In Esch/Alzette soll ein Sportmuseum entstehen. Das Vorhaben genießt die Unterstützung des früheren Bürgermeisters und heutigen Sportministers Georges Mischo. Eine Vorab-Vereinbarung mit einem Immobilienkonzern wirft jedoch einige kritische Fragen auf.

„Das nationale Sportmuseum kommt jetzt nach Esch. Die ersten Ideen kamen im Jahre 1986 und ich habe mir das auf die Fahne geschrieben, dass ich das unbedingt nach Esch bringen will“, sagte Georges Mischo (CSV) noch als Bürgermeister im Interview mit dem „Deutschlandfunk“ vor rund drei Jahren.

Das Projekt hat in der Tat eine lange Vorgeschichte und wurde bisher auch überparteilich unterstützt. Das Sportministerium, damals noch unter der Führung von Dan Kersch (LSAP), unterzeichnete im Dezember 2021 eine Konvention mit der Stadt Esch/Alzette. Diese sah vor, dass die Gemeinde das Projekt vorfinanzieren und der Staat es später abkaufen soll. Doch dann kam es anders. Im Januar 2023 wurde klar, dass der ursprüngliche Plan nicht umsetzbar sei, weil ein Teil des Grundstücks im Escher Stadtteil Lankelz nicht in eine bebaubare Zone umklassiert werden kann.

Also suchte das Sportministerium nach einer neuen Lösung und fand diese erneut in Esch. Auf dem alten Industriegelände der „Rout Lëns“ soll unter der Leitung des Immobilienkonzerns „IKO“ ein neues Wohnviertel entstehen. Hier, in der früheren „Hall des turbines“, soll auch das Sportmuseum unterkommen. Georges Mischo, mittlerweile Minister für Arbeit und Sport, setzte sich aktiv dafür ein. Am 5. Juli 2024 unterzeichnete der Minister ein entsprechendes Abkommen mit „IKO Real Estate“ sowie mit „IKO Development“ des Unternehmers Éric Lux. Der Öffentlichkeit wurde dieser Deal bei der offiziellen Vorstellung des 30-Millionen-Euro-Projekts jedoch verschwiegen.

Exklusivrechte für Immobilienfirma

Das könnte daran liegen, dass die Vereinbarung reichlich politischen Sprengstoff birgt. Das „Protocole d’Accord“, das Reporter.lu vorliegt, liest sich wie ein lukrativer Vorvertrag, mit dem das Sportministerium quasi die Exklusivrechte für die Vorbereitung des Prestigeprojekts an IKO Real Estate abtritt. Darin heißt es etwa, dass die Regierung sich verpflichtet, während der Vertragsdauer „keine anderen Standorte für das Sportmuseum zu suchen oder parallel zu verhandeln und keine Anfragen anzunehmen oder andere Angebote zu diesem Zweck zu prüfen.“ Damit war der Staat zumindest während der Zeit der Machbarkeitsstudie an den neuen Standort gebunden.

Eine öffentliche Ausschreibung war nicht nötig, weil der ideale Standort gefunden wurde.“Sportminister Georges Mischo

Im Juni 2024 brachte Sportminister Georges Mischo einen Antrag im Ministerrat ein, um 170.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt war also noch nicht klar, ob das Sportmuseum auf dem Gelände der „Rout Lëns“ überhaupt gebaut werden kann. Laut Georges Mischo wurden diese Gelder allerdings nicht benötigt. „Es sind keine finanziellen Mittel geflossen. Es wurde nur überprüft, ob der Kauf unter Berücksichtigung der Auflagen zur Sanierung und eines geschützten Baus sinnvoll wäre“, erklärt das Sportministerium auf Nachfrage von Reporter.lu.

Das „Protocole d’Accord“ zwischen dem Minister und dem IKO-Konzern enthält in der Tat die Klausel, dass der Staat nur bezahlen müsste, wenn der Standort nicht zurückbehalten würde. Der Sportminister verpflichtete den Staat laut der Vereinbarung allerdings schon dazu, „im Fall einer Fortsetzung des Projekts“, den Auftrag für den Bau des Museums an IKO Real Estate zu vergeben. In diesem Fall ist laut dem Dokument explizit von einer „langfristigen Vermietung“ oder vom „Kauf“ des Sportmuseums die Rede, wobei sich die Vertragspartner über die genauen Bedingungen dafür separat verständigen müssten.

Inzwischen ist bekannt, dass das gesamte Projekt etwa 32,5 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer kosten wird. Dafür sollen mindestens 22,5 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer für den Kauf des Grundstücks und die Renovierung der „Hall des turbines“ an den Eigentümer, also IKO Real Estate, fließen. Das Problem: Das Projekt wurde bisher nicht öffentlich ausgeschrieben. Und doch bindet das Vorgehen des Sportministers den Staat bereits faktisch an einen einzigen Anbieter …