Überarbeitung, Stress, Burnout-Risiko: Die berufliche Belastung von Ärzten ist enorm. Das gilt auch für Mediziner, die noch die Facharzt-Ausbildung durchlaufen. In Luxemburgs Krankenhäusern ist die Lage durch den akuten Ärztemangel besonders angespannt.

Nach einer langen, anstrengenden Schicht sei es normal, Kollegen in der Umkleidekabine weinen zu sehen. Während der Arbeit breche man auch selbst regelmäßig in Tränen aus, erzählt eine junge Ärztin im Gespräch mit Reporter.lu. Eine frühere Kollegin habe ihr nach ihrer Ausbildung gebeichtet, sich selbst Medikamente verschrieben zu haben, damit sie wieder schlafen könnte. Der Druck sei schlicht zu hoch gewesen. Eine weitere angehende Ärztin erzählt, wie ihr erst nach einem Autounfall bewusst geworden sei, wie übermüdet sie von den schlaflosen Nachtdiensten war.

Viele Mediziner, mit denen Reporter.lu im Rahmen dieser Recherche sprach, berichten von ähnlichen Umständen in ihrem Arbeitsalltag. Anonym, denn sie fürchten um berufliche Konsequenzen. Rund 90 Auszubildende arbeiten zurzeit in den unterschiedlichen Abteilungen des „Centre Hospitalier de Luxembourg“ (CHL). Nach dem Grundstudium treten die Ärzte eine mehrjährige Ausbildung an, um sich auf ein Gebiet zu spezialisieren. Die angehenden Fachärzte pflegen, operieren und behandeln pausenlos bis zur Überarbeitung. Besonders angespannt ist die Lage derzeit in der pädiatrischen Abteilung des CHL („Kannerklinik“) – aber nicht nur dort.

Bis zu 80 Stunden pro Woche im Dienst

Der Schichtplan für die Auszubildenden sieht in der Kannerklinik vor, dass regelmäßig zwölf Tage am Stück gearbeitet wird. Die erste Woche tagsüber, am Wochenende von 8:30 bis 20:30 Uhr, die Woche darauf die Spätschicht von 13:30 bis 23:30 Uhr. Nach einem arbeitsfreien Wochenende dann eine ähnliche Abfolge. Und immer so weiter. Grundsätzlich werden in der Pädiatrie acht Personen zu Fachärzten ausgebildet. Im Schnitt arbeiten sie 60 bis 80 Stunden pro Woche.

Viele wissen nicht, unter welchen Bedingungen wir arbeiten. (…) Die Leute müssen sich bewusst werden, dass sie von Menschen behandelt werden, die zum Teil seit 20 Stunden gearbeitet haben.“Eine Ärztin in der Fachausbildung

Ähnliches hört man aus der Abteilung für innere Medizin. Dort arbeiten sie im Schnitt 60 Stunden pro Woche – „zu Beginn der Ausbildung aber noch länger“, so ein Arzt gegenüber Reporter.lu. Der anfängliche Mehraufwand sei jedoch verständlich, denn die Ärzte müssen sich erst mit den Verwaltungsabläufen vertraut machen und brauchen länger als erfahrene Kollegen für dieselben Behandlungen.

Lange Arbeitstage kennen auch die Auszubildenden in der Chirurgie. „Dir wird jeden Tag angezeigt, dass du die maximale Anzahl an Überstunden überschritten hast“, schildert eine angehende Fachärztin im Gespräch mit Reporter.lu. An der Arbeitsweise ändert sich jedoch nichts. Die Überlastung wird einfach hingenommen, nicht zuletzt, weil die Stationen sonst nicht funktionieren könnten …

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