Viele erwarten sich von Donald Trumps Rückkehr an die Macht einen radikalen Wandel der US-Außenpolitik. Doch wie so vieles bei Trump ist auch das alles andere als sicher. Seine konstante Unberechenbarkeit birgt wohl die größte Gefahr für die Welt. Eine Analyse.
„Alles wird geregelt, alles wird gut“, versicherte Donald Trump seinen Anhängern im Wahlkampf. Das gilt natürlich nicht nur für innere Probleme, sondern auch für die Konflikte dieser Welt. Mit ihm als Präsident würden die USA wieder „echte Stärke“ zeigen, so sein Versprechen. Den Ukrainekrieg könne er übrigens „an einem einzigen Tag beenden“.
So simpel diese typischen Trump-Aussagen klingen, so schwer lässt sich erkennen, was er wirklich vorhat. Vorausgesetzt natürlich, man glaubt nicht daran, dass Trump den Weltfrieden herbeizaubern kann. In rezenten Interviews äußerte sich der selbsternannte Heilsbringer denn auch schon realistischer. Doch auch das kann sich bei Donald Trump schnell wieder ändern.
Seine außenpolitische Doktrin lautet bekanntlich: „America first“. Doch dieser Begriff ist schwammig, vielseitig interpretierbar, ja geradezu banal. Denn jede US-Regierung – ja eigentlich jede Regierung der Welt – verfolgt in der Außenpolitik „zuerst“ die eigenen nationalen Interessen. Wenn Trump den Slogan gebraucht, haben die Worte jedoch einen eigenen Klang und erzeugen beim Publikum eine andere Wirkung.
„America first“, und dann?
Die große Frage ist, was – oder ob überhaupt etwas – nach „America“ kommt. Das ist besonders für die europäischen Alliierten relevant. Donald Trump schürt zweifellos nationalistische Ressentiments, nach innen wie nach außen. Sein „America first“ erhebt jedoch nicht den Anspruch der Vereinigten Staaten als Hegemonialmacht oder Weltpolizei. Vielmehr will er, dass sich Amerika auf sich selbst besinnt und im Zweifel aus äußeren Konflikten heraushält. Mit diesem isolationistischen Unterton bricht Trump offen mit der außenpolitischen Maxime, die die USA seit dem Zweiten Weltkrieg verfolgen.
Allein diese Rhetorik bereitet den Verbündeten Sorgen und lässt die Gegner der bisherigen Weltmacht aufatmen. Doch aus Trumps Sicht liegt darin auch der Reiz seiner Außenpolitik. Denn hinter dem Konzept des Isolationismus können sich Anhänger quer durch das politische Spektrum versammeln. Man könnte darin sogar einen realpolitischen Ansatz erkennen. Denn ein Blick auf die aktuelle Weltlage verdeutlicht: Die Zeit der USA als unangefochtene Supermacht scheint in der Tat schon länger vorbei.
Ich traue niemandem.“Donald Trump
Auch dieses Verständnis von „America first“ ist aber, wie so vieles bei Trump, nur angedeutet. Im Wahlkampf versprach er auch schon vollmundig, die Inflation im Handumdrehen zu bewältigen oder Millionen illegale Migranten auszuweisen. Konkrete Lösungswege blieb er allerdings immer schuldig. Auch die Überwindung des seit knapp 80 Jahren praktizierten US-Imperialismus dürfte denn in der realen Politik nicht ganz so leicht von der Hand gehen.
Das gilt umso mehr, als Trump diesen großen strategischen Umbruch auch schon vor seiner Wahl im Jahr 2016 angekündigt hatte. In seiner ersten Amtszeit setzte Trump dann zwar einige Akzente und sorgte bei Alliierten für Befremdung. Er kündigte etwa das Pariser Klimaabkommen auf und ging in der Handelspolitik auf Konfrontation mit China. Doch bei allen Kontroversen blieb die groß angelegte Revolution der US-Außenpolitik aus.
Die Angst vor dem Unbekannten
Dieses Mal sollte man sich jedoch nicht auf ein ähnliches Szenario verlassen. Denn Trump 2.0 droht, radikaler oder zumindest konsequenter zu werden …
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