Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Pünktlich zum vierten Advent blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: die Weltordnung laut Xav und mehr Intelligenz wagen mit Corinne.

Das Weihnachtsfest steht offenbar vor der Tür. Das haben Recherchen der Retrospect-Redaktion ergeben. Das hektische Treiben des Arbeitsalltags weicht dem hektischen Treiben der Vorbereitungen für die Festtage. Es ist aber auch die Zeit, um in aller Besinnlichkeit zurückzublicken und vorauszuschauen. Und seine Wünsche an das Christkind – oder den Weihnachtsmann, oder die unsichtbare Hand des Marktes, je nachdem, wie man es mag – zu richten.

Auch unsere Politiker hegen Wünsche. Uns liegt denn auch ganz exklusiv – und wie immer aus dürftig unterrichten Kreisen – die top-geheime Wunschliste der Luxemburger Politikelite vor.

Für Luc Frieden ist der Glaube bekanntlich etwas, was ihn nur „heiansdo“ überkommt. Der Premier glaubt also seit geraumer Zeit nicht mehr an den Weihnachtsmann, sondern nur an den Geist von Senningen. Und von diesem wünscht er sich weiterhin viele „flott Diskussiounen“, die „an enger Demokratie dozougehéieren“. Wichtig ist ihm auch, „mat den normale Leit ze schwätzen“ und dabei sehr selektiv zu hören, dass jetzt alles viel besser ist als zuvor. Denn worauf sonst als auf Gespräche sollte Politik sich basieren? Auf Daten? Zahlen? Statistiken? Sie glauben wohl noch an den Weihnachtsmann! #NoOffense

Eng Weltpolitik „déi net nervt“

Xavier Bettel hingegen wünscht sich weniger Luc und mehr Frieden. Also den Weltfrieden wohlgemerkt. Denn mit diesen dauernden Krisenherden kann man als Außenminister einfach nicht arbeiten. Wie soll man denn Luxemburgs Außenhandel, den man doch eigens dem Wirtschaftsminister weggeschnappt hat, vorantreiben, wenn ständig irgendwo ein neuer Konflikt ausbricht, den es wohlüberlegt und mit sorgfältig ausgewählten Worten zu kommentieren gilt?

Oder um es mit den Worten des Ministers für äußere Angelegenheiten und unschlagbare Rhetorik zu sagen: „Ech muss Iech och eng gewëss Frustratioun soen, Här President, déi ech als Ausseminister hunn. Ech gesi kommen, datt mir déi nächste Méint eng Réunion de Réconstruction no der aner mussen organiséieren. Dat hate mir elo fir de Libanon, dat wäerte mir fir Palästina hunn, dat wäerte mir och elo fir Syrien hunn, an och fir d’Ukrain. Wou mir selwer als Mënschen eng Kéier no der aner Saache futti maachen a nokucken, wéi Saache futti gemaach ginn“, meinte Xav diesbezüglich im Parlament.

Wir fühlen mit ihm. Wir finden auch, die Geopolitik sollte doch bitte etwas geordneter vonstattengehen. Ein Konflikt nach dem anderen, immer schön der Reihe nach. Alles andere geht doch gehörig auf die Nerven. Oder wie schon Weltpolitik-Dozent Prof. Dr. Jean Asselborn wusste: Frieden wäre besser als Krieg.

Schrödingers Löwe

Finanzminister Gilles Roth seinerseits wünscht sich mehr Vertrauen. Hatten doch in Bezug auf seine Haushaltvorlage manche Oppositionspolitiker moniert, dass dieser wie Schrödingers Katze sei, bei der man nicht wisse, ob sie tot oder lebendig sei. Doch da hatten sie die Rechnung ohne den „Jong vu Mamer“ gemacht. „Ech kann Iech soen, déi Katz respektiv de roude Léiw ass sou lieweg wéi scho laang net méi“, so der Minister diese Woche im Parlament. Tja, wenn man im Vorfeld schlechte Prognosen aufstellt, dann hat man nachher gut brüllen.

„Hei elei, kuck elei Xav: Scho rëm e Krich mat Mënschen déi Saache futti maachen a nokucken, wéi Saache futti gemaach ginn. Dat hällt einfach net op … “ (Foto: Mike Zenari)

Eric Thill wiederum wünscht sich Ruhe. Denn seinen Job als Kultur- und delegierter Tourismusminister hatte er sich doch etwas anders vorgestellt. Schön seine Agenda (#LOL) abarbeiten, ein paar Konzerten lauschen und im Sommer die Sehenswürdigkeiten des Landes besuchen. Hauptsache vorhersehbar. Doch was ist stattdessen? Auf einmal werden im Wochentakt archäologische Sensationen ausgebuddelt, die es zu begutachten gilt. Gut, dass nun erstmal ein paar freie Tage sind.

Mehr Gelassenheit, aber vielmehr weniger Aufmerksamkeit wünscht sich auch Stéphanie Obertin. Denn als wichtigste und umtriebigste Digitalisierungsministerin, seit es schwarz-blaue Regierungen gibt, kann sie einfach nirgendwo mehr hingehen, ohne sofort erkannt zu werden. Ganze 72 Prozent der total repräsentativen 1.063 „Politmonitor“-Befragten kennen die liberale Senkrechtstarterin. Da muss sich Eric Thill mit seinen 73 Prozentpunkten mal schön in Acht nehmen.

Artificial Corinne

Corinne Cahen wünscht sich dagegen nichts sehnlicher als Intelligenz. Ach so ja, künstliche Intelligenz. Die findet Corinne echt dufte. So dufte, dass sie einfach ihren Haushaltsbericht unter dieses Motto stellte. Gut, manche mögen jetzt anmerken, dass in einem solchen Bericht im besten Fall auch irgendwas zum Thema Budget, Finanzen oder Wirtschaft vorkommen soll. Aber wollen wir mal nicht so verbohrt sein. Da zeigt endlich mal jemand Mut zur Innovation und dann haben trotzdem alle was zu meckern.

Mut zur Innovation zeigen auch Georges Mischo und Lex Delles: Schluss damit, dass die Sonntage und die Abende Familie und Freizeit vorbehalten sind. Arbeitnehmer dürfen jetzt endlich von 5 bis 22 Uhr arbeiten, gerne auch am Wochenende. Und Schluss mit diesen unsäglichen Verhandlungen mit Gewerkschaften über Kollektivverträge. Dieser Sozialdialog ist nun wirklich lästig und nervt fast so sehr wie die unstabile Sicherheitslage in der Welt. Apropos: Eine Welt ohne Krieg scheint vielleicht etwas utopisch. Doch eine Welt ohne Gewerkschaften – diesen Traum wollen Mischo und all die anderen schwarz-blauen Kompetenzfetischisten noch nicht aufgeben.

Ob das Christkind dem Arbeitsminister diesen Wunsch erfüllt, wird das neue Jahr zeigen. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders und die Gewerkschaften mobilisieren wieder mal und gehen auf die Straße – äh, lieber ins geheizte Parc Hotel. Am besten protestiert es sich bekanntlich im Trockenen und im Sitzen.

(Fast) Wunschlos glücklich

Apropos sitzen, zurück zur Wunschliste: Liz Braz wünscht sich anscheinend neue Sitznachbarn im Parlament. André Bauler hingegen wünscht sich seine alte Nachbarin keinesfalls zurück. Lydie Polfer wünscht sich, wenig überraschend, noch mehr Polizei und, wenn wir schon dabei sind, eine Luxemburger Presse, die wieder weiß, wo ihr Platz ist. #Sitz #Brav

Marc Goergen wünscht sich einen Gutschein für die nächsten Los Wochos im Gourmet-Drive-in-Restaurant seines Vertrauens. Sven Clement wünscht sich mehr Zeit mit der Familie, die man zur Ablenkung in den sozialen Medien breittreten kann. Ben Polidori ist dagegen wunschlos glücklich.

Politik ist, wenn man trotzdem lacht. (Foto: Mike Zenari)

So wie auch die ganze Retrospect-Redaktion. Denn wiedermal ist ein Jahr geschafft und wir hoffen, wir konnten Sie bisweilen das eine oder andere Mal zum Schmunzeln bringen. Falls nicht, ist das, wie Luc Frieden sagen würde, definitiv ein Missverständnis Ihrerseits.

In diesem Sinne: Ein frohes Fest, einen guten Rutsch und auf ein augenzwinkerndes Wiedersehen im neuen Jahr.



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