Früher gehörte Guy Kaiser zu den einflussreichsten Journalisten des Landes. Heute mischt er sich mit seinem Blog in Debatten ein und fungiert für die neue Regierung mitunter als Sprachrohr. Seine politische Haltung verbirgt er mittlerweile nicht mehr. Ein Porträt.

Auf den Zug an der Zigarette folgt ein bedeutungsschwerer Seufzer. Dann sagt Guy Kaiser: „Dat ass mir schäissegal. Ech kennen deen Typ null.“ Mit „deen Typ“ ist Léon Gloden gemeint. Der Innenminister steht seit Wochen in der Kritik seitens der Opposition und der Medien. Auf dem Höhepunkt der Debatte um das sogenannte Bettelverbot hatte der CSV-Politiker auf Facebook einen Blogeintrag von Guy Kaiser geteilt, in dem die Regierungslinie verteidigt wird. Für die einen war es ein Ritterschlag für den Blog, den der frühere Chefredakteur von „RTL Radio“ seit 2017 betreibt; für die anderen ein Zeichen dafür, wie isoliert der Minister mit seiner Lesart geworden war.

Rund einen Monat später in seinem Wintergarten in Luxemburg-Neudorf und nach etwa drei Zigaretten will Guy Kaiser von Stolz nichts wissen. Doch man kann ihm nicht so recht glauben, dass die Aufmerksamkeit ihm wirklich gänzlich egal ist. Schließlich hat sich der ehemalige Journalist aktiv an der Debatte um das „Heescheverbuet“ beteiligt. In seinen Blogposts nahm er die Regierungsparteien vor vermeintlich scheinheiliger Kritik der Opposition in Schutz und lieferte die Blaupause für die Argumente von CSV und DP, oder bildete diese zumindest ab.

Gegen „Gambia“ und den „Mainstream“

So einseitig politisch verortet seine Beiträge oft sind, so regelmäßig kritisiert Guy Kaiser auch die Medien. Die mediale Debatte ist für ihn sinnbildlich dafür, „wie weit sich die Presse von der Meinung des Volkes entfernt“ habe, so der 68-Jährige im Gespräch mit Reporter.lu. Zu einheitlich, oft zu unkritisch und zu grün und links: So liest sich die Medienkritik von Guy Kaiser. Auf der anderen Seite: er selbst, oft allein. Ein selbsternannter Don Quichote gegen den medialen Einheitsbrei. Der, wie er sagt, „Mainstream-Medien“.

Ob das noch Journalismus ist … Das ist eine gute Frage. Die habe ich mir so konkret noch nicht gestellt.“Guy Kaiser, früherer „RTL“-Journalist

Es ist ein Punkt, den Guy Kaiser im Gespräch immer wieder aufgreift und mit dem er offenbar auch seinen eigenen politisch-publizistischen Aktivismus erklären will. Die Stunde Null für diese Sichtweise liegt für ihn in den Anfängen der Dreierkoalition, bei „Gambia“, wie er gerne sagt. „Gambia hat die Sache in den Redaktionen nicht unbedingt einfacher gemacht. Denn die Mehrheitsparteien hatten tendenziell auch unter den Journalisten die Mehrheit.“ Er erinnert sich an einen Moment bei „RTL“: „Ich weiß noch, dass ich mich in der Redaktion umgesehen habe und mich gefragt habe: Wer outet sich denn jetzt noch als CSV-nah?“

Und er selbst? „In manchen Punkten habe ich eine gewisse Nähe zur CSV. Das stimmt. Besonders in Wirtschaftsfragen“, sagt Guy Kaiser über seine politischen Überzeugungen …