Binnen weniger Jahre entwickelte sich Capelli zu einem der größten Immobilienentwickler in Luxemburg. Doch die andauernde Krise bringt das französische Unternehmen zunehmend unter Druck. Auf erste Pleiten folgt eine Hiobsbotschaft der Muttergesellschaft.
Dass die Sache mit Luxemburg nicht einfach werden würde, das ist Christophe Capelli schon 2018 klar. Im Gespräch mit dem französischen Fernsehsender „BFM“ bezeichnet der Immobilienunternehmer das Großherzogtum zwar als „pays très fort“, allerdings mit Einschränkungen. „Nur weil es sich um einen vielversprechenden Markt handelt, heißt das nicht, dass es einfach ist, gute Objekte und Gelegenheiten zu finden“, sagt der Vorstandschef der französischen „Capelli“-Gruppe in dem Interview.
Trotzdem steigen er und sein Bruder Jean-Charles mit Schwung in den Markt ein. Das Portfolio der „Capelli Lux SA“-Gruppe erweitert sich binnen weniger Jahre um mehr als 20 Immobilienprojekte in Luxemburg. In Moutfort, Mamer und Bonneweg sollen Apartmenthäuser entstehen. In Ahn, Steinbrücken und Oberkorn Familienhaus-Siedlungen. In quasi allen Landesteilen ist Capelli aktiv. Ihr größtes Projekt stellt die Gruppe 2021 vor: Das sogenannte „South Village“ soll in Howald aus dem Boden gestampft werden. Ein Gebäudekomplex mit einer Gesamtfläche von mehr als 21.000 Quadratmetern: 130 Wohnungen, Gewerbeflächen, einen Co-Working-Space sowie einen Co-Living-Space verspricht die Werbebroschüre.
Es sind damals die Boom-Zeiten auf dem Luxemburger Immobilienmarkt, mit jährlichen Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent. Doch auf den vermeintlichen Goldrausch folgt mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine die Krise. Gestiegene Zinsen, fragile Finanzierungsmodelle und unsichere Konjunkturaussichten lähmen den Immobilienmarkt bis heute. Mit Folgen auch für die Capelli-Gruppe.
Gruppe zieht Reißleine
Schon bald mehren sich die Beschwerden von Kunden, die auf die Fertigstellung ihrer Häuser oder Wohnungen warten. In vielen Fällen werden aus Monaten Jahre. Der Immobilienentwickler rutscht immer tiefer in die Krise. Und während die Folgen für die Projekte in Luxemburg noch nicht vollends absehbar sind, gerät die französische Muttergesellschaft des Familienunternehmens aus Lyon in immer größere Not.
Im Februar dieses Jahres zieht die Capelli-Gruppe vor einem Pariser Gericht schließlich die Reißleine. Wie sie in einem anschließenden Presseschreiben mitteilt, habe man beim Handelsgericht einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens („Demande d’ouverture de procédure collective“) gestellt. Unternehmen können dieses Verfahren im Falle eines Zahlungsausfalls beantragen. Am 5. März bewilligt das Handelsgericht den Antrag. Dadurch erhält die Gruppe eine gerichtlich geschützte Frist von sechs Monaten, um einen Sanierungsplan auszuarbeiten.
In diesem Zeitraum versuche Capelli, sich mit seinen Partnern auf die Fertigstellung von begonnenen Projekten zu konzentrieren, schreibt der Immobilienentwickler in derselben Pressemitteilung. Doch auch negative Folgen für einzelne Projekte schließt er nicht aus, denn man prüfe ebenfalls „la cession des projets les plus exposés“ …
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