Ein Luxemburger Start-up feiert sich als Revolutionär der boomenden KI-Branche. Das Unternehmen lockt mit atemberaubenden Gewinnaussichten. Ermittlungen der Justiz in Finnland werfen jedoch Fragen über die Vorgeschichte der Gründer auf.

„Bifin zertrümmert Konventionen“: So stellt das „Luxembourg House of Financial Technology“ (LHoFT) auf seiner Webseite das Luxemburger Unternehmen „Bifin AI“ dar. „Vorreiter“, „beispiellos“, „revolutionär“ – auch der weitere Text spart nicht mit Lob und Schlagworten aus der Finanzbranche.

Bifin ist Mitglied des staatlich geförderten Hubs, das Unternehmen im Bereich der Finanztechnologie fördert. Und sein Geschäftsmodell ist in der Tat originell. Denn Bifin hat seine gesamte Chefetage mit künstlicher Intelligenz (KI) besetzt. Nova Lead (CEO), Max Intellect (CTO) und Eddie Innovate (CLO) heißen die artifiziellen Führungskräfte des Start-ups.

Doch dahinter steckt natürlich doch ein sechsköpfiges, aus realen Menschen bestehendes Team. „Wir schaffen die Blaupause der Unternehmensführung der Zukunft“, wird Geschäftsführer und Mitgründer Tommi Lindfors in der Selbstdarstellung von Bifin zitiert. Der selbsternannte KI-Enthusiast mit einem Händchen, Ideen in Gold zu verwandeln, hat ein klares Ziel: „das größte KI-Start-up Luxemburgs“ werden. Im Moment werden noch Investoren gesucht, um die Bifin mit großen Versprechen und durchaus „beispiellosen“ Renditen wirbt.

Rendite von „550 Prozent“

Denn das Unternehmen plant, hohe Gewinne an Finanzmärkten zu erzielen – ebenso dank der KI. Mithilfe von „Large Language Models“ soll diese darauf trainiert werden, das Marktgeschehen zu analysieren. Die KI soll etwa das Internet nach positiver oder negativer Berichterstattung durchforsten, welche die Aktienpreise beeinflussen könnten. Mehr noch: Die KI soll „Marktbewegungen vorhersagen“ und Gewinne und Verluste präzise messen können, so Bifin auf seiner Website.

Die Gewinnerwartungen sind dabei extrem hoch angesetzt. Eine Zahl, die auf der Bifin-Website schnell ins Auge springt, ist eine Marktrendite von bis zu „550 Prozent“. Als „Proof of Concept“ für solche Gewinne soll laut dem Unternehmen eine Studie der „University of Florida“ von 2023 herhalten.

Es war wie Magie.“
Tommi Lindfors, Gründer von „Bifin AI“ und „Mash Group“

Gilbert Fridgen, Professor für „Digital Financial Services“ an der Universität Luxemburg wäre bei solchen Zahlen allgemein „sehr vorsichtig“. „Finanzmärkte erlauben es nicht, sicher so hohe Renditen zu erzielen“, meint der Computer- und Wirtschaftswissenschaftler im Gespräch mit Reporter.lu. Und selbst wenn es dazu kommen sollte: „Die Renditechance verflüchtigt sich schnell. Wenn eine Möglichkeit so gut funktioniert, dann werden sie schnell viele nutzen.“

„Die Zahlen liegen sicher am oberen Ende des Spektrums der Erwartungen“, kommentiert der Geschäftsführer des LHoFT, Nasir Zubairi, die Gewinnvorstellungen von Bifin. Die angestrebte Rendite sei jedenfalls „nicht außergewöhnlich und nicht unmöglich“. Bifin ist eines der fast 200 Mitglieder des zur Hälfte direkt durch den Staat finanzierten Hubs. Im Aufsichtsrat des LHoFT sitzen diverse Vertreter der Finanzbranche und des Staates, darunter der Finanzminister als „Chairman“.

Die Theorie und die Praxis

Auf das „Proof of Concept“ angesprochen meint Gilbert Fridgen: „Der Laie sieht darin einen Beweis, der Experte einen ersten Versuch. In der Fachsprache bedeutet es, dass im Prinzip gezeigt wurde, dass es in der Theorie möglich wäre …