Die Vereinigung „Recherche et information sur l’antisémitisme au Luxembourg“ (RIAL) zeigt sich besorgt hinsichtlich einer Zunahme von Antisemitismus im Großherzogtum. Ihrem Jahresbericht zufolge verzeichnete sie 177 Taten oder Äußerungen, die sie als antisemitisch einstufte und an die zuständigen Instanzen weiterleitete. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage von Franz Fayot und Mars Di Bartolomeo hervor. Darin wollten die beiden LSAP-Abgeordneten auch in Erfahrung bringen, welche Schritte in der Folge unternommen wurden.

Der Regierung ist es jedoch nicht möglich, Zahlen zu explizit antisemitischen Anfeindungen zu nennen, wie der gemeinsamen Antwort von Premierminister Luc Frieden (CSV), Justizministerin Elisabeth Margue (CSV) und dem Minister für innere Angelegenheiten, Léon Gloden (CSV), zu entnehmen ist. Derartige Vergehen werden nämlich von Justiz und Polizei unter dem Oberbegriff „Aufruf zum Hass oder zur Gewalt“ („Incitation à la haine ou à la violence“) geführt.

Diese Kategorie umfasst sämtliche Aussagen oder Darstellungen, die sich gegen eine Person, eine Gruppe oder eine Gemeinschaft richten oder schwere Verbrechen gegen diese leugnen, verharmlosen, entschuldigen oder rechtfertigen. Und das betrifft eben nicht nur Antisemitismus, sondern jegliche Diskriminierung etwa aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung, gesundheitlicher Probleme, politischen wie philosophischen Ansichten oder auch gewerkschaftlichen Aktivitäten …