Frank Engel ist Politiker und gleichzeitig Berater für den Wasserstoffverband „Hydrogen Europe“. Nicht immer ist klar, in wessen Namen er gerade spricht: dem seiner Partei Fokus oder dem des Lobbyvereins. Das war besonders im Wahlkampf problematisch.

„Ech si kee Lobbyist“, beteuerte Frank Engel in einer „RTL“-Radiosendung. Das war eine Woche vor den Parlamentswahlen. Der Politiker debattierte mit anderen Kandidaten das Thema Energiewende. „Ech kréien ëmmer virgeworf, ech hätt vill mat Waasserstoff ze dinn. C’est parfaitement vrai“, sagte Frank Engel. Dann erklärte er, wie wichtig Wasserstoff bei der Energiewende sei. „Schwätzt Dir als Lobbyist oder Politiker?“, fragte die Moderatorin unverblümt.

Es ist eine Frage, die man sich bei Frank Engel oft stellen muss. Geht es um das Thema Wasserstoff, sind die beiden Rollen des Frank Engel kaum auseinanderzuhalten. Seit mehreren Jahren ist der ehemalige CSV-Parteichef und Gründer der Partei „Fokus„ als Berater für den Brüsseler Lobbyverein „Hydrogen Europe“ tätig. Gleichzeitig macht er als Politiker und Fokus-Spitzenkandidat immer wieder auf die große Rolle aufmerksam, die Wasserstoff in der Energiewende spielen müsse. Für seine Tätigkeit als Berater des europäischen Wasserstoffverbandes erweisen sich auch Frank Engels Kontakte aus dem Europaparlament als nützlich. Sein tatsächlicher Einfluss aber bleibt fraglich.

Lobbyist für Zukunftstechnologie

Spricht Frank Engel über die Zukunft, dauert es nicht lange, bis das Wort Wasserstoff fällt. Bei Interviews, in Gesprächen, im Programm seiner Partei Fokus. Er sei „ein regelrechter Wasserstoff-Fan“ schreibt er in seinem Buch „Wuerfir nach Politik“, das er vor einem Jahr im Eigenverlag veröffentlichte. Darin widmet er dem Thema ein ganzes Kapitel. Sein Argument: Für die Energiewende brauche man eine konstante, stabile Energiequelle. Und diese Quelle, das sei Wasserstoff: „Kein Weg wird daran vorbeiführen, eine veritable Wasserstoffwirtschaft zu schaffen, denn dieses Molekül besitzt alle Eigenschaften, die es energetisch und wirtschaftlich effizient machen“, schreibt er.

Auch im Fokus-Wahlprogramm ist die Handschrift von Frank Engel unverkennbar. Im Straßenverkehr, beim Gütertransport, zum Antrieb landwirtschaftlicher Maschinen – überall soll Wasserstoff zum Einsatz kommen. Es sei schlicht die „Technologie der Zukunft“. Spricht hier noch Fokus, die politische Partei des Frank Engel? Oder Frank Engel, Berater des europäischen Wasserstoffverbandes? Seit fast drei Jahren, seit der sogenannten „CSV-Freundeskreis-Affäre“, arbeitet er für Hydrogen Europe. Es ist sein einziger bezahlter Job, seit er das EU-Parlament 2019 verlassen hat.

„Ich schreibe meine Briefings“

Es ist ein warmer Septembermorgen. Frank Engel sitzt auf der Terrasse des Café „Knopes“ und raucht E-Zigarette. Graues Jackett, weißes Hemd, Dreitagebart. Der ehemalige Europaabgeordnete ist eigentlich nicht für seine Bescheidenheit bekannt. Doch geht es um seine Rolle als Berater von Hydrogen Europe, hält er sich eher bedeckt. „Ich schreibe meine Briefings. Und dann macht Hydrogen Europe damit, was sie wollen“, erklärt der 48-Jährige im Gespräch mit Reporter.lu …