Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Pünktlich zum überfälligen Untergang der Welt blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: die Botschaft der Socken und Super-Mamas.

Ah, endlich wieder rauchen in der Retrospect-Redaktion und Whisky zum Frühstück. Erst wenn alles scheißegal ist, macht das Leben wieder Spaß. Danke, Donald! Wirklich. Und: Danke, Amerika. Ein verurteilter Vergewaltiger im Weißen Haus, das Klima außer Kontrolle, in Deutschland zerbricht die Regierung: Hurra, die Welt geht unter. Die ganze Welt? Nein! Ein kleines von unbeugsamen Staatsbeamten bevölkertes Ländchen will sich der Realität nicht beugen und leistet erbitterten Widerstand.

Denn in Luxemburg ist weiterhin alles in Butter und demnach alles beim Alten. Das Wachstum schwächelt zwar ein bisschen, der Immobilienmarkt hüstelt vor sich hin und die Caritas ist Geschichte. Aber sonst läuft’s doch eigentlich. Das dachten sich wohl auch die eigentlichen Machthaber im Land. Nein, nicht „Gimi“ aus Colmar-Berg und schon gar nicht Luc aus Contern. Nein, gemeint ist natürlich der Romain und seine Freunde von der CGFP.

Ist schon wieder Weihnachten?

Romain I. stattete seinen Befehlsempfängern im Staatsministerium nach Monaten endlich seinen offiziellen Antrittsbesuch ab. Schließlich stehen bald wieder die traditionellen Festlichkeiten zum Jahresende an. Nein, nicht Weihnachten. Natürlich geht es hier um die Punktwerterhöhung beim Staat. Oder wie der CGFP es ausdrückt: „e Revendicatiounskatalog, deen an der leschter Ligne Droite ass, fir fäerdeg ze ginn“.

Und auch bei der Rentendiskussion dulden die Staatsbeamten keinen Widerspruch. Auch wenn es bei der Diskussion um die Renten in der Privatwirtschaft geht und nicht um jene beim Staat – das sagt zumindest die Regierung, aber der ist ja nicht zu trauen. Vielleicht aber doch. Also irgendwie. Gehen wir mal davon aus.

Demnach ist auch die rund eine Milliarde Euro, die jährlich aus dem Budget an pensionierte Staatsbeamte geht, die vor 1999 in den Staatsdienst getreten waren, kein Thema in der Debatte. Trotzdem will die CGFP mitreden. Also irgendwie. Unklar ist aber mit wem. Und wofür. Aber egal. Sicher ist, dass der „öffentliche Dienst nicht dem Kompetenzbereich der Ministerin für soziale Sicherheit“, also Martine Deprez, unterliegt. Und die soll die Rentendebatte bekanntlich führen. Gut, dass wir darüber geredet haben.

Artificial Cooking mit Corinne

Gut reden kann auch „ChatGPT“. Und auf alle Fragen hat der kleine Maschinenmensch eine Antwort. Bei so vielen Gemeinsamkeiten kam die ehemalige Familienministerin, aktuelles „Garer Mädchen“ und laut ihrer Kochschürze „Super Maman“ Corinne Cahen auf eine Idee. Wieso die künstliche Intelligenz nicht zur Armutsbekämpfung nutzen und sich selbst gleichzeitig damit ein bisschen in den sozialen Medien profilieren?

Viele Menschen haben vor dem Monatsende bestimmt nicht mehr viel im Kühlschrank und wissen nicht mehr, was sie kochen sollen. Also fragt man einfach „ChatGPT“, dachte sich Corinne. Und schwupps spuckt das Programm ein Rezept aus und die hungrigen Leiber werden satt. Man könnte natürlich auch den Revis oder den Mindestlohn anheben. Aber hey, digital first.

Auch die Retrospect-Redaktion hat das Programm nach dem Blick in den Redaktionskühlschrank nach einem Rezept gefragt. Bei uns gibt es heute Mayonnaise-Eintopf mit Kola-Senf-Auflauf. Mhhhmmmmm, lecker. Das hat uns richtig aus den Socken gehauen.

Socken und Weltpolitik

Voll von den Socken ist auch Außenminister Xavier Bettel. Und nicht aus solchen von der Stange. Denn Xav steht auf „Letz make it happen“, beziehungsweise stecken seine Füße darin. Seine Botschaften platziert der Bürgermeister der Herzen stets subtil. Der Erfolg blieb nicht aus: Nachdem er (fast) Frieden in der Ukraine erreichte, sprach er sich mit Nachdruck (!!) für einen Waffenstillstand in Gaza aus. Das Nobelkommitee wird ihn nicht weiter ignorieren können, finden wir.

Nur noch kurz die Welt retten – aber mit Stil. „Lets make peace happen!“, sagen Xavs Socken bei Gesprächen in Palästina. (Foto: MAE)

Wo er die schmucken und sehr diskreten Stutzen herhat, das weiß die traditionell schlecht informierte Retrospect-Redaktion natürlich nicht. Vielleicht aus dem „Luxembourg House“? Vielleicht lagen sie auch irgendwo im Wirtschaftsministerium herum? Oder waren ein Abschiedsgeschenk von Etienne Schneider? Xav Sox wird doch wohl etwa nicht die Kleidung ehemaliger Regierungskollegen auftragen müssen. Ach woher denn, in Modefragen macht ihm bekanntlich niemand etwas vor.

Zwei Außenminister für ein Halleluja

Das Gleiche gilt für die Außenpolitik. Also irgendwie. Oder vielleicht doch ein bisschen. Also einige schon. Es ist aber auch ein undankbares Amt dieser Außenminister-Posten. Da gibt man sich redlich Mühe, die Geopolitik in guter alter Interessierter-Weltbeobachter-Manier zu kommentieren, da kommt auch schon der Vorgänger um die Ecke und ordnet das alles genauso, aber auch anders ein. Also irgendwie.

Da hatte Xav sich im Radio bemüht, zu erklären, „datt ech véier Joer scho mat him geschafft hunn als Premierminister an datt awer d’Relatiounen weider bestoe bliwwe sinn“, es also keinen Grund zur Sorge gibt, dass die Welt untergeht, selbst wenn Xav und Donald gemeinsam „off the script“ gehen. Nur um dann zwei Tage später Luxemburgs ewigen Außenminister Jang ins gleiche Mikro sprechen zu hören.

Gerüchten zufolge plant Jang seinem deutschen Parteifreund Helmut Schmidt nachzueifern und noch bis ins hohe Alter uns die Welt zu erklären. Die Mikrofone der Journalisten sind schon bereit, es fehlt nur noch die Zigarette. So kurz vor dem Weltuntergang schadet die auch einem erfolgreichen Leistungssportler nicht.

Alles außer Kritik am Trainer

Apropos erfolgreiche Leistungssportler. Deren haben wir in Luxemburg bekanntlich nicht so viele. Daher heben wir sie auch so gerne auf ein Podest und lassen nichts auf unsere Helden kommen. Da können sie auch noch so betrunken mit dem Auto fahren, Polizisten beleidigen, die eigene Freundin verprügeln, das lassen wir – und mit wir ist natürlich der Fußballnationaltrainer gemeint – alles durchgehen. Also solange sie noch Leistung bringen.

Tun sie das nicht mehr und stehen sowieso nur in der Abwehr herum – statt in der Spitze als Einäugiger unter den Blinden als Einziger das Tor zu treffen -, dann sie sind auch schon mal schnell weg vom Fenster, sollten sie einmal aufmucken. Jetzt, so kurz vor der Apokalypse ist eh alles egal. Der Abstieg kann kommen. Darauf einen Whisky und eine Zigarette. Wir haben fertig!


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