Die Regierung will ein „inklusives und nachhaltiges Wachstum“. Es ist ein Festklammern an einem Wachstumsbegriff, der vor 70 Jahren entstand, dessen Widersprüche aber immer deutlicher werden. Eine kleine Geschichte einer sich wandelnden Idee.

Luxemburg hatte die Grenzen des Wachstums erreicht – oder zumindest war das die Angst der Regierung. Trotz ihrer liberalen Ausrichtung plante sie harte Einschnitte für die Wirtschaft. Sollte es zu einer Energiekrise kommen, müssten manche Industriebetriebe ihre Produktion einstellen.

Das ist keine „Science Fiction“, sondern eine Geschichte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Durchbruch der Industrialisierung stand in Luxemburg kurz bevor. Innerhalb von zehn Jahren stieg die Produktion von Gusseisen um das Siebenfache. Der Grund für die Explosion war einfach: Das Großherzogtum war in das fossile Zeitalter eingetreten. Die erneuerbare Energie Holz wurde durch die Steinkohle ersetzt. Und das Konzept eines unbegrenzten Wirtschaftswachstums wurde überhaupt denkbar.

Die andere Energiewende

1858 breitete sich eine gewisse Panik unter den hohen Beamten des noch jungen Staates aus. Unternehmer wollten zu den 13 bestehenden Hochhöfen noch vier weitere hinzufügen. Die große Frage: Geben die Wälder Luxemburgs das nötige Holz her, um über den Umweg der Holzkohle diese Eisenproduktion zu befeuern? Es drohte eine Energiekrise, denn der Holzpreis hatte bereits schwindelerregende Höhen erreicht.

Wachstum als bedeutende Kategorie des ökonomischen und öffentlichen Diskurses ist ein erstaunlich rezentes Phänomen.“Matthias Schmelzer, „The hegemony of growth“

Die Regierung beschloss damals, dass die neuen Hochöfen unter der Bedingung genehmigt werden, dass ihre Produktion gedrosselt oder gar eingestellt werde, falls ein Holzmangel entstünde oder der Preis zu sehr steige. Für die liberale Regierung war das eine drastische Maßnahme …