Kurz nach Bekanntwerden des Finanzskandals bei der „Caritas“ sei eine interne Lösung im Gespräch gewesen. Das sagten Vertreter des Erzbistums gegenüber den Abgeordneten des parlamentarischen Sonderausschusses zur Aufarbeitung der Affäre. Das Bistum sei bereit gewesen, eine halbe Million Euro beizusteuern, um ein Projekt namens „Caritas Newco“ auf die Beine zu stellen.

Diese Informationen wurden am Mittwoch nach der Sitzung des Ausschusses bekannt, in der Weihbischof Leo Wagener und der Chefökonom des Erzbistums, Marc Wagener, den Abgeordneten Rede und Antwort standen. Nach ersten Gesprächen über die Schaffung eines solchen neuen Projekts sei die Idee aber nicht weiter verfolgt worden. Um die Caritas selbst zu retten, habe das Bistum derweil nicht die nötigen finanziellen Mittel gehabt.

Nach der Sitzung bedauerten gegenüber Journalisten mehrere Abgeordnete die Passivität des Bistums, immerhin ein Gründungsmitglied der Caritas. Das Bistum habe „nicht gerade eine aktive Haltung“ gehabt, sagte etwa der Vorsitzende des Ausschusses, Charel Weiler (CSV). Berichterstatterin Taina Bofferding (LSAP) ihrerseits betonte, dass die Vertreter des Bistums im Sommer 2024 „in den Schrank gestellt wurden und nichts taten, um wieder herauszukommen“.

Dass sich, wie Kardinal Jean-Claude Hollerich erklärt hatte, niemand von der Caritas bei ihm gemeldet haben soll, scheint derweil fraglich. Fragen warfen am Mittwoch auch Angaben der Bistumsvertreter auf, denen zufolge Premier Luc Frieden (CSV) Mitte Juli gesagt haben soll, dass der Staat für die Gehälter der Caritas-Mitarbeiter aufkommen könnte …