Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: Streit um Léons Karosse und himmlischer Beistand.

Luxembourg, twelve Points! Endlich ist es so weit. Der European Song Contest steht an und das kleine, bescheidene Großherzogtum ist seit Langem wieder mit von der Partei. Die Chancen im Finale stehen auch gar nicht schlecht, immerhin weisen die Prognosen Mars Di Bartolomeo als Favoriten aus.

Wie? The Artist formerly known as Parlamentspräsident tritt gar nicht beim ESC an? Mars soll ins Europaparlament? Sorry, da haben wird dann wohl etwas verwechselt. Vielleicht hat uns aber auch die total repräsentative und absolut nicht willkürlich anmutende „Politmonitor“-Umfrage diese Woche verwirrt.

Bei dieser belegte „Fighter“ Di Barto nämlich den Platz an der Sonne. Und auch nicht mit zwölf, sondern ganzen 68 Punkten auf der Sympathie- und Kompetenzskala. Da hat ihm sicher sein Ex-Minister-Bonus nicht geschadet. Gerne hätten wir erfahren, ob auch Franz Fayot davon profitieren könnte. Doch leider war Firlefranz keiner der 16 Kandidaten, die abgefragt wurden. Wie auch 62 andere Kandidaten. Immerhin wissen wir nun aber, dass Fokus mit der Rekrutierung von Monica Semedo ein Toptransfer gelang. Platz 16 von 16 kann sich sehen lassen. Gratulation!

Mars wäre auch nicht abgeneigt, ins Europarlament zu wechseln, wie er durchblicken ließ. Liz Braz ebenso wenig. Oder um es mit den Worten von Mars zu sagen: „Firwat net?“ Ja, wieso sollte man eigentlich nicht ein Mandat antreten, für das man kandidiert?

Atomkraft, jein danke!

Nicht abgeneigt, Mitglied der nächsten EU-Kommission zu sein, das ist bekanntlich Christophe Hansen. So wie er vor Kurzem nicht abgeneigt war, das Europarlament zu verlassen und sich auf die nationale Politik zu konzentrieren. Krautmarkt, Straßburg, Brüssel, auch da kann man schon mal durcheinanderkommen. Oder wie Nicolas Schmit sagen würde: „Wissen Sie, was Christophe Hansen sagt, interessiert mich eigentlich relativ wenig.“

Am Ende entscheiden bekanntlich die Wählerinnen und Wähler. Na ja, nicht wirklich. Sonst könnte man ja die europäischen Spitzenkandidaten überall wählen. Oder sie ständen zumindest auf einer Liste. Letztlich müssen wir wie immer Luc Frieden und Co. vertrauen. Was kann da schon schiefgehen …

Ein „flotter“ Tag mit „flotten“ Diskussionen mit „flotten“ Menschen. (Foto: Facebook/Luc Frieden)

Zunächst hat Luc Frieden aber noch einiges anderes zu tun. Immerhin steht ein handfester Streit innerhalb der Regierung ins Haus. Nein, nicht über die Atomenergie. Da haben #Luc und die CSV diese Woche im Parlament mit deutlichen Worten gesagt, was sie davon halten. Also dass man die irgendwie nicht so dufte findet, aber irgendwie doch, also zumindest in anderen Ländern, und hierzulande seien sowieso immer die Prozeduren schuld. Und die Grünen. Oder so. Dafür gab es von Lex Delles doch gleich ein Thumbs up!

Geschenkt, dass der CSV-Abgeordnete Jeff Boonen dabei ein bisschen flunkerte und behauptete, die CSV sei auch wieder Mitglied im Aktionskomitee gegen Atomkraft. Davon wusste man jedoch bei besagtem Bündnis nichts. Wie sich herausstellte, hatte die CSV ihren Wiederbeitritt einfach noch nicht in die Wege geleitet. Bestimmt waren da wieder die vermaledeiten Prozeduren schuld. Und die Grünen selbstverständlich.

Ministertage sind keine Herrenjahre

Doch zurück zum regierungsinternen Zwist. Für den ist auch diesmal wieder Léon Gloden verantwortlich. Der menschgewordene Unruheherd der CSV hat mit einem Video in den sozialen Medien den Zorn des Koalitionspartners auf sich gezogen. Dabei wollte Léon, der „Profi“ doch nur zeigen, was er als Innenminister den ganzen Tag so zu tun hat. Also: Autofahren, Ministerrat, Fraktionssitzungen, Autofahren, Besprechungen, Termine, und immer mal wieder Autofahren.

Und da könne sogar doch tatsächlich mal etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommen. Als Minister hat man es halt nicht leicht. Schon gar nicht, wenn einem da auch noch widerspenstige DP-Abgeordnete in die Parade fahren. Da stören sich Corinne Cahen und Guy Arendt in einer parlamentarischen Anfrage an den Premier doch tatsächlich daran, dass sich Léon Gloden selbst in Szene setze und in seinem Video keinen politischen Inhalt liefere. Skandal! Sowas wäre Corinne in ihrer Zeit als Ministerin niemals unterlaufen. #weisegëllt

Léon Gloden greift bis auf Weiteres lieber auf seinen Zweitwagen zurück. (Foto: Facebook/Léon Gloden)

Und dann gebe es in Léons Video auch noch eine „mise en scène, pour le moins extensive, de sa limousine allemande“. Absolut unzuverlässigen Quellen zufolge handelt es sich dabei um das gleiche Modell, mit dem sonst immer Bettler aus dem Ausland nach Luxemburg gebracht wurden. Also, ehe Léon und Iron Lydie dem ein Ende setzten. Die Antwort von #Luc auf die parlamentarische Anfrage steht noch aus. Wir sind uns aber ganz sicher, dass er eine „flotte“ Formulierung finden wird.

Auch als Premier hat man es halt nicht leicht. Andauernd muss man das Porzellan zusammenkehren, dass die anderen Regierungsmitglieder zerdeppern. Dauernd wird man falsch verstanden und zitiert. Und dann muss man sich auch noch mit diesen komischen Gewerkschaften auseinandersetzen. Aber irgendwie war es dann doch ganz „flott“ am 1. Mai beim LCGB in Remich.

Heiliger Vater statt Steve Heiliger

Nicht so „flott“ ist das Verhältnis der CGFP zur CSV. Und das nur, weil die vor den Wahlen noch das Bewertungssystem bei der Armee kritisiert hatte und das nun aber weiter aufrechterhalten will. Dabei kann man seine Meinung doch mal ändern. „Ech mengen, datt mir allegueren och ëmmer scho mol Positiounen a Kampagnen haten, wou mer soten: sou. An herno, wa mir mat aneren zesummeschafen an aner Informatiounen hunn, déi déi d’Saachen da vläicht relativéieren, dann een och d’Gréisst hunn, ze soen, ok, et ass vläicht anescht gewiescht“, so der Minister für Staatsbeamte, steigende Punktwerte und exzessives Herumlavieren, Serge Wilmes (CSV).

Vor Wahlen das eine sagen und hinterher etwas anderes? Nicht mit der CGFP! (Foto: Mike Zenari)

Nachher ist man halt immer schlauer. Erst recht, wenn man wieder an der Macht ist. Über das ganze Gezeter der CGFP kann sich Serge Wilmes aber nur wundern. Seine Tür stehe immer offen und da verstehe er gar nicht, wie auf Protestveranstaltungen so drastische Worte fallen könnten, wo man es doch eigentlich besser wissen müsste. Pacta sunt servanda, alea iacta est, cogito ergo sum – auch als Minister für den öffentlichen Dienst und studierter Historiker ist man mit seinem Latein da rasch am Ende. Gut, dass das andere Ressort von Serge Wilmes, das für Klima und Umwelt, in dieser Regierung ein Selbstläufer ist.

Wenn gar nichts mehr hilft, hilft nur der liebe Gott. Oder vielleicht tut es auch sein Stellvertreter auf Erden. Der soll im September doch tatsächlich Luxemburg einen Besuch abstatten, wie Kardinal Jean-Claude Hollerich nun bekannt gab. Also, ein Besuch von Papst Franziskus sei zumindest „sehr wahrscheinlich“. Heiliger Vater statt Steve Heiliger demnach.

Habemus papam! Das dürfte vor allem Luc Frieden freuen, der bekanntlich „heiansdo“ an Gott glaubt – und auch „heiansdo“ ans Buchstabieren, denn für den Premier steht das „C“ im Parteinamen der CSV schließlich für „Grundwerte“. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gesegnetes, „flottes“ Wochenende. Friede(n) sei mit euch!


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