In Zusammenhang mit dem Artikel „Rechter Populismus ohne Grenzen“, erschienen am 3. April auf Reporter.lu, macht der ADR-Abgeordnete Tom Weidig Gebrauch von seinem Antwortrecht, so wie es das Gesetz über die freie Meinungsäußerung in den Medien vorsieht.

Nachfolgend der Text des „Droit de réponse“ im Wortlaut:

Leider sehe ich mich genötigt, wegen mehrerer falscher, verzerrter und unvollständiger Aussagen im Artikel, eine Klarstellung einzureichen.

Hiermit will ich Ihnen, liebe Leser von Reporter.lu, die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, ob hier Qualitätsjournalismus vorhanden war oder nicht.

Erstens schreibt Herr Caregari in seiner Einleitung: „trat … Weidig im Namen Luxemburgs … auf“. Das ist falsch. Die Interparlamentarische Konferenz ist eine Versammlung von Parlamentariern aus ganz Europa und aller politischen Couleurs. Jeder Politiker redet „en nom personnel“ und jeder auf der IPC und der die IPC kennt, weiß das auch. Das Ziel der IPC ist es gerade die ganze Bandbreite der politischen Meinungen in Europa einzufangen.

Zweitens schreibt Herr Caregari, ich hätte gesagt: „Die Viren kämen aber nicht aus dem Kreml, sondern aus dem Inneren der EU selbst“. Das ist falsch. Ich habe klar gesagt, dass wir Tools haben müssen, um „Hybrid Threats“ zu bekämpfen. Aus den IPC-Dokumenten geht klar hervor, dass diese auch aus Russland kommen. Hier mein Originalzitat: “An external agent such as a virus cannot harm a strong body. Therefore, you need to make your body stronger. The same is true for the hybrid threats against the EU. We need tools to fight them, but we foremost must become stronger.“  Mein Punkt ist, dass Europa so geschwächt wurde durch jahrelange, stramm linke Politik, dass wir gegenüber „Hybrid Threats“ viel anfälliger sind.

Drittens habe ich nicht gesagt, dass „Europäer… nun sogar sich selbst hassen würden“, sondern dass die absichtliche Schwächung nationaler Identitäten sogar manchmal zu Selbsthass führt: „sometimes to the point of self-hatred“.

Viertens: Für mich „würden erneuerbare Energien ‛lediglich ein Traum’ bleiben“ ist auch falsch. Ich habe gesagt, dass sich dieser Traum „so far“, also bis jetzt nicht verwirklicht hat. Ein feiner, aber wichtiger Unterschied, da ein technologischer Durchbruch alles ändern könnte.

Fünftens hat Herr Caregari „… he is not from posh Manhattan but from working class Brooklyn“ mit „aus der Arbeiterklasse in Brooklyn“ übersetzt, aber korrekt übersetzt heißt es „das Arbeiterviertel Brooklyn“, wo auch eine Mittel- und Oberschicht lebt!

Sechstens bin ich nicht Mitglied des RTL-Verwaltungsrates. Das sind lediglich Abgeordnete von CSV, DP und LSAP, wofür sie im Übrigen auch entlohnt werden. Die Teilnahme an der Kontrollkommission des RTL-Vertrages wird nicht entlohnt. Alle anderen Fraktionen sind beim Sender vertreten, während die ADR nur in der Kontrollkommission sitzt.

Schlussendlich wird im Artikel meine Perspektive nur mit folgendem lapidaren Satz beschrieben: „beantwortete … mit dem Verweis auf die geltenden Regeln der besagten Delegation“.

Dem Leser werden jedoch meine Erklärungen vorenthalten:

„Den IPC ass d’Versammlung vu Parlamentarier vun allen europäesche Parlamenter. Lëtzebuerg huet 5 Plazen. Ech sinn nëmmen 1 vu 5, an all Parlamentarier schwätzt a sengem ‛nom personel ’. Et ass och eng Diskussiounsronn a keng Ofstëmmung. Den IPC mécht eng offiziell Deklaratioun zu Themen, mee déi Deklaratioun gëtt decidéiert nëmme vun den ‛Heads of Delegation’, also bei eis engem Vertrieder vun der Majoritéit.“

Das klingt doch schon ganz anders als der reißerische Artikel.

Auch die Leser sind hier das Opfer – ihr Vertrauen zu Qualitätsjournalismus, den sie auch noch mit ihren Steuergeldern bezahlen, wird dadurch geschwächt.

Zum Schluss noch kurz den gutgemeinten Rat an die Kollegen Gilles Baum und Liz Braz, die mich süffisant kritisieren und mir die Rede verbieten wollen. Hinterfragen Sie sich doch lieber selbst und sagen Sie dem Steuerzahler, warum Sie nicht bei der Eröffnung der IPC und beim offiziellen Essen anwesend waren, und somit ich als Einziger auf die Frage antworten musste: „Wo ist denn der Rest der luxemburgischen Delegation? Wir hätten auch gerne mit denen gesprochen.“

Ja genau, warum waren Sie nicht da?“

Tom Weidig



Anmerkung der Redaktion

Die Redaktion von Reporter.lu veröffentlicht diese Antwort von Tom Weidig und gesteht ihm – wie schon mehrfach in der Vergangenheit anderen Personen – das gesetzlich garantierte Antwortrecht zu. Wir fühlen uns diesem Prinzip verpflichtet und sehen es als wesentlichen Teil der Pressefreiheit an.

In diesem Fall fühlen wir uns jedoch ebenso verpflichtet, einige Punkte in der Antwort des ADR-Politikers zu kommentieren bzw. richtigzustellen – auch das sieht das Gesetz ausdrücklich vor.

Tom Weidig wirft der Redaktion von Reporter.lu nämlich „falsche, verzerrte und unvollständige Aussagen“ vor – allerdings enthält seine Antwort selbst faktisch falsche Darstellungen. Wir beschränken uns dabei auf die offensichtlichsten Passagen.

1. Tom Weidig trat bei der besagten Konferenz in Polen sehr wohl „im Namen Luxemburgs“ auf, denn er sprach als Teil einer Delegation des Luxemburger Parlaments und wurde als solcher vor Ort auch vorgestellt. Die Formulierung „im Namen Luxemburgs“ ist demnach eine zulässige, weil auf Fakten basierte journalistische Einordnung – ebenso wie etwa die Bezeichnung Tom Weidigs als „Kulturkämpfer und Trump-Fan“.

2. Faktisch falsch ist auch Tom Weidigs Behauptung, dass Donald Trump aus dem „Arbeiterviertel Brooklyn“ stamme. Unabhängig von der genauen Übersetzung seiner Rede: Donald Trump ist nicht in Brooklyn, sondern im New Yorker Stadtteil Queens aufgewachsen.

3. Einen Fehler enthielt der Artikel „Rechter Populismus ohne Grenzen“ in der Tat: Tom Weidig ist nicht Mitglied im Verwaltungsrat von CLT-Ufa, sondern lediglich in der „Commission de suivi de la Convention“, welche die Einhaltung des Vertrags zwischen „RTL Luxembourg“ und dem Luxemburger Staat kontrollieren soll. Dieser Fehler wurde nach Veröffentlichung umgehend korrigiert.

Wir vertrauen darauf, dass sich in dieser Sache jede Leserin und jeder Leser in der Tat ein eigenes Bild machen kann.


Dieses Antwortrecht bezieht sich auf den Artikel „Rechter Populismus ohne Grenzen“ und wird gemäß Artikel 36ff des modifizierten Gesetzes vom 8. Juni 2004 über die freie Meinungsäußerung in den Medien veröffentlicht.