Es gibt einen weiteren Fall von Veruntreuung in der Entwicklungshilfe. Die Hilfsorganisation des OGBL musste deshalb ein Projekt auf den Kapverden beenden. Der Staat fordert eine fünfstellige Summe zurück, die Justiz ermittelt gegen eine Ex-Angestellte.
Seit 1997 leistet sich Luxemburgs größte Gewerkschaft eine eigene Organisation für Entwicklungshilfe. Erster Präsident des Vereins „OGBL Solidarité Syndicale“ war der langjährige OGBL-Vorsitzende John Castegnaro. Die Idee hinter dem Verein: Gewerkschaften in Entwicklungsländern stärken. Die letzten Projekte konzentrierten sich auf Ghana, Bolivien und die kapverdischen Inseln.
Auf den Kapverden wollte die Hilfsorganisation das Projekt „Cenfos“ umsetzen. Das „Centro de Formação Sindical e Profissional“ in der kapverdischen Hauptstadt Praia hatte zum Ziel, der Bevölkerung und dabei vor allem jungen Menschen die Themen Arbeitsrecht, Verhandlungstaktiken und Sicherheit bei der Arbeit näherzubringen. Das Projekt sei 2023 abgeschlossen worden, so „OGBL Solidarité Syndicale“ knapp auf der vereinseigenen Webseite.
Den wahren Grund verschweigt die Hilfsorganisation: die Veruntreuung einer fünfstelligen Summe. Die Gelder soll die ehemalige Leiterin des Projekts 2023 unterschlagen haben. Nachdem in der Caritas-Affäre fünf der rund 60 verschwundenen Millionen Euro die Entwicklungszusammenarbeit betrafen, erschüttert demnach nun ein weiterer Fall den Sektor. Erneut stellen sich Fragen nach der Verwaltung von öffentlichen Mitteln und Spendengeldern. Und auch in diesem Fall steht die Zukunft einer Hilfsorganisation auf dem Spiel.
74.000 Euro unterschlagen
Was ist passiert? Informationen von Reporter.lu zufolge steht die Projektleiterin Marie B. im Verdacht, Gelder der Organisation unterschlagen zu haben. Mit der veruntreuten Summe soll sie sich eine Wohnung auf den Kapverden gekauft haben. Wohnungen mit Strandblick sind auf den Inseln ab einem Preis von 50.000 Euro zu bekommen.
Die aktuelle Präsidentin von „OGBL Solidarité Syndicale“, Véronique Eischen, kann auf Nachfrage von Reporter.lu nicht bestätigen, dass Marie B. sich eine Wohnung mit dem „a priori veruntreutem Geld“ gekauft habe. Aber: 2023 seien bei der trimestriellen Überprüfung der Konten Unregelmäßigkeiten festgestellt worden …
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