Für Claude Meisch wird diese Amtsperiode definitiv seine letzte als Bildungsminister sein. Ein Gespräch über politische Verantwortung, neue Herausforderungen in der Schule und seine Bedingungen für ein Weiterbestehen des „Science Center“.
Interview: Pol Reuter
Herr Meisch, Sie sind mittlerweile nicht nur Bildungs- sondern auch Wohnungsbau- und Landesplanungsminister. Bleibt Ihnen überhaupt noch Zeit für neue Ideen in der Bildungspolitik?
Die Motivation und die Zeit ist noch immer da, auch wenn es immer eine Frage der Organisation ist. Mir ist wichtig, dass die Hauptleute im Ministerium einmal die Woche den Minister sehen können, ihre Fragen und Anliegen vorlegen können und es auch zu einem Austausch zwischen den verschiedenen Abteilungen kommt.
Die Zeit für Detailarbeit bleibt Ihnen jetzt aber nicht mehr …
Ich sage immer, der Minister ist nicht da, um jeden Tag alles zu machen und alle Details zu klären. Der Minister ist da, um politische Entscheidungen zu treffen und Mehrheiten zu beschaffen – sei es auf Regierungsebene oder im Parlament.
Eines der großen Themen, das sie eigentlich beschäftigen müsste, ist die Kinderarmut. Im Koalitionsabkommen taucht dieses Wort aber nicht auf. Dabei ist mittlerweile fast jedes vierte Kind in Luxemburg davon betroffen. Zudem zeigen alle Studien, dass der sozio-ökonomische Hintergrund den schulischen Erfolg maßgeblich vorbestimmt. Hat die Regierung dies zu spät erkannt?
Es ist immer nötig, beides zu beachten: die strukturelle Benachteiligung von Kindern, die nicht Luxemburgisch zuhause sprechen – weshalb die Alphabetisierung auf Französisch nötig ist. Und wir haben eine strukturelle Benachteiligung von Kindern, die nicht ausreichend zuhause gefördert werden. Die internationale Wissenschaft sagt dazu auch nur, dass non-formale Bildung und eine qualitativ hochwertige Betreuung in den Kindertagesstätten und Maison Relais den familiären Kontext kompensieren können. Und das versuchen wir auch umzusetzen. In unserem Regierungsprogramm ist deshalb auch eine Verbesserung des Personalschlüssels in den Kindertagesstätten vorgesehen.
Ich sage klar und deutlich, dass das Science Center sich nur weiterentwickeln kann, wenn Nicolas Didier keine führende Rolle mehr übernimmt.“
Es ist heute schon schwierig, genügend Betreuer zu finden. Woher sollen diese in Zukunft kommen?
Natürlich müssen wir neben der Frage der Finanzierung uns die Frage stellen, ob dies auch machbar ist. Deshalb legen wir den Fokus auf die frühkindliche Betreuung und versuchen nicht überall mehr einzustellen. Gerade bei der Sprachförderung ist dies unbedingt nötig …
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