Das Tauziehen um den Tram-Ausbau schafft städteplanerische Probleme. Der Verwaltungsgerichtshof hat nun einen Teil des Bebauungsplans der Gemeinde Strassen annulliert. Die Pläne für die Tram seien nicht berücksichtigt worden. Doch das liegt auch an der Regierung.

Fährt die Tram bis nach Strassen oder doch nicht? Und wenn ja, wann? Diese Fragen trieben die Politik in diesem Frühjahr um. Bei der Vorstellung des Mobilitätsplans der Stadt Luxemburg stellte Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) die Strecke entlang der Route d’Arlon als nicht prioritär dar. Drei Wochen später bezeichnete Mobilitätsministerin Yuriko Backes (DP) die Strecke zwischen der „Stäreplaz“ und dem „Centre hospitalier de Luxembourg“ (CHL) dennoch als vorrangig. Die neue Sprachregelung wurde allerdings unterwandert durch den Zeitplan des Betreibers „Luxtram“, der eine Inbetriebnahme bis 2035 anvisiert – und nicht bis 2028, wie bisher geplant.

Dieses Hin und Her sorgte für Aufregung in der Nachbargemeinde Strassen. Denn am vorläufigen Endpunkt der Linie ist ein „Pôle d’échange“ geplant. Genauer gesagt, auf dem Gelände des heutigen „Bâtiself“-Baumarkts, das auf dem Territorium von Strassen liegt. Bürgermeister Nico Pundel (CSV) hat auf jeden Fall Redebedarf, wie er im Gespräch mit Reporter.lu sagt. „Doch die Ministerin will uns nicht empfangen“, beklagt er.

Zwar glaubt der Strassener Bürgermeister inzwischen, dass die Strecke entlang der Route d’Arlon gebaut wird. Doch auch die Justiz musste sich mit der Frage befassen. Die Städteplanung rund um die Tramstrecke brachte der Gemeinde Strassen und dem Staat zwei Niederlagen vor dem Verwaltungsgerichtshof ein. In zwei Urteilen von Ende Juni annullierten die Richter in letzter Instanz den allgemeinen Bebauungsplan (PAG) von Strassen in den Teilen, die das sogenannte Bâtiself-Gelände betreffen.

Streit um Städtebau

Die Immobilienentwickler verfolgen die Pläne für neue Tramstrecken sehr genau. Denn dort sei eine enorme Wertsteigerung zu erwarten, berichtete das „Lëtzebuerger Land“. Strassen ist dabei ein Paradebeispiel. 2008 kaufte der Immobilienfonds „Leasinvest“ das Strassener Areal mit dem heutigen Shoppingcenter „Boomerang“. 2019 informierte der damalige Mobilitätsminister François Bausch (Déi Gréng) persönlich die Entwickler über die Trampläne, damit sie bereit wären, einen Teil des Grundstücks für den „Pôle d’échange“ abzugeben. Deren Reaktion sei „eher en­thu­si­as­tisch“ gewesen, erzählte er dem „Land“.

Es wird nicht mehr Quadratmeter geben, sondern sie werden anders aufgeteilt.“Nico Pundel (CSV), Bürgermeister in Strassen

Die Freude währte aber nur kurz, denn der PAG-Entwurf von Strassen entsprach nicht den Erwartungen von Leasinvest, das zur belgischen Gruppe „Nextsana“ gehört, und jenen der Familie Pauly-Losch, die einen Autohandel neben dem Bâtiself-Gelände besitzt. Die Gemeinde sicherte sich zwar einen Korridor für die künftige Tramstrecke. Doch aus Sicht der Besitzer der betroffenen Parzellen plante die Gemeinde mit einer zu geringen Flächennutzung. Diese sei nicht angemessen für ein Viertel, das mit der Infrastruktur, der Nähe zum Einzelhandel und dem CHL-Krankenhaus die Kriterien für eine hohe Bevölkerungsdichte erfülle. Es geht um eine Fläche von knapp sechs Hektar …