Seit gut einem Jahr eröffnet Bildungsminister Claude Meisch alle paar Monate ein neues Elternforum. Dort sollen sich Eltern vernetzen können und Beratung erhalten. Doch die Ansprüche werden noch nicht erreicht – und drohen auf Kosten anderer Initiativen zu gehen.

In Bartringen lädt das „Eltereforum“ zur Krabbelgruppe ein. Die Küche kann zum Kochen mit Kindern genutzt werden, im Nebenraum ist ausreichend Platz zum Spielen und ein Tisch für Erwachsene, um sich auszutauschen. An diesem Montagnachmittag bleiben die Räume allerdings leer. „Wir versuchen, Eltern ohne Zwang zu überzeugen, zu uns zu kommen, und das gelingt uns immer besser – außer vielleicht heute“, sagt Gilles Rod im Gespräch mit Reporter.lu. Seit 2021 leitet der Beamte im Bildungsministerium die Abteilung, die sich um die Elternforen kümmert.

Als er diese Aufgabe übernahm, gab es noch kein solches Forum in Luxemburg. „Wir standen vor einem weißen Blatt“, erinnert sich Gilles Rod. Als Inspirationsquelle dienten ähnliche Initiativen aus der Schweiz und Deutschland, doch dabei handelte es sich stets um lokale Träger ohne nationale Ambition.

Insgesamt acht Elternforen hat das Ministerium seitdem über das Land verteilt eröffnet. Sieben weitere sollen in dieser Legislaturperiode noch folgen. Somit könnten Eltern in jeder Region auf ein Forum in ihrer Nähe zurückgreifen. Vor allem sozial schwachen Familien will man damit entgegenkommen. Doch genau diese werden zurzeit kaum erreicht. Und obwohl die Eltern mancherorts noch ausbleiben, besteht die Gefahr, dass das Ministerium – trotz anders lautender Beteuerung – mit seiner Initiative andere Akteure in diesem Bereich verdrängt.

Ein „Jugendhaus für Eltern“

Im Koalitionsabkommen der letzten blau-rot-grünen-Regierung war erstmals die Rede von Familienzentren. Das Argument: Zu sehr sei der Blick zuvor auf die formale und non-formale Bildung der Kinder beschränkt worden. Die Familienzentren sollten diese Lücke füllen, um den Austausch zwischen Eltern und Fachkräften zu fördern. Oder wie die Kinder der Verantwortlichen des Niederanvener Forums, Renée Fretz, es ausdrücken: „Das ist cool, du machst so was wie ein Jugendhaus für Eltern.“

Wir haben noch nicht so viele Eltern, die in prekären Verhältnissen leben, die zu uns kommen. Aber es werden immer mehr.“Lisa Goergen, „Lokale Familientreff“ in Lorentzweiler

In dem Elternforum können Väter und Mütter etwa an Yoga-Kursen teilnehmen, Erste Hilfe beim Kind lernen, mit anderen Eltern einen Spaziergang samt Kinderwagen unternehmen oder an unterschiedlichen Themenabenden teilnehmen. Jene Eltern, die tatsächlich dorthin kommen, tun dies aus sehr unterschiedlichen Gründen. Die einen haben sehr spezifische Fragen zum Elterndasein, andere suchen den Austausch mit anderen Eltern in ihrer Umgebung. Darüber hinaus können auch die Kinder neue Kontakte knüpfen. Die Foren sind für jeden zugänglich und sollen ein niederschwelliges Angebot für Erwachsene sein. Mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt …