Ein anderer „Wochenrückblick“ ist möglich: Live vom Thronwechsel blicken wir mit einem Augenzwinkern auf den – Sie wissen schon – zurück. Dieses Mal: Ein neuer Sympathieträger, eine Monarchie, die zumindest nicht nervt und andere royale Highlights.

Charel, we feel you! Nach einer knappen Stunde Thronwechsel-Spektakel hatten auch wir schon genug – auch wenn niemand uns ausdrücklich nahelegte, die Ohren zuzuhalten. Doch selbst das half ja nicht. „Vive“, „Guillaume, Guillaume“, lustige KI-Selfies, umbenannte Tram-Haltestellen, floskelüberflutete Monarchen-Interviews und royale Gadgets in allen Formen und Farben – es gab wahrlich kein Entkommen.

Und da sprechen wir noch nicht einmal von der 20-Stunden-Dauerwerbesendung für die Monarchie bei unserem allerliebsten Monopol-Fernsehsender, der das eigene Motto „All Moment RTL“ dieses Mal wohl etwas zu wörtlich nahm. Uns reichte es nämlich schon, als es noch gar richtig begonnen hatte. Aber gut, zumindest machte das großherzoglich geschmückte Dosenbier, der royale Ramsch-Crémant und eine Sonderportion Knippercher vom Fournisseur de la Cour unseres Vertrauens die Sache etwas erträglicher. #Vive&Prost

Eine Staatsform, die nicht nervt

Dabei sind wir Luxemburger bekanntlich nicht nur außerordentlich genügsame Menschen, sondern auch sehr pragmatische Monarchisten. Großherzogs sind in Ordnung, solange sie sich nicht komplett de Batti stellen. Und vor allem: Solange man sie hat, muss man sich nichts Neues ausdenken. So wie die absurde Idee einer Demokratie mit einem demokratisch gewählten Staatsoberhaupt. #GottBewahre Das inoffizielle Nationalmotto „Mir wëlle bleiwe wat mir sinn“ paart sich dabei perfekt mit dem noch inoffizielleren Nationalmotto: „Géi der keng sichen!“

Auch wir finden: Ob Henri oder Heng, Guillaume oder Willy, Hauptsache Großherzog. Niemand war denn auch besser auf die Aufgabe vorbereitet als Guillaume aka „The Artist formerly known as Prince“: „Als Krounprënz, Lieutenant-Representant, Member vum Staatsrot, Scout…“, betonte Luc Frieden, der vor der Vereidigung in stoischer Staatsnotar-Manier seine Ansprache ablas. Fackeln tragen, saufen, grillen, zelten: Scout-Sein umfasst in der Tat „all d’Facettë vun eisem Land a senge Leit“. Guillaume ist also nichts fremd.

Nawell kee Choix: Für Guillaume Jean Joseph Marie von Nassau (rechts im Bild) fängt jetzt das wahre, ihm seit seiner Geburt aufgezwungene Leben an. (Foto: Mike Zenari)

Auch #Luc folgte seinem bewährten Motto: Ob Klimaschutz oder Monarchie – Hauptsache nicht nerven! Der Staatsminister, der sich nur noch Premier nennen will, vollzog den Thronwechsel samt Reden mit dem Charme eines Briefbeschwerers – irgendwie ok, aber wäre auch anders gegangen. Ganz anders wohnte nämlich Xavier „An ech soen et nach eng Kéier“ Bettel der Vereidigung bei: Der nachweislich beste Ex-Premier seit dem Ende der Juncker-Ära war nämlich so angetan vom historischen Treiben, dass ihm die Tränen kamen.

Doch wer jetzt dachte, dass Xav eben nur nah am Wasser gebaut hat, der täuscht sich. Denn der wahre Grund für die konstitutionell-monarchischen Tränen des Liberalen war: Guillaume hatte Xavs Lieblingsmetapher geklaut. Ab sofort will nämlich auch der Staatschef „Brücken bauen“ – also rein bildlich. Klar, das Niveau von Xav hat er noch nicht, denn eine imaginäre Brücke zwischen dem Kreml und Kiew kann sich nur der liberale Nobelpreisträger der Herzen vorstellen.

Republikanische Resterampe

Nichts macht Luxemburg ja lieber, als zu simulieren, ein ganz normales Land zu sein. Dazu gehört natürlich auch, dass trotz allem nicht alle Monarchisten sind. #SayWhat?! „Gott sei Dank“ gebe es republikanische Ideen in Luxemburg, räumte selbst Monarch a.D. Henri ein. „Das ist ganz normal in einer Demokratie“, meinte er. „Flott“, findet das auch der Premier. Das gilt sogar dann, wenn es „um Haff“ zu „Schwierigkeiten“ kommt, wie das Adelsexperten beschönigend beschreiben.

Obwohl: So normal scheint es dann doch nicht zu sein. Das „Tageblatt“ inszenierte diese Woche mal wieder seine sozialistische Systemkritik. So titelte die stolze OGBL-Zeitung aus dem Minett zwar großspurig zur Monarchie auf der ersten Seite: „Anachronismus aus feudalen Zeiten“. Aber nur, um dann den feudal-anachronistischen neuen Großherzog im Interview unterwürfig doch mit „Monseigneur“ anzureden. Da halten wir es doch lieber mit dem „Wort“, das sich an diesem Wochenende nicht nur im Endlos-Liveticker atemlos die Society-Clickbaiting-Finger wundschrieb – nur um den neuen Großherzog am Ende in alter, biederer Manier als „Brückenbauer mit Elan und Herz“ zu preisen. #Gähn

Um die eigene angedeutete Monarchiekritik zu unterstreichen, suchte das „Tageblatt“ aber auch durchaus investigativ nach bekennenden Republikanern. Und siehe da: Wer hätte das gedacht, dass der Präsident der linken Luxemburger Herzen Änder Hoffmann, der letzte Kommunist Ali Ruckert und die lustigen Untergrund-Satiriker von Richtung22 die Monarchie anscheinend nicht so dufte finden. Wobei selbst das besagte Kënschtler*innekollektiv den Mitleidsmonarchismus des Luxemburger Kleinbürgertums teilt, wie ihr Programm „Free Willy“ nahelegt. Auch wir können uns hier nur anschließen: „Come on, Willy. I know you can do it, boy!“

Was du heute kannst besorgen …

Zum Glück gibt es aber noch Menschen, die den Dienst an der Monarchie ernst nehmen. Dazu zählt Iron Lydie, die bizarrerweise als Ewig-Bürgermeisterin ihren ersten Thronwechsel in diesem Amt erlebt. Umso mehr Einsatz zeigte die Queen vom Knuedler, um „den Haff“ zu schützen. Damit die kritische Journaille nicht auf die Idee kommt, die Monarchie in Frage zu stellen, warf sie den Leitartikel-Schreibern ein besonderes Leckerli hin. Auf die offensichtliche Frage, wie viel die Feierlichkeiten kosten würden, lancierte Iron Lydie ihren Coup: „Zum Budget werden wir nichts sagen, jedenfalls nicht heute.“

Und zack hatten die Journalisten ihr Thema. Sie schrieben sich die Finger wund, ohne irgendeinen Anhaltspunkt. Dabei weiß Iron Lydie ganz genau, wie viel die 360-Grad-Bühne kostet, wie viel Laurent Loschetter als Organisator und Ian De Toffoli als Monarchie-Schönschreiber einstecken. Auch wir finden aber: Es ist egal, Hauptsache feiern. „Es kostet, was es kostet“, zitierte bereits der weise Xav das unschlagbare Motto der Luxemburger Finanzpolitik.

Hofmarschallin Sasha Baillie machte allerdings den Anfängerfehler, zu glauben, die Ausgaben in unbekannter Höhe rechtfertigen zu müssen. Dabei müsste gerade sie wissen, dass dieses Wochenende vielleicht die letzte große Party für das schöne Ländchen stattfindet, das nur per Verkauf von Zigaretten, Hochprozentigem und das Anlocken steuerhinterziehender Milliardäre wie der Sonnenkönig über seine Verhältnisse leben kann.

Vive … an da vive op d’belsch Plaasch

Dabei hielt sich die Begeisterung des Volkes auf die lange Distanz dann doch in Grenzen. Vorsorglich sorgte die Regierung dafür, dass zumindest die Straßen nicht völlig leergefegt aussehen sollen. Deshalb verzichtete #Luc darauf, einen Feiertag zu dekretieren. Der Grund war ganz einfach und verriet eine verblüffend gute Kenntnis seiner Bürger: „Mir hu fonnt, datt et besser wier d’Leit wären am Land a géifen net e verlängerte Weekend am Ausland maachen“, meinte der Premier bereits im Februar.

Dabei wäre die traditionelle Shoppingtour nach Trier gar nicht möglich gewesen, weil déi aner Säit von der Mosel der Tag der deutschen Einheit gefeiert wurde. Aber ein Wochenende  in den Luxemburger Emiraten (aka „belsch Plaasch“) wäre durchaus drin gewesen, also wenn, ja wenn die Regierung nicht so kleinkariert wäre.

Endlich frei: Henri von Nassau, der Etienne Schneider der Erbmonarchie, erhält nach knapp 25 Dienstjahren nicht nur eng gutt Pensioun, sondern auch sein Leben zurück. (Foto: Mike Zenari)

Apropos kleinkariert: Der insgeheime Republikaner und Bildungsminister Claude Meisch sabotierte die Volksfeier auf seine Weise, indem er die Eltern nicht proaktiv informierte, dass ihre Bälge schulfrei haben könnten, wie RTL berichtete. Selbst all die Staatsbeamten, die einst einen Eid auf den Großherzog schworen, nutzten lieber ihre mit Kaffeepausen hart erschufteten Überstunden für anderes als das Feiern von Team Nassau.

Aber auch wir wissen: Ein zusätzlicher Feiertag klingt nice, hätte aber auch dem bereits gebeutelten BIP geschadet. Das kann natürlich weder die von einem strategisch brillanten CEO geführte Regierung noch ein vom Amtsblatt der Finanzindustrie („Paperjam“) so geadelter „Prince du Business“ wollen.

„Da maache mer aner Saachen“

Vielleicht ist der wahre Grund zum Feiern auch, dass eigentlich alle Beteiligten jetzt zufriedener sind. Heng und Tréiss verweilten sowieso lieber im sonnigen Biarritz als im regnerischen Berg und in jenem Land, das ihr Genie und ihren aufopferungsvollen „Service“ nicht würdigte. Selbst der – sagen wir mal – lässige Umgang von Tréiss mit Steuergeld und Personal wurde an dem feierlichen Tag dem Vernehmen nach von üblen Schwarzmalern thematisiert. Doch auch wir halten es da mit der Einschätzung des früheren Aide-de-camp der Großherzog-Gattin, der mit der nötigen Kunstpause in Erinnerungen schwelgte: „Es war interessant und spannend … und positiv.“

„Et wier awer do gutt, wann ee Wiessel géif kommen“, resümierte seinerseits der Monseigneur des Verfassungsrechts Luc Heuschling gewohnt para-wissenschaftlich die Stimmung des Volkes. Diesen Eindruck teilt letztlich aber auch der frühere Staatschef: „Ech war nie attachéiert un d’Funktioun“, meinte Heng noch rund ein Jahr vor seiner Abdankung. „Da maache mer aner Saachen, ech hu ganz vill aner Intérêtën. Da gi mer. Dat ass guer kee Problem“.

In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende und machen Sie es im Zweifel wie der abgedankte Großherzog!