Rezent machte die Partei „Fokus“ mit internen Streitereien von sich reden. Parteipräsident Marc Ruppert tut dies als normale Entwicklungsstufe einer jungen Partei ab. Ein Gespräch über Parteifinanzen, inhaltliche Profilierung und die Widersprüche des Frank Engel.

Interview: Christoph Bumb

Das Ziel von „Fokus“ waren ein bis zwei Mandate bei den Parlamentswahlen. Am Ende reichte es nur für knapp 2,5 Prozent der Wählerstimmen und keinen Sitz im Parlament. Wie ist dieser Misserfolg zu erklären?

Wir haben das Resultat am Wahlabend, mit einer Ausnahme, eigentlich nicht als große Niederlage empfunden. Es reichte zwar nicht für den Einzug ins Parlament. Wir hatten aber respektable Ergebnisse in einzelnen Bezirken und Gemeinden. Die Ausnahme war unser Spitzenkandidat Frank Engel, der schon enorm enttäuscht war, dass wir unser und sein persönliches großes Ziel nicht erreichten. Natürlich würden wir unsere Inhalte gerne parlamentarisch vertreten. Aber das Resultat spornt uns auch an, uns bei den kommenden Wahlen zu verbessern.

Sie sagen es selbst: Ihr Spitzenkandidat machte seinem Frust am Wahlabend Luft. Frank Engel kündigte in den sozialen Medien an, dass er sich aus der Partei zurückziehen werde, und sprach sogar von Kräften, die „an seiner Zerstörung“ arbeiten würden. Das kam in der Öffentlichkeit, aber auch bei den eigenen Mitgliedern nicht allzu gut an. Was macht das mit einer noch jungen Partei, wenn sich der eigene Anführer so impulsiv äußert?

Das war für viele von uns, und auch für mich selbst, eigentlich der größte Schock des Wahlabends. Denn die Stimmung in der Partei war eigentlich gut. Ich hätte mich als Parteipräsident vielleicht mehr dafür einsetzen sollen, dass Frank Engel diese Äußerung so nicht tätigt. Allein schon, weil sein persönliches Resultat sich absolut sehen lassen kann. Ich habe aber gemerkt, dass Frank an dem Abend sehr emotional war. Das ist sowohl seine Stärke als auch seine Schwäche. Das Feuer, das er versprüht, kann er in außergewöhnlich gute politische Arbeit umwandeln. Es kann aber auch dazu führen, dass die Art und Weise, wie er etwas sagt, anecken und verstören kann. Nach einigen Tagen und vielen Gesprächen hat er aber eingesehen, dass seine Ankündigung weder für ihn noch für die Partei der richtige Schritt war. Frank Engel hat sich auch parteiintern entschuldigt. Damit konnten wir die Episode überwinden und nach vorne schauen.

Das politische Projekt hinter Fokus ist mittlerweile größer als die Person Frank Engel.“Marc Ruppert, Parteivorsitzender von Fokus

Wofür steht die Partei Fokus eigentlich?

Wir stehen für eine Politik, die losgelöst von alten Mustern die wirklich wichtigen Herausforderungen des Landes angehen will. Wir sind ein wenig wie „die Piraten für Erwachsene“. Das heißt, dass wir eine Wählerschaft ansprechen wollen, die sich tiefgründige Gedanken über die Probleme unserer Gesellschaft macht. Wir verorten uns ideologisch weder rechts noch links, sondern wollen Probleme so ansprechen und lösen, wie sie wirklich sind. Das führte zu sehr intensiven inhaltlichen Diskussionen in der Partei und zu durchaus mutigen Forderungen, die man so bei anderen Parteien nicht findet. Ich denke zum Beispiel an die Notwendigkeit, dass der Staat bei sich selbst sparen muss, um effizient zu sein. Auch unser Konzept des „sozialen Index“ ist ein Beispiel dafür, wie zielgerichtet wir an die Probleme unserer Zeit herangehen.

Sie vergleichen Fokus mit den Piraten. Trifft das auch für die politische Willkürlichkeit der Piraten zu?

Wir haben ein Wahlprogramm, das klare Ecken und Kanten aufweist. Anders als die Piraten wollen wir aber keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme propagieren. Ich will den Erfolg der Piraten nicht kleinreden oder kritisieren. Aber im Stil unterscheiden wir uns schon deutlich …