Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: alarmierte Minister, feiertaglose Volksfeste und andere „challenges“.
Yuriko Backes ist genervt. Als ewige Klassenbeste muss sie immer allen erklären, was doch so offensichtlich ist. Vor allem Männer wirken immer etwas begriffsstutzig und hinken den Gedankengängen der Superministerin hinterher. Doch Donald Trumps Kabinett des Grauens ist da noch eine ganz andere Liga. Das zeigte sich nun in der nicht ganz unerwarteten Frage, wie es in Russlands Krieg gegen die Ukraine weitergehen soll.
Aber Yuriko bleibt in ihrer Irritation immer noch diplomatisch: „Fir ze soen, datt d’Ukrain net soll NATO-Member ginn, datt ass och net d’Positioun, déi d’NATO bis elo vertrueden huet.“ Vor allem, dass Trump diese Frage vorab vom Verhandlungstisch räumt, sei „net ganz zilféierend“, raunte die liberale Frau für alle Fälle und Ministerressorts ins Mikro von „RTL“.
Peinlich nur, dass ein gewisser Xavier B. etwas ganz ähnliches wie Donald Trump sagte. „Luxemburg lehnt NATO-Beitritt der Ukraine ab“, titelte Anfang Dezember „Der Spiegel“. Welterklärer Xav hatte nämlich doziert: „Ich glaube, dass eine NATO-Mitgliedschaft wieder Spannung bringen wird.“ Aber die deutschen Journalisten haben einen Anfängerfehler gemacht, den Yuriko nicht macht: Sie glaubten tatsächlich, dass Xav nachdenkt, bevor er etwas sagt.
Die wortreichen Leiden des Xavier B.
Insider wie wir wissen: Bei Xav weiß man halt nie, was kommt. Seine Beamten gaben denn auch im Vorfeld seiner Rede über die Entwicklungshilfe vorsichtshalber kein Manuskript heraus, weil dann aufgefallen wäre, wie oft Xav „off script“ geht. Die Botschaft ans Parlament und an die Öffentlichkeit war aber auch so klar: Es läuft nicht ganz so gut in der Luxemburger Entwicklungshilfe. Immer mehr Staaten wollen nicht mehr mit Luxemburg zusammenarbeiten. Doch das ist natürlich nicht Xavs Schuld! Wo kommen wir denn da hin, wenn jetzt auch noch der zuständige Minister sich für solche Dinge verantworten müsste!
Dass die internationalen Hilfsprojekte der Caritas von einem Tag auf den anderen zusammenbrachen, hatte natürlich auch überhaupt nichts mit Xavs Sommerferien zu tun. Na gut, Christian Billon als Leiter des Krisenkomitees empfand das anders. Aber Xav wäre nicht Xav, wenn er sich durch solche Dinge in seinem Redeschwall vor den Abgeordneten beirren lassen würde.
Dass Ruanda sich im Kongo einmischt, alarmiert Xav – mehr aber auch nicht. Denn was kann wichtiger sein, als dass Luxemburg seinen absolut sauberen Finanzplatz nach Ruanda exportiert! Nur theatralische Berufsmeckerer wie Marc Baum oder Xavs Nemesis Charel Goerens sehen das anders.

Die Logik von Xav ist wahrlich unschlagbar, ja weltmeisterlich: Mit Donald Trump stehen zwar die internationale Hilfe und zahlreiche UN-Organisationen vor dem Kollaps. Doch der US-Präsident lässt anscheinend mit sich reden.
Aber wer kann es Xav verdenken, wenn selbst sein CEO verwirrt ist: #Luc begrüßte Trumps Vize JD Vance nämlich ganz herzlich in Europa: „Luxembourg and the US are and will remain strong allies and partners, even in challenging times“, schrieb der Premier auf „X“. Dumm nur, dass Vance, Trump und X-Besitzer Musk für genau diese „challenges“ verantwortlich sind und den Europäern jetzt nahelegen, endlich auf den humanitären Rat ihrer rechtsextremen Freunde zu hören. (Tom Weidig gefällt das!)
Endlich Schnee „op den Éisleker Koppen“
Neben der bedrückenden Weltlage gibt es aber noch gute Nachrichten, naja, zumindest verblüffend spannende. Ein Hauch von „True Crime“ berauschte Luxemburg und besonders den gefühlten „Chef-Flic“ Léon. „Tiptop, dat doten“, drückte er am Ende einer live gestreamten Pressekonferenz seine Dankbarkeit aus. Grund waren ausnahmsweise Nachrichten, die Léon sich nicht selbst zusammendichten musste. Anders jedenfalls als er im „Luxemburger Wort“ einfach mal behauptete: „Das Problem des aggressiven Bettelns wurde gelöst.“
Nur die Nörgler von der „populistischen“ LSAP (dixit Léon) können ein Problem darin sehen, dass der beste Polizeiminister aller Zeiten – nach dem #AleLuc – erfolgreiche Ermittler sich in seinem Lichte sonnen lässt. „La police, c’est moi“, ist doch ein Lob, oder? Und Léon sei natürlich völlig uneigennützig, wenn nicht sogar zufällig auf der Pressekonferenz zum größten Drogenfund in der Geschichte des Landes anwesend gewesen.
Aber auch für die Medien ist die knappe Tonne Kokain ein Geschenk: Es darf wild spekuliert (und schleunigst veröffentlicht) werden, auf welchem Hof die gut gefüllte Maschine stand, wieviel die kolumbianischen Warengüter wert sind und wer in Untersuchungshaft ist. Nichts Genaues weiß man nicht, aber für eine Push-Mitteilung reicht es allemal. #AllesMussRaus
Kein Feiertag ist auch (k)eine Lösung
Apropos Push-Mitteilung. Solche rieselten am Freitag wie Schneeflocken. Immerhin hatte sich #Luc wieder einmal dazu herabgelassen, die Presse in Audienz zu empfangen und ihr die Welt zu erklären. Und deshalb noch einmal für alle zum Mitschreiben: Es gibt keinen Streit zwischen der Regierung und den Gewerkschaften. Mit den einen – im „Conseil économique et social“ – hat der Premier ein „flottes“ Gespräch geführt und den anderen – der CGFP – hat man das goldige Staatsbeamtentum weiter vergoldet – pardon, ein Gehälterabkommen getroffen.

Doch das waren nur Randnotizen für die vermaledeite Journaille. Denn #Luc hatte viel Spektakuläreres zu verkünden. Luxemburg will 2028 doch tatsächlich den Start der Tour de France ausrichten und zudem gibt es keinen(!) Feiertag zum Thronwechsel in diesem Jahr. Das freut doch das einfache Volk.
Vor allem, wenn man es ihm so gut erklärt wie Oberlehrer Luc. Der Thronwechsel werde nämlich offiziell am 3. Oktober, einem Freitag, vollzogen. Und weil tagsdrauf ein Samstag sei, sei das doch die ideale Gelegenheit, um ein konstitutionelles Volksfest oder so ähnlich zu feiern. Und da könne man den Luxemburgern ja nicht den Freitag freigeben, weil die ja dann alle wegfahren würden und dann niemand mehr zum Feiern da wäre. Klingt logisch.
Aus gewohnt überaus mäßig informierten Kreisen hat die Retrospect-Redaktion zudem erfahren, dass sich bereits Tausende von Arbeitnehmern aus dem Einzelhandel mit Protestbriefen an die Regierung wandten. Nicht nur fürchteten sie an besagtem Freitag freizukriegen, sondern auch, an dem anschließenden Wochenende gar nicht arbeiten zu dürfen, so wie es ihnen die Regierung versprochen hat. Zum Glück konnte auch dieses Horrorszenario abgewendet werden. Da soll noch jemand sagen, der Sozialdialog funktioniere nicht mehr.
In diesem Sinne: Ein „flottes“ Wochenende und – die Älteren werden sich erinnern – Vive de Luc!


