Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Pünktlich zum zweiten Advent blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: Gute Zeiten, schlechte Zeiten und ein mächtiger politischer Karnevalsverein.
Noch sechs Wochen, bis „The Donald“ die Weltherrschaft übernimmt und alle Probleme im Handumdrehen gelöst werden – zumindest in seinem Kopf. Die Vorbereitungen laufen, den Europäern gruselt es mehr oder minder vor der neuen Trump-Regierung. #Luc und #Xav sind allerdings bereit und gehen die Sache erstaunlich pragmatisch an.
Die insgeheime Strategie der Regierung lautet denn auch: Darauf hoffen und alles dafür tun, dass der geniale US-Präsident denkt, Luxemburg sei gar kein richtiges Land, sondern nur ein überdimensionierter Finanzplatz irgendwo zwischen Failing Germany und Shithole Brussels. #HopeWeCanBelieveIn
Vielleicht kommt es ja aber gar nicht so schlimm. Das dachte sich zumindest unser Außenminister, als er hörte, wer neuer US-Botschafter in Paris werden soll: Charles Kushner. Der Vater von Trumps Schwiegersohn ist vor allem als Immobilienunternehmer und für seine Steuerhinterziehung bekannt. Mit solchen Menschen kann man gut arbeiten, meint #Xav. Darauf einen PimTonic!
Make Ministerrot great again!
Wir sind uns allerdings nicht sicher, ob unsere Regierung wirklich gut genug aufgestellt ist für das zweite orangene Zeitalter. Um in Washington ernstgenommen zu werden, braucht es eine radikale Regierungsumbildung. Unser Plädoyer: Luxemburg muss mit den unglaublichen Kompetenzen in der US-Regierung mithalten könnten. Und da muss man einfach ohne Scheuklappen denken. Also: Let’s go! Disruption, Baby! Luxemburg braucht ein anderes Mindset!

Auch Parteizugehörigkeit darf dabei keine Rolle spielen. Sie ist letztlich auch egal, denn die Abgeordneten von CSV und DP winken sowieso alles durch. Selber denken wird sowieso überschätzt. Und manche Minister können auch einfach auf ihren Posten bleiben – sie haben sich im vergangenen Jahr einfach zu sehr durch ihr beharrliches Unwissen bewiesen. Von Trump lernen heißt: Kompetenz ist nur eine Einbildung. #TheBestPeople
Die Liste des Schreckens
Deshalb hier ganz exklusiv das künftige Kabinett, das uns wie immer aus überaus schlecht unterrichteten Kreisen geleakt wurde:
- Luc Frieden, CEO
- Xavier Bettel, Außenminister und Hochschule
- Astrid Lulling, Entwicklungshilfe und Weinbau
- Gaston-Vogel-KI, Justiz
- Bas Schagen, Bildung
- Jean-Marie Jacoby, Verteidigung
- Nathalie Oberweis, Geheimdienst
- Dr. Ochs, Gesundheit
- Gérard Lopez, Wirtschaft, Finanzen und Mobilität
- Robert Goebbels, Umwelt und Klima
- Flavio Becca und Gilles Feith, Simplification administrative
- Simone Beissel, Integration und Digitalisierung
- Georges Mischo, Arbeit und Sport
- Jacques Schneider, Kultur
- Daniel Frères, Wohnungsbau
- Monica Semedo, Medien
- Viviane „Kann alles“ Reding, Inneres, Landwirtschaft, Öffentlicher Dienst und Familie
- Frank Schneider, Digitale Währungen und Nation Branding (aus dem Homeoffice)
- Marc Hansen
Wölfe und Beamte bleiben geschützt
Doch ob nun mit einer neuen Regierung oder der alten „neuen“, Luxemburg bleibt immer noch Luxemburg. Und da ist vielleicht nicht die Rente, aber doch die Punktwerterhöhung für Beamte sicher! Schließlich gehören 13. Mount, Staatskantine und Essenszulage einfach zur Staatsräson Luxemburgs. Komme, was wolle.
Auch Weltkriege, Wirtschaftskrise und Klimakollaps können daran nichts ändern. „Kein Weg führt an einer substanziellen Punktwerterhöhung vorbei“, um es mit den Worten der CGFP zu sagen. Und es ist auch „ komplett abstrus, liichtfankeg, onverantwortlech an onnéideg“, gerade jetzt eine Pensionsdebatte zu führen. Verantwortung sollen gefälligst andere übernehmen. Von den am Hungertuch nagenden Luxemburger Beamten wurde in den letzten Jahrzehnten wahrlich genug abverlangt. #EnoughIsEnough
Doch ein gewisser kommerzieller, werbefinanzierter, aber irgendwie auch öffentlicher Sender (klingt komisch, ist aber so) streut daran Zweifel. Ist Luxemburg noch eine Insel der glückseligen Beamten? Ist der Wolf(f) noch geschützt? Oder wird ihn Serge Wilmes genauso aufs Korn nehmen wie seinen tierischen Amtskollegen? Um es mit Politikhoffnung Paulette Lenert (die Älteren werden sich erinnern) zu sagen: Man weiß es nicht.
Ein Autokorso gegen Sozialabbau
In einem Punkt ist die Kritik an der CGFP allerdings wirklich unfair und falsch. Der mächtigsten Gewerkschaft der Milchstraße wird nämlich vorgeworfen, sie gefährde mit ihrer Haltung in der Rentendebatte die Generationengerechtigkeit. Dabei verkennen die Kritiker: Die CGFP fordert nicht nur grenzenlose Punktwerte und Privilegien für die heutigen Beamten und Spezialrentner, sondern auch für alle, die jemals in der Zukunft den Weg zu Vater Staat finden werden. #OpenEnd
Wer sich jetzt fragt, ob das ein nachhaltiges Konzept ist, den muss man offenbar mit Nachdruck an die heiligen Gebote der CGFP erinnern, die sie sich irgendwann beim feucht-fröhlichen Team-Building-Ausflug in den Kölschen Karneval abgeschaut hat: Et kütt wie et kütt, Et hätt noch immer jot jejange und Do laachste dech kapott, sind seitdem die Leitlinien ihrer Lobbyarbeit.

Und der Kampf gegen die böse Regierung, der wird bekanntlich auf der Straße … äh, im geheizten Parkhotel geführt! Ist ja auch praktischer: Wo soll man denn auch sonst seinen Q5 oder Cayenne parken, wenn auf der Straße demonstriert wird?
Trotzdem war es für die mobilisierten Militanten schwierig. Das „Tageblatt“ war wie immer ganz nahe an den Sorgen und Nöten des arbeitenden Volkes: „Die Gewerkschaftsmitglieder sind mit etlichen Bussen angereist, trotzdem sind die Parkplätze des Hotels heillos überfüllt. Die Leute parken im Wald, auf Rastplätzen in der Nähe, in reflektierenden roten Warnwesten laufen sie die Landstraße entlang Richtung Hotel.“
Für den drohenden Generalstreik hätten wir einen Vorschlag: einfach einen landesweiten Autokorso organisieren! Vom Shoppingcenter in Weiswampach („Den OGBL huet alles futti gemaach!“, sagte der Massen-Chef) bis zum Wohnort des Beelzebubs Georges in Esch/Alzette. Da werden die Bosse und ihr CEO aber staunen. Und dazu lassen sich die Staatsbeamten bestimmt auch überreden.
Gute Zeiten in Brüssel
Doch zurück zum Gruselkabinett. Ein solches musste auch Ursula von der Leyen in den letzten Monaten zusammenstellen. Überraschenderweise ließen die Sozialisten sich sogar davon überzeugen, eher einen rechtspopulistischen Politiker als Vizepräsident durchzuwinken, als Druck auf die Kommissionspräsidentin zu machen, einen Posten für ihren Spitzenkandidaten Euronico zu schaffen. Dadurch hat sich im Brüsseler 4D-Schach ein gewisser Marc, äh, Christophe Hansen durchgesetzt. Er hat nun gut lachen. Und ließ sich für seine offizielle Vorstellung etwas ganz Besonderes einfallen …
In der neuen GZSZ-Staffel über Intrigen und Affären in der Europäischen Kommission fällt Christophe Hansen zwar nur eine Nebenrolle zu. Und doch spielt der Ministercousin seine Rolle als opportunistischer Politiker, der sich nur für die Nationalwahlen in seinem Heimatland aufstellte, um Stimmen für seine Partei zu sammeln, um dann doch schließlich nach Brüssel zurückzukehren, überragend gut.
Alles läuft denn auch nach Plan, bis ein alter Gefährte, Jean-Claude Juncker, volltrunken – pardon – mit akutem Ischias, in sein Brüsseler Büro torkelt, um endlich seine Memoiren fertig zu schreiben. Und auf einmal kommt alles ans Licht … Wie Christophe Hansen Luxemburg vom Steuerparadies wieder zurück zum Bauernstaat subventioniert, warum der geniale Nicolas Schmit wirklich ausgebootet wurde und was die Bommeleeër-Affäre damit zu tun hat, erfahren Sie in der nächsten Folge!
Play hard, fail harder …
Vergleichsweise schlechte Zeiten erlebte dagegen Monica „ich hatte nie einen Nachnamen“ Semedo. Davon erzählte sie im öffentlich-rechtlichen Podcast namens „Fiasko Fest“. Und sagen wir mal so: Die Episode wurde dem Namen erstmals durchaus gerecht.
Die Ex-DP-Politikerin gab eine wunderbar post-faktische Lehrstunde im Umgang mit Scheitern. Man sagt einfach, dass es kein Scheitern war. „Dazu bin ich ein zu positiver Mensch“, meinte die Nun-Fokus-Politikerin. Fehler machte sie ja auch keine. Donald Trump wäre stolz auf diese unverfrorene Realitätsverweigerung.
Man könnte es aber auch wie ein überaus erfolgreicher liberaler Parteichef und Ex-Bundesfinanzminister formulieren: „Probleme sind nur dornige Chancen“. Wir finden jedenfalls: Mit der Attitüde „Play hard, fail harder“ sollte Monica eigentlich eine zweite Chance bei den Liberalen erhalten. Die Partei der penetranten Prinzipienlosigkeit (kurz: DP) passt einfach zu gut zu ihr. Man stelle sich mal vor: Xav, Monica, Pim Knaff und Simone Beissel … mit diesen Galionsfiguren des Luxemburger Liberalismus wäre der Wahlsieg 2028 sicher!
Bekanntlich hat die DP manchmal, also sehr selektiv auch ein großes Herz: Christian Lindner mag der meist gehasste Politiker Deutschlands – ach, ganz Europas – sein, in Luxemburg findet er immer offene Arme. Yuriko freute sich jedenfalls stets über die „excellente Zusammenarbeit“ (sic) mit dem Christian, wie Retrospect berichtete. „Meine Liebe, ich grüße dich“, flötete der Christian drei Monate später (Retrospect berichtete erneut).
In diesem Sinne: Bleiben Sie positiv (vielleicht nicht ganz so wie Frau Semedo), lassen Sie sich von den Donalds dieser Welt nicht unterkriegen und vergessen Sie nicht: Es kommen auch wieder gute Zeiten!



