi einreisen zu lassen. This is Sparta!
Podcasting für Monarchen
Gott sei Dank gibt es im Norden, im Reich der Piratenchefin Mandy noch eine Insel der Glückseligen – weit weg von Kunst oder finanziellen Sorgen. „Gimmy“ (42) darf jetzt ganz offiziell Dokumente unterschreiben und Hände schütteln. Doch der träumerische Statthalter-Prinz wünscht sich nichts sehnlicher als einen eigenen Podcast.
Aufgeregt erzählte er seinem Vater von seinem Traum. „Wir können es immer mal versuchen“, meinte der gnädige Monarch. Dabei wusste er nicht so recht, was so ein Podcast überhaupt ist. Er stellte sich ein „labberes“ Gespräch vor. Doch sein Statthalter hatte große Pläne: Palast, Kameras, Journalisten als Statisten, unsinnig teure Mikrofone und sogar die Aufnahmetechniker trugen Sakkos. Wie das bei klassischen Podcasts so ist, sieht das am Ende dann so aus, als wäre es ein schnödes Fernsehinterview im vergoldeten Palastzimmer.
Leider ist es aber wie bei allen Podcast-Amateuren: die Ausrüstung allein reicht nicht. „Die Monarchen, die selbst der Klatschpresse zu langweilig sind“, lästerte der „Stern“. Das ist natürlich völlig abwegig!
Da die Retrospect-Redaktion an aufstrebende Talente glaubt, haben wir uns mit den Kollegen von „On the Record“ – dem erfolgreichsten Luxemburger Klugscheißer-Podcast des Universums – zusammengesetzt. Unsere Podcast-Konzepte für Monarchen sind unschlagbar, finden wir:
- „Common People“: Guillaume interviewt „normale Menschen“. Den Anfang macht Josiane aus Petingen.
- „Gëllene Läffel: de Podcast fir Nepo-Babys“: Für die erste Folge haben wir bereits Tun Tonnar gebucht!
Mini-Prinz Charel für Staatsrat!
A propos privilegierte Abkömmlinge: Guillaume räumt seinen Stuhl im tadellosen Gentlemen’s Club namens Staatsrat – der Institution, die dafür sorgt, dass sich in Luxemburg nichts ändert. Sein Platz bleibt leer, bis Prinz Charel volljährig ist. #Can’tWait
Das finden wir allerdings äußerst unfair. Denn die hochnäsige Körperschaft ist in der Krise und bräuchte dringend ein PR-Geschenk. Der Grund: Die Justiz führte eine Hausdurchsuchung durch und setzte sich dabei selbst über mehrere „oppositions formelles“ der Institution hinweg.
Der süße kleine Erb-Erb-Großherzog hätte dagegen als Staatsrat mehr Verantwortungsgefühl als der offenbar komplett aus Versehen ins Visier der Justiz geratene Lucien Lux. Sogar wenn gewisse Bauunternehmer nun Paw-Patrol-Merchandise statt Uhren sammeln würden – der royale Charel lässt sich nicht kaufen!
Als guter Sozialist denkt de „luusse Luss“ natürlich nicht an Rücktritt. Der Ex-Minister, LSAP-Fraktionschef und langjährige Bürgermeister von Bettemburg wurde übrigens früher mal als das „soziale Gewissen“ (#LOL) von Etienne Etiennowitsch Schneider bezeichnet. In diesem Sinn hatte der bekennende Ethik-Freak auch sofort den Scherz verstanden, als der Staatsrat behauptete, sein „Comité de déontologie“ (#ROFL), werde sich mit seiner Affäre befassen.
Doch auch in Sachen Abschied nehmen, könnte Prinz Charel wertvolle Nachhilfe anbieten. Denn sein Großvater hat die richtige Einstellung: „Ich hing nie an der Funktion“, sagt #Heng. Falls die Luxemburger keine Monarchie mehr wollten: „Da maache mer aner Saachen. Da gi mir, dat ass guer kee Problem!“, meinte der Großherzog im lockersten Podcast, den dieses lustige kleine Ländchen je auf dem Streamingdienst Monarchie.lu gesehen hat.


