Die Inklusion als pädagogischer Ansatz ist in Luxemburg noch ausbaufähig. Dass die Regelschule auch für Kinder mit besonderem Förderbedarf da sein soll, ist mittlerweile zwar unbestritten. An manchen Stellen hapert es jedoch mit der praktischen Umsetzung.

In einem Klassensaal eines luxemburgischen Lyzeums: Christine* harrt an ihrem Schultisch aus, sie scheint nicht so richtig anfangen zu wollen. Beim zweiten Blick fällt auf, dass sie noch immer die Aufgaben liest. Sie wird unruhig. Die ausgeteilten Prüfungsunterlagen sind vom Aufbau und der Schrift so ausgerichtet, dass die Schülerin nur mühevoll versteht, was die Lehrperson von ihr will.

Christine ist aber eine zurückhaltende Person, sie traut sich nicht, zu melden, dass sie Schwierigkeiten hat, den Text zu entziffern. Eigentlich ist die Lehrkraft über die Situation informiert. Diese hat sich aber nicht an die ausgemachten Bedingungen gehalten: Kinder und Jugendliche mit einer „Dys“-Lernstörung, etwa Dyslexie, brauchen Unterrichtsmaterialien in einer bestimmten Schriftgröße und einem angepassten Layout. Außerdem fällt es ihnen besonders schwer, Handschriften zu lesen.

Meistens kriegen diese Kinder zwar etwas mehr Zeit um die Prüfung abzuschließen, eine sogenannte „majoration du temps“, aber wenn die Prüfungsunterlagen nicht gut lesbar sind, hilft auch ein zeitlicher Bonus nicht weiter.

Die Schülerin hat bereits mehrere schulische Stationen hinter sich: Einige Male hat sie die Schule gewechselt und immer wieder ist sie auf Widerstände und Schwierigkeiten gestoßen. Ihre Mutter, Monique* erzählt, dass sie viel Zeit damit verbracht hat, angemessene Unterrichtsmaterialien zu finden. Ohne andauernde Unterstützung hätte ihre Tochter es wahrscheinlich nicht bis zum Abitur geschafft. Für sie gibt es in Luxemburg im Moment keine wirkliche Inklusion …