Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: Mathe mit Xav, Zoologie mit Marc und Demokratie mit Lexy.
Die Welt ist aus den Fugen. Gelinde gesagt. Seit Donald Trumps Comeback im Weißen Haus vergeht kein Tag ohne neue Hiobsbotschaften. Nur gut, dass wir da unsere – also, unsere hiesigen, besonnenen – Politiker haben. Die haben zwar auch nicht wirklich Lösungen parat oder sonst wie einen Plan. Aber zumindest können sie das Weltgeschehen eloquent einordnen und unsere gebeutelten Seelen immerhin etwas beruhigen.
Angefangen beim obersten Chef der Diplomatie. Denn wenn Xavier Bettel etwas kann, dann ist es, beruhigend auf seine Zuhörer einwirken und komplexe Sachverhalte wirklich nachvollziehbar erklären. Etwa, warum das mit der europäischen Aufrüstung gar nicht so einfach ist: „An Amerika hunn se dräi Panzeren, dräi Fligeren an dräi Revolveren an an Europa hu mer 20 Helikopteren, 20 Panzeren an 20 Revolveren, also dat si falsch Zuelen, déi ech hei soen, mee just als Beispill“, meinte Xav bei „RTL“ und uns ist klar… ja, was eigentlich?
Dass wir möglicherweise doch eine eigene Waffenproduktion im Marienland brauchen? „De Reesender Bettel, deen och do ass fir Attractivité économique (sic) op Lëtzebuerg ze bréngen“, will nichts dergleichen ausschließen, doch letztlich scheitere doch sowieso alles an der kurzsichtigen Bevölkerung und der starrsinnigen Presse: „Wa bis herno sou eng Firma géing kommen, da weess ech, datt d‘Land ze kleng ass an d’Leit soen, dat kann net sinn. Mee da mécht de Noper et“, so Xav, der aber natürlich keine „Kaffeesatzleserei“ betreiben will.
Better call Bettel
Besser als mehr Waffen ist sowieso weniger Krieg. Und Xav wäre nicht Xav, wenn er uns nicht noch einmal daran erinnern würde, wie nah er – er und sonst niemand anderes – damals an einer Friedensvereinbarung zwischen Russland und der Ukraine dran war: „Ech gehéieren zu deene wéinegen, ech wëll just dorun erënneren, dee virun dräi Joer souwuel Kontakt hat mam President Selenskyj a mam President Putin. Ech hunn eng Stonn de President Selenskyj um Telefon gehat, dunn de President Putin, dunn de President Selenskyj, dunn de President Putin an dunn ass Butscha geschitt an du konnt ech net méi.“

Die Telefonate bereue er nicht, so Xav, der damit ein ganz klares Signal an Donald Trump sendete: Beim Friedensnobelpreis führt kein Weg am Luxemburger Außenminister vorbei, da kann sich der US-Präsident noch so erratisch verhalten. Das Nobel-Komitee weiß demnach Bescheid, spätestens seit Xavs Bemühungen im Konflikt zwischen Ruanda und Kongo. Doch macht sich da doch tatsächlich Konkurrenz aus dem eigenen Land bemerkbar. Und das von einem, der eigentlich weg war. Nein, nicht Jean-Claude Juncker oder Jean Asselborn. Die waren nie wirklich weg.
Nein, klammheimlich meldete sich unter der Woche Ex-Verteidigungsminister François Bausch aus dem politischen Ruhestand. Vom „Invité vun der Redaktioun“ über „Kloertext“ und eine „Carte blanche“ bis zum „Afterwork“, war Fränz gar nicht mehr aus dem „RTL“-Programm zu kriegen und nahm der Bevölkerung sogleich die „Sorgen vor einem Dritten Weltkrieg“, wie das „Luxemburger Wort“ meinte. Das Volk dankt. Auch für die Idee, doch endlich die eingefrorenen russischen Gelder der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Dass das einfacher gesagt ist als getan, das hatte dem Ex-Vizepremier offenbar niemand verraten.
Rechenschaftspflicht à la ADR
Vielleicht hätte Fränz die ADR fragen sollen. In Sachen Russland und Ukrainekrieg wissen die bekanntlich, wie der Hase läuft und auf welcher Seite der Geschichte man stehen sollte. Und wie überhaupt Demokratie so funktioniert. „Mir si kengem Rechenschaft schëlleg an d’Partei muss sech vu kengem do bausse jugéiere loossen“, sagte die ADR-Abgeordnete und Parteipräsidentin Alexandra „Lexy“ Schoos bei „RTL“ in Bezug auf die Verwarnung ihres Kollegen Tom Weidig. Das freut doch die Wähler – und Wählerinnen. Und die Steuerzahler, die die Demagogie-Lehrlinge finanzieren, sind auch total zufrieden.
Dass die anderen Parteien ihr vorwerfen, in der Affäre um Tom Weidig nicht hart genug durchgegriffen zu haben, darüber müsse sie fast lachen. Denn die wüssten ja gar nicht, welche Maßnahmen man beschlossen hat, meinte Lexy, um dann abermals nicht zu verraten, was man denn so entschieden hat. So seien halt die parteiinternen Regeln. #Praktisch. Nun wolle man sich wieder auf die Politik konzentrieren und „weise, wat mir kënnen“, betonte die Abgeordnete. Und zeigte sogleich, was sie so kann. Nämlich ihren männlichen Kollegen kritiklos den Rücken stärken.
Wie Fred Keup, Tom Weidig und Fernand Kartheiser empfinde auch sie eine Bewunderung für Donald Trump und seine Administration, meinte Lexy. Immerhin würde man erst seit Trump über Friedensverhandlungen sprechen. Natürlich verurteile sie den Überfall Russlands auf die Ukraine, doch müsse man „och op de Fong goen, firwat vläicht dee Krich iwwerhaapt ausgebrach ass“. „Objektiv betrachtet“ sei es auch verständlich, dass Russland Sicherheitsgarantien möchte, denn so wie sie es verstehe, wolle Wladimir Putin einen langfristigen Frieden, so die ADR-Präsidentin, die dabei ganz vergaß, zu erwähnen, dass wohl auch die Ukrainer dies möchten. Kann ja mal vorkommen.
Fantastische Tierwesen aus Hesperingen
Und? Fühlen Sie sich schon etwas beruhigt? Wenn nicht, dann müssen wir die wirklich schweren Geschütze auffahren, wenn es um besonnene Worte geht. Jemanden, der „nach ni e Mënsch ëffentlech vernannt“ hat. Jemanden, dessen Stil es in 25 Jahren Politik immer war, „respektvoll miteinander umzugehen“, wie er dem „Luxemburger Wort“ versicherte. Bühne frei also für Marc L. aus H.
Mit seinem Bestseller in E-Mail-Form „Hei liest dir déi ganz Wourecht“ meldete sich der selbstreflektierteste Bürgermeister, seit es skandalfreie Speckgürtelgemeinden gibt, aus der wohlverdienten, doch ihm nicht gegönnten Pause zurück. Und beruhigte sogleich die Seelen seiner ohne ihn verlorenen CSV-Parteifreunde. Es würde „rabbeln“ im Gemeinderat und dann würden „dat Kallef vun De Ron a säin Alkolit Godefroit den Dix geriecht“ (sic) bekommen. Was Stephen De Ron „labere“ und „fasele“, würde „op keng Kouhaut“ gehen, so der treusorgende Gemeindevater, der es offenbar mit Nutztieren hat. Gut, dass einer seiner Schöffen niemand Geringerer als „Bauer Guy“ ist.
Da seien wohl „die Pferde mit ihm durchgegangen“ („Luxemburger Wort“), als er manche Leute „mit verschiedenen ganz lieben Tierchen verwechselt“ habe („Tageblatt“), meinte er später, als die Kuh vom Eis – ähm, das Kind wieder mal im Brunnen lag. Hätte dieses eine „Wiertchen“ nicht in seiner Mail gestanden, wäre diese auch nicht an die Presse gelangt, so die Analyse von „Ech sinn hei d’Affer“-Marc Lies („Radio 100,7). Tja, da muss wohl jemand noch einmal auf Spurensuche in seinem CSV-Mail-Verteiler gehen. Nicht einmal die eigenen Parteifreunde gönnen einem etwas Ruhe.
Mosar statt Mörser
Apropos Parteifreunde und apropos Ruhe: Sind Sie immer noch nicht beruhigt? Dann bleibt uns nur noch unsere letzte Patrone, besser bekannt als Laurent Mosar. Lori hat nämlich die einzig wahre positive Einstellung, um in diesen unruhigen Zeiten sich doch noch etwas gute Laune zu bewahren: Schlager genießen und die ganze Welt an der eigenen Einzigartigkeit – pardon – Freude teilnehmen lassen.
So stil- und textsicher sind weder Pferdeflüsterer Marc noch Welterklärer Xav. Wer Lori allerdings tausendmal belogen hat, das wissen wir nicht. Doch wir halten es mit Andrea Berg und würden mit ihm immer wieder so hoch fliegen. In diesem Sinne wünschen wir ein flottes – um Premier Luc Frieden zumindest doch noch irgendwo hier zu erwähnen – und vor allem ruhiges Wochenende! 😎


