Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Pünktlich zur überfälligen Vakanz blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf Schlagzeilen zurück, die uns besonders beschäftigten. Dieses Mal: Geniale Minister, schiffbrüchige Piraten und rebellische Bettendörfler.
Es ist heiß. Ein heißer Herbst. Aber nicht, wie Sie jetzt meinen. Die Gewerkschaften spüren einen „eiskalten Herbstwind“ aufziehen. Schuld ist natürlich der #Luc mit dem kalten Herzen in der Caritas-Affäre. Da dachte sich Georges „The Brain“ Mischo: Genau der richtige Zeitpunkt, um den Gewerkschaften mal ordentlich einzuheizen.
Nein, nicht indem er sein T-Shirt auszog, wie er es bei gefühlt jedem öffentlichen Auftritt plant. Er setzte der roten Nora und dem grünen, naja, Patrick das Messer auf die Brust. Oder war es umgekehrt? Obwohl, dann war das „Messer“ eigentlich „ein schlechter Heimatkunde-Aufsatz“ des Ministers, wie Gewerkschaftsboss Patrick Dury es formulierte.
Minister Mischo, der schon in seiner Heimatstadt Esch verbrannte Erde hinterließ, will das scheinbare Monopol der Gewerkschaften in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern brechen – oder vielleicht doch nicht. Seine Gedankengänge sind für die Öffentlichkeit und auch seine eigene Partei schlicht zu komplex.
Gut also, dass der #Chef #Luc die Position der Regierung bei einem flotten Pressebriefing ein für alle Mal klären konnte: Alles halb so schlimm, man wird doch wohl noch über Sozialabbau nachdenken dürfen, so ist das in einer Demokratie, an eng schéi Vakanz gewënscht, so der Premier.
Heiße Themen und Tabus
„Ass et sou waarm oder mengen ech dat nëmmen?“, fragt derweil Gesundheitsministerin Martine Deprez in den heißen Herbst hinein. „Jo, mir ass et och e bëssi waarm“, meint Multi-Ministerin Yuriko. Und nein, der hitzige Georges ist nicht der Grund für die Hitzewallungen. Auch nicht das sexy Cover vom „Land“, das Martine in zärtlicher Umschlingung mit dem Star-Minister Léon, dem Profi, zeigt. Der Grund sei die Menopause – „in unserem Alter“, meint Martine. Die Ministerfreundinnen haben ein – ähm – aufklärerisches Video zu dem Thema gedreht.
Denn die Menopause sei ein Tabu-Thema, über das mehr gesprochen werden müsste: „Komm mir schwätzen driwwer, fir datt et keen Tabu méi ass“, so die Pointe der vollkommen gelungenen Kampagne. Der Retrospect-Redaktion liegt aber exklusiv das nicht veröffentlichte Ende des Videos vor. Denn leider gibt es für #Yuriko und #Martine doch noch Tabus, die Tabus bleiben sollen. Die liberale Frau für alle Fälle und Ressorts sagt: „Komm mir schwätzen iwwert d’Positioun vun eise Parteien an der Pensiounsreform!“ „Nee, dat geet ze wäit!“, meint Martine.
Sacrificing Private Georges
Die CSV-Ministerin will denn auch nicht, dass die Gewerkschaften etwas zu den Renten sagen. „Schwätzt mat!“, gilt eben nicht für alle. Nicht, dass die ACEL noch mit allzu revolutionären Ideen daherkommt und fordert, dass eine Vermögenssteuer die Renten finanzieren könnte. #Gottbewahre

Nein, #Martine und #Luc haben bereits einen Masterplan. Zumindest, wer schuld ist, wenn im tropischen Winter die Gewerkschaften zum Generalstreik rufen. „De Mischo huet en décke Problem an deen muss hie lo léisen“, sagt der Premier dann vor der Presse. Und er kennt keine Gnade: Georges „The Brain“ muss zurücktreten – von allen Ämtern!
„Bitte, lieber CEO! Lass mir doch den Sport! Ich habe doch alles gemacht, was du wolltest!“, fleht Georges in seiner schwersten Stunde. Doch es hilft nichts: #Luc übernimmt als bewährter Gewerkschaftsflüsterer selbst das Arbeitsressort. Nancy „The Nänz“ Arendt wird Ministerin für Sport und delegierte Ministerin für die Abwicklung des Sozialdialogs.
Neues von der Satirepartei
„Einmal mit Profis“, seufzt Marc Spautz. Das dachte sich auch Tammy Broers, der Shooting Star der Escher Gemeindepolitik – ehemals bei den Piraten. Sie verlässt die Partei nun Richtung Déi Gréng. „Wir haben alle mal jung anfangen“, meinte Meris „Majo dann“ Sehovic zum politischen Ausnahmetalent. Er könnte jetzt mit den Stimmen der LSAP und Déi Lénk Bürgermeister werden. Aber das würden ja alle erwarten, deshalb macht er es nicht.
Mittlerweile machen wir uns wirklich Sorgen um unserer liebstes Satireprojekt namens „Piratepartei“. Marc „Pinky“ Goergen muss nur noch den Clement-Clan über die Planke gehen lassen und er ist der Chef-Satiriker an Bord. Spötter meinen, dass er das längst ist. Sven Clement dagegen kann auf einem Bierdeckel erklären, wie er die Weltwirtschaft retten könnte. Aber wie sein Satireprojekt noch zu retten ist, da ist selbst der Außenminister der Chamber überfragt.

Tommy Klein – „politischer Berater“ der Satirepartei und Experte für smarte Karriereentscheidungen – klagt seinerseits, dass die übrig gebliebenen Piraten für Affären kritisiert werden, für die sie nicht verantwortlich sind. Klar, Piratenkönigin Mandy von Colmar-Berg kann für nichts! Und ob seine Partei jetzt virtuelle 300, 30 oder nur noch drei Mitglieder hat, macht am Ende auch keinen Unterschied. #WeArePirates
Eine Gemeinde schafft sich ab
Vielleicht werden die Piraten auch einfach nicht mehr gebraucht. Die Bewerber für die nächsten politischen Satireprojekte laufen sich bereits heiß. Ein ganz spannender Kandidat ist der Gemeinderat von Bettendorf, der sich in Sachen Kompetenz und Cleverness offenbar einiges am Escher Vorbild abgeschaut hat.
Alle wollen zur Nordstad fusionieren. Alle? Nein, hinter Gilsdorf regt sich der letzte Widerstand! Gegen die Bürger, gegen die Regierung und gegen die fiese Lügenpresse. Im September wehrten sich sieben tapfere Gemeinderäte gegen die Unterdrückung – in einer geheimen Abstimmung. Dann tauchten sie in den Untergrund ab. Bösartige Anfragen von der Systempresse wehrten sie erfolgreich ab.
Doch der fiese Minister Léon aus der elitären Hauptstadt zwang sie zu einem Kampf mit offenem Visier. Und so kam es, dass sie nochmals geschlossen ihre Stimme erhoben gegen das Diktat und für die freie Republik Äppelduerf. Natürlich hatten die dummen Journalisten alles falsch verstanden und es ging den Rebellen um … äh … also um alles!
Der Bettel-Filter
Allerdings sind die Bettendörfler noch wahre Anfänger. Sie versuchen noch, die Realität zu beeinflussen. Léon, der Profi, macht sich seine Realität bekanntlich selbst. Das rezente Beispiel: Es gebe keine aggressiven Bettler mehr in Hauptstadt, antwortete er seiner vorlauten Vorgängerin Taina. „Chacun peut s’en rendre compte en se promenant dans la capitale“, meinte er in seiner ihm eigenen anekdotischen Hochnäsigkeit. Zwischen den Zeilen ist aber seine Angst zu spüren: Er war bisher der unbeliebteste Minister der CSV-DP-Regierung, doch ein gewisser Arbeitsminister kam ihm gefährlich nahe.

Was der Minister für innere und gefühlte Sicherheit verschweigt: Er hat in seinen überaus geilen BMW-Dienstwagen einen Bettel-Filter einbauen lassen. Sobald er das „Miseler Land“ verlassen hat und in Gotham City reinrollt, schaltet er den sogenannten „Gloden-Beta“-Modus ein. Damit verschwinden alle Bettler und sonstige sozialen Problemfälle aus seinem Sichtfeld. Ein Upgrade des Filters erlaubt es ihm nun auch, eine gewisse Generalstaatsanwältin auszublenden, die auf Gewaltentrennung und sonstiges rechtsstaatliches Gedöns pocht.
„Wir sind Konfetti“
#Luc hat auch einen Bettel-Filter, aber anderer Bauart. Er nimmt seinen Außenminister #Xav einfach nicht wahr. Ganz so, als habe der keine politische Existenz. Das Problem: Die Weltöffentlichkeit hat den Filter nicht und hat zugehört, als der Chef-Improvisator vor der UN-Vollversammlung eine diplomatische Vertretung Luxemburgs in Tel Aviv und Ramallah ankündigte. Der CEO sagte dem Parlament aber einfach: jetzt sei „nicht der richtige Moment“ dafür.
„Uns hört keiner mehr zu“, klagte Xav vor der Weltöffentlichkeit. Man ist sich nicht ganz sicher, ob er die EU meint oder sich selbst. „Wir sind Konfetti“, so die messerscharfe Analyse des Ex-Chefs, der seine Dossiers bekanntlich bis auf das letzte Papierschnitzelchen kennt.


