Nachdem Luxemburg den Franzosen Philippe Wasila auf die „Most Wanted“-Liste von Europol gesetzt hatte, wurde dieser in Athen verhaftet. Recherchen von Reporter.lu zeigen: Die Justiz hätte dem mutmaßlichen Betrüger viel früher auf die Spur kommen können.
Am Montag, dem 29. Juni 2020, schreibt Philippe Wasila einem hohen Angestellten eines Schweizer Vermögensverwalters: „Lieber Patrick, ich hoffe, du konntest ein sonniges Wochenende genießen. Wie vorher besprochen, hier angehängt eine Präsentation unseres ‚Greener Shipping‘-Investment-Vorschlags.“ Philippe Wasila unterzeichnet als CEO von „Aconcagua Investments“ mit Sitz in Luxemburg.
Das Problem: „Aconcagua Investments“ hat zu dem Zeitpunkt bereits seit vier Jahren keinen Firmensitz mehr und hat nie einen Jahresbericht beim Handelsregister hinterlegt. 2022 ordnet die Luxemburger Justiz wegen dieser Verstöße die Auflösung der Gesellschaft an. Weitere Fakten passen ins Bild: Philippe Wasila war weder, wie er angab, Anwalt in Paris oder New York, noch war er von der Luxemburger Finanzaufsicht CSSF befugt, Investmentfonds zu verwalten. All das hatte er den Schweizern und anderen Geschäftspartnern vorgegaukelt. Die richtige Justiz aber mied Philippe Wasila: Er erschien zu keinem der Konkursverfahren, die in Bezug auf seine Gesellschaften eingeleitet wurden.
Gleich zwei europäische Haftbefehle aus Luxemburg sorgten letztlich dafür, dass Philippe Wasila auf die „Most Wanted“-Liste der Europäischen Polizeibehörde Europol gesetzt wurde. Da der Verdächtige familiäre Verbindungen nach Griechenland hat und dort auch Anteile an einer Firma hält, wurde auch mit der dortigen Polizei zusammengearbeitet. Die Ermittler lagen richtig: Zielfahnder der griechischen Polizei konnten Philippe Wasila vergangenen Montag in Athen festnehmen, wie die Luxemburger Justiz mitteilte. Demnach könnte ihm in naher Zukunft ein Gerichtsprozess drohen. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für den 57-Jährigen aber die Unschuldsvermutung.
Eine immer gleiche Masche
Die naheliegende Frage lautet: Warum suchte die Luxemburger Justiz erst jetzt aktiv nach Philippe Wasila? Recherchen von Reporter.lu weisen nämlich darauf hin, dass seit mehr als zehn Jahren Klagen gegen ihn eingereicht wurden – in Luxemburg, aber auch in Frankreich. Die Fälle reichen also weiter in die Vergangenheit, als es der Fahndungsaufruf von Europol vermuten ließ.
Die Masche von Philippe Wasila war dabei immer die gleiche: Eine innovative Finanzidee in den Raum stellen, sich mit legitimen Experten umgeben, um Vertrauen zu schaffen, und schließlich versprechen, die Finanzierung in die Hand zu nehmen. Nur dass in mehreren Fällen das Geld verschwand. Dem Fahndungsaufruf zufolge benutzte er dafür ein Netzwerk von fiktiven Firmen, in dem die Summen versickerten.
Er wirkte sehr dominant und erweckte den Anschein, ein Mann zu sein, der bereits sehr viel Geld hatte.“Ein ehemaliger Geschäftspartner
Der in Luxemburg geborene Franzose, der im Großherzogtum die Europaschule besuchte, wusste sich in Szene zu setzen: Nach außen deutete alles auf ein großes Vermögen hin. Ob Fotos von Luxusautos oder in Privatjets auf seinen Social-Media-Kanälen oder das Anmieten von Villen in besten Lagen: Alles sollte den Eindruck erwecken, er sei ein erfolgreicher Finanzier.
Auch in der Schweiz wusste er zu überzeugen. Die eingangs erwähnte Vermögensverwaltungsfirma mit Sitz in Zürich, die auf „Ultra High Net Worth Individuals“ spezialisiert ist, war 2020 an seiner Investitionsidee zu grünerem maritimem Transport sehr interessiert. Geleakte E-Mails, die Reporter.lu einsehen konnte, zeigen, dass es auch fast geklappt hätte. Sogar der damalige Chef schien von der Idee so angetan, dass er sofort mit seinen Kunden darüber sprach …
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