Die Ergebnisse der Plurimédia-Umfrage wurden erstmals nicht veröffentlicht. Die Zahlen seien nicht aussagekräftig, so die Medienhäuser. Das waren sie allerdings noch nie. Der Staat bezuschusst eine Studie, die nur den finanziellen Interessen der Medienunternehmen dient.

Die Marke „RTL“ bleibt die Nummer Eins in Luxemburg. So lautet für gewöhnlich die Schlagzeile beim Radio- und Fernsehsender nach Veröffentlichung der neuesten Zahlen der sogenannten „Plurimédia“-Studie, bei der die Bevölkerung zu ihrem Medienkonsum befragt wird. Vergangenes Jahr gab es aber eine Ausnahme. An einer zunehmenden Konkurrenz für das staatlich finanzierte Privatunternehmen lag das allerdings nicht.

Der Sender bleibt weiterhin Marktführer, doch die Umfrage, die diese Position alle sechs Monate bestätigte, wurde 2023 schlichtweg nicht veröffentlicht. Dabei hatte „CLT-UFA“, das Mutterhaus von „RTL“, auch diese Umfrage selbst mitfinanziert. Weitere 30 Prozent der Kosten übernahmen „Mediahuis Luxembourg“ – Herausgeber des „Luxemburger Wort“ und des „Télécran“ – sowie „Editpress“ – Herausgeber von „Tageblatt“, „L‘Essentiel“ und „Le Quotidien“. Der Staat seinerseits beteiligte sich zu zehn Prozent an den Kosten.

Am Staat lag es aber nicht, dass die Ergebnisse der Studie nicht veröffentlicht wurden. Laut dem „Lëtzebuerger Land“ enthielt er sich bei der Entscheidung, während die Medienhäuser sich gegen eine Veröffentlichung aussprachen. Als Grund führten die Unternehmen eine fehlerhafte Methodologie der Studie an. Sowohl das „Lëtzebuerger Land“ als auch Reporter.lu hatten im Oktober die Ergebnisse der Umfrage beim Staat unter Berufung auf das Gesetz für eine transparente Verwaltung angefragt und diese nun erhalten. Aus den Dokumenten wird denn auch der Grund für die Nichtveröffentlichung der Ergebnisse ersichtlich.

Kleine Medien sollen der Krise trotzen

„Die Zahlen sprechen für sich. Sie sind nicht zu erklären“, sagt Paul Peckels im Gespräch mit Reporter.lu. Der Generaldirektor von „Mediahuis Luxembourg“ meint damit auch die Zahlen in Bezug auf sein eigenes Unternehmen. Die Leserschaft des „Luxemburger Wort“ habe sich der Datenerhebung zufolge weiter verkleinert. Vor fünf Jahren sollen laut der Plurimédia-Studie noch rund 160.000 Menschen täglich das „Wort“ digital oder im Print gelesen haben. In der unveröffentlichten Umfrage lag dieser Wert nun bei rund 130.000. Die Zahlen des „Wort“ geben aber eigentlich keinen Anlass für eine Infragestellung der Methodologie. Vielmehr bestätigen sie die Existenz einer Pressekrise. Erst im Vergleich mit anderen Medien überraschen sie.

In den Zahlen des vergangenen Jahres stechen zum Beispiel die Ergebnisse von „Le Quotidien“ hervor. In der letzten Erhebung soll die französischsprachige Tageszeitung nämlich den bisherigen Trend gebrochen haben …