Sechs Jahre nach seinem Rücktritt muss sich der Ex-Bürgermeister von Differdingen, Roberto Traversini, Ende Januar vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Vorteilsannahme im Amt. Um Luxemburgs bekanntestes Gartenhaus geht es jedoch nicht mehr.
Am 17. Juli 2019 kam es zum Eklat im Differdinger Gemeinderat. Der damalige Bürgermeister Roberto Traversini (Déi Gréng) reagierte angespannt auf Fragen des Oppositionspolitikers Gary Diderich (Déi Lénk). Es ging um ein Haus in der Route de Pétange in Niederkorn, das Roberto Traversini kurz zuvor geerbt hatte. Kurz nach dem Paukenschlag im Gemeinderat berichtete Reporter.lu erstmals über den Bürgermeister „und sein Haus im Grünen“.
In den folgenden Monaten grub die Opposition immer weitere Unregelmäßigkeiten rund um diese Immobilie des Bürgermeisters aus. Die sogenannte „Gaardenhaischen“-Affäre nahm ihren Lauf.
Den Ausschlag gab jedoch die Justiz, die am 18. September 2019 Ermittlungen gegen Roberto Traversini aufnahm. Zwei Tage später ordnete der zuständige Untersuchungsrichter Hausdurchsuchungen in der Gemeindeverwaltung und bei der Beschäftigungsinitiative CIGL in Differdingen an. Der Druck wurde schließlich zu groß: Roberto Traversinis politische Karriere endete am gleichen Tag mit seinem Rücktritt als Bürgermeister – und später auch als Abgeordneter.
Schwerwiegende Anklagepunkte
Unabhängig von den politischen Konsequenzen schritt die strafrechtliche Aufarbeitung allmählich voran. Mehr als sechs Jahre nach Beginn der Ermittlungen soll es nun zum Prozess kommen. Ab dem 19. Januar 2026 muss Roberto Traversini sich im Zusammenhang mit den damaligen Affären vor Gericht verantworten. Das bestätigte ein Sprecher der Justiz auf Nachfrage von Reporter.lu.
Vor Gericht werden die Unregelmäßigkeiten in der Gemeindeverwaltung und beim „Centre d’Initiative et de Gestion local“ (CIGL) im Fokus stehen. Die Differdinger Opposition warf Roberto Traversini damals nämlich vor, Mitarbeiter der Beschäftigungsinitiative entgegen den Regeln in seinem Niederkorner Haus arbeiten gelassen zu haben. Der „Député-Maire“ war damals Präsident des CIGL. Zudem soll ein Praktikant der Gemeinde die Pläne für diese und weitere Immobilien gezeichnet haben. Strittig war ebenfalls der Anschluss des Grundstücks in der sogenannten Gartenzone an das Strom- und Wassernetz auf Kosten der Gemeinde.
Ich werde auf alle Fragen antworten, die das Gericht mir stellt. So wie ich das bereits vor der Kriminalpolizei und dem Untersuchungsrichter tat.“Roberto Traversini
Roberto Traversini werden laut der Anklage unter anderem Veruntreuung von öffentlichen Geldern, Fälschung, Vorteilsannahme im Amt und Vertrauensmissbrauch vorgeworfen. Verantworten müssen sich im Januar zudem die Lebenspartnerin des heute 62-Jährigen sowie zwei Gemeindebeamte …
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