Die Kontroverse um eine „Maison Relais“ beschäftigt Diekirch seit Jahren. Nun hat die Gemeinde eine 27 Millionen Euro teure Lösung gefunden. Doch vor allem eine Frage bleibt offen: Was soll auf dem anliegenden Areal der gescheiterten „Seniorenresidenz“ entstehen?

Die Erleichterung ist dem neuen Bürgermeister der Stadt Diekirch auch eine Woche später noch anzusehen. In der Gemeinderatssitzung Mitte September hatte Charel Weiler (CSV) den Ratsmitgliedern den Kauf der „Maison Relais“ im historischen Pensionnat in Diekirch zur Wahl gestellt. Lediglich eine Enthaltung hatte es bei der Abstimmung gegeben, die anderen Räte hatten sich geschlossen für den Kauf ausgesprochen.

Im Gespräch mit Reporter.lu zeigt sich der amtierende Bürgermeister zufrieden: „Angesichts des Mietvertrags und der Tatsache, dass der Immobilienentwickler bis vor Kurzem alle Trümpfe gegen uns in der Hand hatte, kann man von einem Erfolg sprechen. Nicht nur für den neuen Schöffenrat, sondern auch für die Steuerzahler.“

Der Erfolg sieht folgendermaßen aus: Die Gemeinde kauft die „Maison Relais“ für rund 27 Millionen Euro dem aktuellen Besitzer, der „MR Diekirch sàrl“, ab. Der Kauf muss allerdings noch vom Ministerium für innere Angelegenheiten genehmigt werden. Die Gemeinde muss für die Transaktion nämlich eine Schuldanleihe von rund 28 Millionen Euro zeichnen. In dem Kaufpreis von 26,65 Millionen Euro sind noch ausstehende Mieten sowie Entschädigungen für den Immobilienentwickler enthalten. Der aktuelle Schöffenrat hatte zuvor entschieden, ab Mai keine Miete an den Entwickler mehr zu überweisen. Auch um Druck in den stockenden Verhandlungen zu erzeugen.

Ein Projekt mit Vorgeschichte

Dass die Gemeinde Diekirch ihre eigene „Maison Relais“ überhaupt kaufen musste, hängt mit der ursprünglichen Planung der Einrichtung zusammen. Wohl kaum ein Immobilienprojekt bestimmte die politische Tagesordnung in Diekirch in den vergangenen Jahren so sehr wie die neue „Maison Relais“ und die Pläne um die sogenannte „Seniorenresidenz“. Beide sollten auf dem Gelände des historischen „Pensionnat Notre-Dame de Lourdes“ nahe der Grundschule entstehen. 2019 hatten die Firmen „Seniorenresidenz Diekirch sàrl“ und „MR Diekirch sàrl“ die Flächen für insgesamt 8,1 Millionen Euro gekauft. Die Vorhaben waren damals noch unter dem langjährigen Bürgermeister und späteren Minister Claude Haagen (LSAP) genehmigt worden.

Es war sicherlich kein einfaches Dossier. Aber ohne die Zusammenarbeit mit dem Entwickler stünde jetzt keine Maison Relais dort, wo sie steht.“Claude Thill (LSAP), Ratsmitglied und Ex-Bürgermeister

Die Pläne für die kommunale „Maison Relais“ waren allerdings von Beginn an umstritten. Der Hauptgrund: Die Einrichtung zur Kinderbetreuung sollte ebenfalls von „Immo Weydert & Welter“ umgesetzt werden, also dem Entwickler, der auch hinter dem „Seniorenresidenz“-Projekt stand. Für Kritik sorgten dabei vor allem die Nutzungsbedingungen durch die Gemeinde. Diese wurden über eine Konvention geregelt. Die Gemeinde wurde dadurch nicht zum Besitzer der „Maison Relais“, sondern mietete diese lediglich vom Immobilienentwickler …