Der Tabakhandel in Luxemburg boomt. Doch das Geschäft ist nur lasch reguliert. So erhielt ein Großhändler mit Sitz in Holzem dieses Jahr erneut eine Handelserlaubnis, obwohl er in Großbritannien wegen Schmuggels zu einer Haftstrafe verurteilt worden war.
Der Standort ist durchaus passend für einen Tabakgroßhandel. Die Lagerhallen von „Wildhog Industries“ befinden sich nämlich gleich neben dem Friedhof in Holzem, in der Gemeinde Mamer. Die Gegend ist ländlicher, als es ihre Nähe zur Hauptstadt vermuten lassen würde. Felder, Kühe und vereinzelt Spaziergänger mit Hund. An einem stürmischen Dezembermorgen verrät nur wenig, was in den Hallen gelagert wird. Einzig die zahlreichen Überwachungskameras und Bewegungssensoren deuten darauf hin, dass Wildhog Industries wohl nur ungern ungebetenen Besuch erhält.
Der Betrieb ist eine von nur drei Firmen, die offiziell beim Luxemburger Zoll als Tabakgrossisten eingetragen sind. Doch für ein Unternehmen mit Aktiva von mehr als einer Million Euro im Jahr 2023 gibt sich die Firma äußerst diskret. Die Büroetage neben der Lagerhalle teilt sich der Grossist mit einem Vertrieb für E-Zigaretten. Lediglich ein laminiertes Hinweisschild deutet auf die Präsenz des Großhändlers hin. Und wer im Internet nach dem Betrieb sucht, der findet auf Anhieb weder eine Webseite noch sonstige Kontaktdaten.
Das könnte auch damit zu tun haben, welche Klientel das Unternehmen anspricht. Die Zielgruppe wird nämlich erst auf den zweiten Blick deutlich. Unter dem Handelsnamen „The Tobacco Shop“ betreibt die Firma eine Facebook-Seite und einen eigenen Internetauftritt. Das Unternehmen zielt auf eine internationale, insbesondere britische Kundschaft ab. Der Shop kommuniziert nicht nur auf Englisch, sondern läuft auch über eine britische Internetdomain. Er bewirbt sich online als führender Grossist in Luxemburg mit einem Angebot von mehr als 70 Tabakmarken, sowohl für Privat- als auch für Großkunden.
Von Luxemburg nach Leeds
Welche Kunden der Grossist dabei im Detail anvisiert, verrät ein Facebook-Post aus dem Jahr 2020. Damals fragte der Tobacco Shop in die digitale Runde: „Where is everyone heading to from the port of Dover today?“ Und: Wieso nicht einen Zwischenstopp beim Tobacco Shop einlegen, neben Kaffee und gratis Wifi gebe es dort auch mit die günstigsten Tabakpreise in der gesamten EU.
So weit, so unverfänglich. Schließlich ist das große Geschäft mit Tabakwaren in Luxemburg nicht nur geduldet, sondern erwünscht, weil politisch gefördert. Die Steuereinnahmen aus dem Tabaktourismus übersteigen in diesem Jahr erstmals die Schwelle von einer Milliarde Euro. Bis 2028 rechnet die Regierung derzeit sogar mit Einnahmen aus den Tabakakzisen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Doch auch im boomenden Tabak-Schwarzmarkt in Europa spielt das Großherzogtum eine wichtige Rolle, wie Reporter.lu kürzlich berichtete.
Diese Bande hat den Schmuggel und die Steuerhinterziehung auf die Spitze getrieben und einen schweren Angriff auf die Staatskasse (…) begangen.“
Britischer Steuerfahnder
Das Geschäftsmodell von Wildhog Industries wirft indes Fragen auf. Grund dafür ist auch der persönliche Hintergrund des Geschäftsführers des Unternehmens und eine Affäre aus dem Jahr 2018. Damals baten die britischen Justizbehörden Luxemburg um Hilfe. Konkret ging es dabei um den Verdacht auf Zigaretten- und Tabakschmuggel im großen Stil …
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