Von Simon Hurtz (Süddeutsche Zeitung)

Unternehmen wie Facebook nutzen gezielt Schwächen der menschlichen Psyche. Doch niemand ist den Tricks der Designer hilflos ausgeliefert. So können Sie sich wehren.

Vor 20 Jahren war es cool, mit einem Nokia-Handy zu telefonieren. Vor zehn Jahren war es cool, mit einem iPhone zu surfen. Heute wird bewundert, wer ein altes Nokia besitzt und auf ein Smartphone verzichtet. Während dieser Text entsteht, unterhalten sich Neuköllner Hipster am Nebentisch ohne Ironie über „Smartphone-Sucht“. Digital Detox ist das neue Yoga, und Gründer aus dem Silicon Valley warnen vor ihren eigenen Schöpfungen. Einige von ihnen sagen: Smartphones und soziale Medien sind gefährlicher als Rauchen und zerstören die Gesellschaft.

Dieser Vergleich ist schräg. Zigaretten verursachen Krebs und verkürzen das Leben, Technik kann Menschen verbinden und das Leben erleichtern. Jede große Erfindung wird misstrauisch beäugt. Buchdruck, Eisenbahn, Telefon, Fernseher, Internet – sie alle galten als gefährlich. „Eine bloße Belustigung von niederem Charakter, die dem Geist die Zeit stiehlt, sich noblere Fähigkeiten anzueignen“, warnte das Magazin Scientific American vor 150 Jahren. Gemeint war das Schachspiel.

Doch Milliarden Menschen tragen Smartphones in der Hosentasche mit sich herum. Noch nie war Technik so allgegenwärtig – und mächtige Firmen arbeiten daran, den Rest der Menschheit dazu zu bringen, möglichst oft auf ihr Smartphone zu schauen. Ob Facebook, Instagram oder Snapchat, die Logik ist immer dieselbe: Je mehr Zeit die Nutzer damit verbringen, desto mehr Anzeigen sehen sie, desto mehr Geld verdient das Unternehmen.