Die Vereine „Stroossenenglen“ und „Street Angels“ wollen mit dem Verteilen von Essen Bedürftigen helfen. Dies wird ihnen jedoch von offizieller Seite untersagt. Der Verdacht, dass sie der ADR und den Piraten nahestehen, erschwert ihre Arbeit zusätzlich.

Dienstag kurz vor Mittag: Am Seitenschiff der Kirche in Bonneweg werden die Menschentrauben vor den Eingängen langsam kleiner. Aus der Krypta und einem anderen Ausgang der Kirche heraus verteilen die „Stroossenenglen“ Lebensmittel an Bedürftige. Ein Ticketsystem mit weißen und gelben Zetteln soll dafür sorgen, dass niemand sich zweimal bedient.

Seit fünf Jahren können Menschen jeder Herkunft zu den „Engeln“ kommen, um sich mit Lebensmitteln einzudecken. Ob Obdachlose, Drogenkranke oder Mütter mit Kindern, die schwer über die Runden kommen – alle kriegen weiße Tüten mit dem Notwendigen. Dass der Verein das Essen in einem Gotteshaus verteilt, hat einen Grund. Die Stadt Luxemburg wollte keine Genehmigung für die Aktion erteilen, sodass die Freiwilligen sich mit dem lokalen Pfarrer zusammentaten. So wie es den „Street Angels“, die ähnlich arbeiten, vergangene Woche in Esch/Alzette erging, scheiterte die Vergabe im öffentlichen Raum auch in der Hauptstadt an bürokratischen Hürden.

Die „Stroossenenglen“ verteilen Lebensmittel, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen. Sie bekommen sie von Tankstellen, mit denen sie kooperieren. Ihrem Pressesprecher zufolge werden es immer mehr Bedürftige, die in Bonneweg anstehen. Genaue Zahlen werden aber nicht erfasst. Ansonsten bezieht der Verein seine Mittel aus privaten Spenden. „Wir hoffen aber immer noch auf Unterstützung vom Staat“, so Romain Benick gegenüber Reporter.lu.

Kein geschultes Personal

Eine staatliche Unterstützung könnte sich jedoch als schwierig erweisen, denn weder die „Stroossenenglen“ noch die „Street Angels“ erfüllen momentan die Kriterien des sogenannten „ASFT“-Gesetzes. Dieses legt fest, wer eine Genehmigung erhält, um im konventionierten Sozialsektor zu arbeiten. Das erklärt das Familienministerium auf Nachfrage von  Reporter.lu. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass die Antragsteller über genügend geschultes Personal verfügen müssen.

Wenn Sozialarbeit politisiert wird, dann ist das ein Problem.“Emmanuel Cornelius, Chef der Escher „Coordination sociale“ 

Doch bei beiden Vereinen geht die Hilfeleistung nicht über die Verteilung von Essen oder Kleidung hinaus. Gezielte Orientierung in Richtung soziale Dienste gibt es kaum, sagt der Pressesprecher. So kommt es, dass die „Stroossenengeln“ nur einmal eine punktuelle Hilfe von 2.000 Euro erhielten, dies im Jahr 2019. Und sie beschäftigen aktuell zwei Personen, die in einer „TUC“-Maßnahme sind – also gemeinnützige Arbeiten verrichten.

Dass der Verein trotzdem bei Familienminister Max Hahn (DP) vorstellig werden konnte und dieser sogar anschließend bei einer Essensverteilung anwesend war, verdanken sie der politischen Unterstützung und Intervention der ADR …