Hunderte Überweisungen auf ausländische Konten, erhöhte Kreditlinien in Höhe von 31 Millionen Euro und letztlich der Verlust von 61 Millionen Euro: Der Finanzskandal bei der Caritas ist beispiellos und nach wie vor ist nur schwer nachzuvollziehen, warum bei der Wohlfahrtsorganisation nicht früher die Alarmglocken schrillten. Jetzt hat sich nochmals der Verwaltungsrat der „Fondation Caritas Luxembourg“ zu Wort gemeldet.

„Der Verwaltungsrat wurde vor dem 15. Juli nicht über irgendwelche finanziellen Probleme bei der Caritas informiert. Und das, obwohl die Punkte ‚Actualité‘, ‚Compliance‘, Irrégularités‘ und ‚Fraudes/litiges‘ systematisch auf der Tagesordnung standen und auch die Direktion bei den Sitzungen anwesend war“, schreibt der Verwaltungsrat der Caritas-Stiftung in einer Pressemitteilung.

Warum er sich gerade jetzt dazu genötigt sieht, sich an die Öffentlichkeit zu wenden, geht aus der Mitteilung vom Dienstag nicht hervor. Zu Beginn des Schreibens steht lediglich, dass man „in Anbetracht der letzten Ereignisse verschiedene Dinge klarstellen möchte“. Konkret bezieht sich die Mitteilung auf die Aussagen des früheren Operationschefs der Organisation, die dieser Ende April zunächst im Podcast „Zeenewiessel“ von „Radio 100,7“ und in der Folge auch vor dem parlamentarischen Sonderausschuss gemacht hatte.

Tom Brassel hatte damals erklärt, dass er bereits am 6. Juni 2024, also etwas mehr als einen Monat vor Bekanntwerden des Finanzskandals, den damaligen Vizepräsidenten des Verwaltungsrates der Caritas-Stiftung, Pit Bouché, auf die erhöhten Kreditlinien aufmerksam gemacht habe, die die Finanzdirektorin bei zwei Luxemburger Banken beantragt hatte …