„RTL“ erhält jährlich bis zu 15 Millionen Euro vom Luxemburger Staat, um öffentlich-rechtliche Aufgaben zu erfüllen und Defizite auszugleichen. Der Sender geht mit dem Geld jedoch wenig transparent um – und nährt damit die Zweifel an seinem Geschäftsmodell.
„Wer stoppt RTL?“, fragte „Richtung22“, als das Künstlerkollektiv den Luxemburger Sender „RTL“ ins Visier nahm. Zur Kampagne des Kollektivs gehört unter anderem ein Theaterstück, ein Kinofilm und eine Webseite, auf der die journalistische Arbeit des Luxemburger Leitmediums seit Januar 2024 kritisch und satirisch hinterfragt wird. Richtung22 will laut eigener Darstellung polarisieren, kreative Kritik anbringen und so zur öffentlichen Debatte beitragen.
Im Fall von RTL führte das Kollektiv eigene Recherchen durch, die belegen sollen, dass der TV- und Radiosender sich nicht in allen Punkten an die Auflagen seiner Konvention mit dem Staat hält. Vor allem ein Vorwurf wiegt schwer: RTL soll gefälschte Bilanzen eingereicht haben, um mehr öffentliche Mittel zu erhalten, als dem Unternehmen eigentlich zustehen. RTL streitet die Vorwürfe vehement ab, kann aber aus Prinzip nicht alle Kritiken aus der Welt schaffen. Denn die Details des Deals mit dem Luxemburger Staat sind streng geheim.
Was ist also wirklich dran an den Vorwürfen von Richtung22? Und damit an der immer wiederkehrenden Frage der besonderen Stellung von RTL als „Hybridmodell“, also als kommerzieller Sender mit öffentlich-rechtlichem Auftrag, der jedes Jahr Millionen an Luxemburger Steuergeldern erhält? Reporter.lu hat sich auf Spurensuche begeben.
Gewinnträchtiges Traditionsmedium
Wer sich auf die Suche nach den Geschäftszahlen von „RTL Luxembourg“ macht, muss zunächst feststellen, dass es dieses Unternehmen gar nicht gibt. Der traditionsreiche Sender ist Teil der Unternehmensgruppe „CLT-UFA“, die ihrerseits zur „RTL Group“ gehört, die wiederum vom globalen Medienkonzern „Bertelsmann“ kontrolliert wird. „RTL Luxembourg“ ist demnach lediglich ein Markenname, unter dem Dach der Unternehmensgruppe „RTL Group S.A.“. Diese hat ihren Sitz nach wie vor in Luxemburg, die Konzernführung wurde jedoch mittlerweile nach Köln verlegt.
Die Gesellschaft CLT-UFA machte im Jahr 2023 einen Umsatz von rund 671 Millionen Euro mit einem Nettogewinn von 98 Millionen Euro. Hinter dieser Zahl verbirgt sich auch der Beitrag des Luxemburger Senders. Wie viel das Geschäft im Großherzogtum genau ausmacht, ist jedoch unklar. Viel ersichtlicher wäre das, wenn ein eigenständiges Unternehmen für den Luxemburger Markt zuständig wäre – zumal es jedes Jahr eine beträchtliche finanzielle Unterstützung des Luxemburger Staats erhält.
Doch ein solches Unterfangen ist nicht geplant. „Bei funktionierenden Strukturen bräuchte es ja einen triftigen Grund für eine weitere Firmengründung“, sagt dazu Oliver Fahlbusch im Gespräch mit Reporter.lu. Der Kommunikationsbeauftragte der RTL Group verweist auf die Geschäftsbilanz. Demnach verfolge man eher das Ziel, rechtliche Einheiten zu reduzieren, anstatt neue zu gründen.
Kostenübernahme in Millionenhöhe
Dass es keine eigene Entität für die Luxemburger RTL-Sparte gibt, ist jedoch keine rein juristische Angelegenheit. Denn so ist eben CLT-UFA der Ansprechpartner und Empfänger der jährlichen Unterstützung durch den Luxemburger Staat. Das Finanzierungsgesetz sieht pro Jahr Beträge zwischen 11,13 und 15 Millionen Euro vor. Formal handelt es sich dabei nicht um eine Subvention, sondern um eine Kostenübernahme für den öffentlich-rechtlichen Auftrag des Senders. Diese Formalität betonen stets sowohl die Verantwortlichen von RTL als auch das Staatsministerium.

Dieses Prinzip der Kostendeckung wurde zum ersten Mal in der Konvention von 2017 festgehalten. Im Gegenzug verpflichtete sich CLT-UFA, ein breit gefächertes Fernsehprogramm zu produzieren, das sich an ein möglichst großes Publikum wenden soll. Dazu sollen etwa Kultur- und Nachrichtenformate gehören. Dass und inwiefern der Staat unmittelbar die Kosten dafür übernehmen würde, wurde erst bei der Unterzeichnung der Konvention bekannt …
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