Marc Reiffers wurde Anfang Mai wegen illegaler Vorteilsannahme verurteilt. Als Generaldirektor des Netzbetreibers „Creos“ hatte er Aufträge an seine Ehefrau vergeben – an den internen Prozeduren vorbei. Vor Gericht bekannte der Ex-Manager sich schuldig.

Mitten in der Energiekrise im Oktober 2022 setzte der Netzbetreiber „Creos“ seinen Generaldirektor Marc Reiffers ab. Eine Klage wegen illegaler Vorteilsannahme sei der Grund für den Abgang des CEO, der zuvor auch den Stromanbieter „Enovos“ geleitet hatte, so ein Bericht von „Paperjam.lu“. Doch erst durch ein Gerichtsurteil, das am 8. Mai dieses Jahres erging und Reporter.lu vorliegt, werden die ganzen Hintergründe seiner Absetzung deutlich.

Das Unternehmen „Creos Luxembourg SA“ gehört zwar mehrheitlich zur privaten „Encevo“-Gruppe, doch erfüllt es als Netzbetreiber für Strom und Gas einen öffentlich-rechtlichen Auftrag. Deshalb gelten für die Creos-Direktion die gleichen Regeln wie für Beamte und Politiker: Jede Vermischung von öffentlichen und privaten Interessen ist demnach strikt verboten.

Dem früheren „Administrateur délégué“ und Generaldirektor war dieses Verbot offenbar nicht vollends bewusst: Es sei „ein bisschen grenzwertig“ gewesen, einen Auftrag an den Ehepartner zu vergeben, räumte er laut dem Urteil während der internen Untersuchung des Falls ein. Die Ermittlungen ergaben allerdings, dass Marc Reiffers bewusst verschleiert hatte, dass er als CEO seiner Frau, die als freischaffende Architektin arbeitet, einen Auftrag von Creos zuteilte.

Aufträge in Höhe von über 400.000 Euro

Der Anwalt von Marc Reiffers handelte mit der Staatsanwaltschaft ein „Jugement sur accord“ aus, das in der Regel nicht öffentlich ist. Darin bekannte sich der Ex-Generaldirektor schuldig. Das Urteil fiel dennoch vergleichsweise hart aus: Marc Reiffers wurde zu einer Haftstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 40.000 Euro verurteilt. Der heute 63-Jährige ging mit seinem Ausscheiden bei Creos in Rente, wie das Unternehmen im Jahresbericht 2022 mitteilte.

Laut den Richtern sei ein klarer Fall der Vorteilsannahme erwiesen („Prise illégale d’intérêts“). Die in der Anklage erhobenen Vorwürfe der Veruntreuung („Abus de biens sociaux“) und Geldwäsche („Blanchiment-détention“) wurden von den Richtern dagegen nicht zurückbehalten. Seine Ehefrau habe als Architektin die Aufträge von Creos ausgeführt, sodass dem Unternehmen kein direkter Schaden und damit auch keine Veruntreuung entstanden sei, so die Begründung. Die Honorare seien zudem auf das Bankkonto seiner Frau geflossen, deshalb habe der Ex-CEO nicht selbst über diese Mittel verfügt.

Anfangs war auch gegen Marc Reiffers Ehefrau ermittelt worden, doch die Staatsanwaltschaft entschied später, die Strafverfolgung einzustellen. Dies teilte ein Sprecher der Justiz auf Nachfrage von Reporter.lu mit.

Herr Reiffers erklärte, dass die Tatsache, einen Vertrag mit der Ehepartnerin abzuschließen, ein bisschen grenzwertig sei.“
Aus dem internen Creos-Bericht

Auffällig ist: Das Unternehmen Creos trat im Strafverfahren nicht als Zivilkläger auf und konnte deshalb auch keinen Schadenersatz fordern. Für eine solche Zivilklage sehe Creos bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Notwendigkeit, heißt es von dem Unternehmen auf Nachfrage von Reporter.lu. Das Urteil will Creos indes nicht kommentieren.

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen zwei Machbarkeitsstudien für zwei Projekte des Netzbetreibers, die mit einem Honorar von 23.000 Euro vergütet wurden. Die Aufträge waren im Juni 2021 ohne Ausschreibung an Marc Reiffers Ehefrau vergeben worden. Im Juni 2022 folgte ein Architektenvertrag für ein Bauvorhaben, dessen Umfang auf 4,58 Millionen Euro geschätzt wurde …