Déi Gréng arbeiten ihre Krise auf. Die Ergebnisse einer internen Befragung liegen Reporter.lu vor. Die Partei äußert sich darin selbstkritischer als zuvor. Noch hadert sie aber damit, die nötigen Schlüsse zu ziehen. Die Frage der Verantwortung klammert sie aus.

„Wat sinn denger Meenung no déi 3 grouss Grënn, déi d’Walresultat vun déi gréng erklären?“ So lautete die erste Frage, die die Partei wenige Tage nach der schweren Niederlage bei den Parlamentswahlen ihren Mitgliedern in einer internen Umfrage stellte. Nach ersten patzigen Reaktionen sollte eine ernste Analyse folgen. Am Wahlabend hatte die grüne Spitzenkandidatin Sam Tanson sich noch geweigert, den Journalisten eine Einschätzung zu geben. Zu groß war der Schock, dass die erwartete Niederlage sich zum Verlust der Fraktionsstärke ausgeweitet hatte.

Im Januar stellten die Co-Präsidenten Djuna Bernard und Meris Sehovic parteiintern die ersten Ergebnisse der Befragung vor, an der 500 Mitglieder teilgenommen hatten. Auf den Bezirksversammlungen war die Stimmung konstruktiv. Die dreiseitige Synthese, die Reporter.lu vorliegt, geht auf viele mögliche Gründe für den Misserfolg vom 8. Oktober 2023 ein. Die Verantwortung der Ex-Minister wird dabei elegant umschifft. Der Spagat zwischen „zu grün“ und „nicht grün genug“ zieht sich hingegen wie ein roter Faden durch die Analyse.

Schnell Antworten auf diese Fragen zu finden, ist wichtig, denn am 9. Juni steht mit den Europawahlen ein nächster wesentlicher Termin an. Auf dem Spiel steht der eine Sitz von Déi Gréng im Europaparlament und damit auch ein Teil der weiteren Parteifinanzierung. Der heftige Streit um Klima, Migration und Landwirtschaft hat sich seit dem Oktober nochmals verschärft. Das gibt Déi Gréng eine Relevanz, bringt aber auch die Herausforderung mit sich, wie man mit einer antigrünen Stimmung umgehen soll.

„Grénge Bashing“ und Solidarität

„Vor den Wahlen hat eine Mehrheit unserer Mitglieder in ihrem Umfeld eine starke Ablehnung von Déi Gréng erleben müssen“, heißt es in der Zusammenfassung der internen Umfrage, an der die Hälfte der damals 1.000 Parteimitglieder teilnahm. Über ein Drittel der Befragten berichtete explizit von „Greenbashing“ in ihrer Familie und im Freundeskreis. Gemeint ist damit eine heftige und wiederkehrende Kritik, die meist auch nicht inhaltlich ist, sondern vor allem persönlich gegen die grünen Mandatsträger gerichtet war.

Das „Grénge Bashing“ hatten auch zahlreiche grüne Kandidaten im Oktober als herausragenden Grund für die Niederlage genannt. Inzwischen hat sich die Partei davon abgewandt. „Wir müssen Fehler benennen und aufarbeiten. Der falsche Schluss wäre zu sagen: Wir wurden gebasht und haben selbst nichts falsch gemacht“, betont Fabricio Costa, Co-Sprecher von „Déi jonk Gréng“.

On aurait pu prendre plus de risques. (…) Trop de têtes (parfois impopulaires) et pas assez de contenu.“Auszug aus der „Synthese“ der grünen Wahlanalyse

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Kritik vielschichtiger ist. Vor allem das Image einer „Verbotspartei“ und den Vorwurf „Grün wird teuer“ hörten die Mitglieder sehr oft. Mit weniger als einem Achtel der Antworten war die konkrete inhaltliche Kritik in der Umfrage kaum präsent …