Russische Oligarchen, ein Investmentfonds in Luxemburg und ignorierte Hinweise auf Geldwäsche: Die „Pandora Papers“ enthüllen komplexe Finanzkonstruktionen, bei denen die Kontrolle der Luxemburger Aufsichtsbehörden bisweilen versagt. Eine Spurensuche.

Am 18. April 2019 treffen sich in Singapur die Topmanager des Offshore-Finanzdienstleisters „Asiaciti“. Es geht an diesem frühen Nachmittag um die „Russian Cases“. Nach anderthalb Jahren Streit mit der Finanzaufsicht des südostasiatischen Stadtstaates trennt sich das Unternehmen von mehreren russischen Kunden und deren Gesellschaften. Darunter befinden sich zwei Offshore-Firmen, die einen Luxemburger Investmentfonds namens „Altera“ kontrollieren. Der Hintergrund: Verdächtige Transaktionen, die keine wirtschaftliche Substanz nachweisen können. In Luxemburg stellten sich die Aufsichtsbehörden dagegen weitaus weniger Fragen.

Der Fall ist symptomatisch für die mitunter nachlässige Kontrolle der Luxemburger Fondsindustrie, die ihr Prestige aus ihrem sauberen Image zieht. Anders als bei den Banken begann die Geschichte des Standorts hier nicht mit Schwarzgeld und Steuerhinterziehung. Der Erfolg des Finanzplatzes gründet in diesem Bereich auf Knowhow und einem steuerlich günstigen Umfeld für Investoren, so die offizielle Darstellung. Gleichzeitig birgt die hiesige Fondsbranche aber vergleichsweise hohe Risiken, als Schauplatz von Transaktionen im Zusammenhang mit Geldwäsche genutzt zu werden.

Recherchen von Reporter.lu im Rahmen der vom „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) koordinierten „Pandora Papers“ zeigen, dass eine effektive Kontrolle der hiesigen Fondsindustrie und ihrem verwalteten Vermögen von 5,6 Billionen Euro in jedem einzelnen Fall kaum möglich ist. Kapitalkräftige Investoren können über Luxemburg überaus diskret ihr Vermögen verwalten, ohne dass immer nachvollzogen werden kann, woher das Geld stammt.

Luxemburger Fonds als Tarnung

Im Fall des Altera-Fonds diente das Großherzogtum als Plattform, um obskuren Offshore-Strukturen von russischen Oligarchen einen respektablen Anstrich zu verleihen. Hinter dem Fonds verbirgt sich unter anderem Kirill Androsov, Ex-Vize-Stabschef von Wladimir Putin und bis 2010 stellvertretender Wirtschaftsminister der Russischen Föderation. Auf renommierten Veranstaltungen wie dem Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg gab sich der 49-jährige Ex-Politiker als „Managing Partner“ von Altera aus.

Doch nie wurde öffentlich, woher das mehrere hundert Millionen US-Dollar umfassende Fondsvermögen kam. Recherchen von Reporter.lu belegen: Dubiose Transaktionen rund um die Fondsgesellschaft und unzureichende Anti-Geldwäsche-Kontrollen riefen die Behörden in Singapur auf den Plan. Der vertrauliche Bericht der „Monetary Authority of Singapore“ und weitere Dokumente aus den „Pandora Papers“ offenbaren verdächtige Finanzgeschäfte, die auch in Luxemburg die Warnsysteme hätten auslösen müssen.

There was a notable failure to holistically monitor and adequately probe into circuitous transaction patterns with questionable economic purpose (…)“Vertraulicher Bericht der „Monetary Authority of Singapore“

Der Investmentfonds „Altera Investment Fund SICAV-SIF“ entstand 2011 – in einer Zeit, in der sich die Luxemburger Regierung um enge Beziehungen zu Moskau bemühte. „Unser Finanzplatz soll sich den russischen Unternehmen als Pforte für deren Investitionen in der EU und in den Vereinigten Staaten anbieten“, sagte der damalige Premier Jean-Claude Juncker 2010 bei einem Treffen mit Präsident Dmitri Medwedew in Sotschi. Auch der damalige Wirtschaftsminister Jeannot Krecké pflegte dort seine Bekanntschaften, von denen er später als Geschäftsmann profitieren sollte …