Überraschende Wendung im sogenannten SREL-Prozess: Anders als die Richter in erster Instanz befand das Berufungsgericht die ehemaligen Geheimdienstler Marco Mille und André Kemmer jetzt für schuldig. Eine Strafe verhängte es aber nicht. Grund ist die lange Verfahrensdauer, durch die der „Délai raisonnable“ deutlich überschritten worden sei. In der Tat reichen die verhandelten Ereignisse mittlerweile fast zwei Jahrzehnte zurück. Den Freispruch aus erster Instanz für den dritten Angeklagten, Frank Schneider, bestätigte das Gericht hingegen.
Im Zentrum dieses Prozesses standen mutmaßliche Verfehlungen, die im Zuge der sogenannten SREL-Affäre ans Licht gekommen waren. Die Affäre um den Geheimdienst nahm im November 2012 ihren Anfang, als das „Lëtzebuerger Land“ enthüllte, dass der damalige Geheimdienstchef Marco Mille am 31. Januar 2007 ein Gespräch mit Premier Jean-Claude Juncker (CSV) illegal aufgezeichnet hatte. Obwohl der Mitschnitt rechtswidrig war, war das Delikt zum Zeitpunkt der Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen im Dezember 2012 bereits verjährt.
Die Anklage im SREL-Prozess konzentrierte sich daher auf zwei andere Kernfragen: Hatten die drei Angeklagten im Januar 2007 den Informanten Loris Mariotto ohne Genehmigung des Staatsministers abgehört? Und hatten Marco Mille und André Kemmer nach ihrem Ausscheiden aus dem Geheimdienst Datenträger im Zusammenhang mit dieser Operation unrechtmäßig in ihren Privatbesitz überführt …
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