Das „Benu Village“ sollte ein Vorzeigeprojekt der Stadt Esch sein. Trotz Millionen an Subventionen ging das Öko-Dorf pleite. Ex-Mitarbeiter prangern Missmanagement an. Ein Audit, das Reporter.lu vorliegt, zeigt die Ausmaße des finanziellen Desasters. 

Hinter Bauzäunen, mit einem Schloss abgeriegelt, liegt das „Benu Village“ in Erwartung einer ungewissen Zukunft. Den 45 Mitarbeitern, die das Öko-Dorf zuletzt noch beschäftigte, hat die Direktion den Zugang zum Areal am Rand von Esch/Alzette verboten. Offiziell, um Vandalismus zu verhindern.

Die Mitarbeiter, die vor Ort ein Schneideratelier, eine Tischlerwerkstatt und ein Restaurant betrieben, haben tatsächlich eine große Wut im Bauch. Dabei richten sich die Emotionen weniger gegen das Projekt selbst, als gegen den Direktor Georges Kieffer und den Vorstand des Vereins „Benu Village Esch asbl“. „Es wurden keine Entscheidungen ohne Georges Kieffer getroffen“, erzählt Valérie Marx, die 2019 beim Benu Village angestellt wurde. „Sein überbordendes Ego hat vieles zunichtegemacht.“

Sieben Millionen an Subventionen

Dabei sollte das Projekt auch das Image der Stadt Esch aufbessern. Das Öko-Dorf an der Escher Grenze zu Frankreich wurde vor sechs Jahren gestartet. „Das erste Projekt dieser Art und das einzige in einem Umkreis von 300 Kilometern“, so steht es in der ersten Konvention, die der Verein 2017, noch unter Bürgermeisterin Vera Spautz (LSAP), mit der Escher Gemeinde schloss.

In dem Dokument, das Reporter.lu vorliegt, verpflichtete sich die Gemeinde, dem Verein in den Folgejahren die Summe von 600.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Zugleich verpflichtete das Abkommen die Stadt, jedes Jahr die nötigen Schritte einzuleiten, um die Kofinanzierung durch das Umweltministerium zu garantieren. Das Ministerium stellte 50 Prozent der Finanzierung, sodass das Benu Village in seiner Startphase auf einen Fonds von 1,2 Millionen Euro zugreifen konnte. In den Jahren 2020 und 2021 wurden weitere Konventionen unterzeichnet: Diese sicherten dem Benu Village insgesamt 6,4 Millionen Euro zu – teils mit Unterstützung des Umweltministeriums, teils nur durch die Stadt Esch.

Da Benu seine Aktivitäten nicht regelmäßig überwacht, gibt es ein signifikantes Risiko, die Kontrolle über die bereits gezahlten Subventionen zu verlieren.“Abschlussbericht des Audits über „Benu Village“

Laut der ersten Konvention war noch die Gemeinde verantwortlich für die ministerielle Kofinanzierung, im folgenden Abkommen werden die staatlichen Zuschüsse hingegen als Bedingung dargestellt, um die kommunalen Gelder zu erhalten. In der letzten Konvention, die dem Verein 4,4 Millionen Euro zusicherte, ist gar keine Rede mehr vom Umweltministerium. Weitere Konventionen mit der „Oeuvre Grande-Duchesse Charlotte“, dem Wirtschaftsministerium oder der „André Losch Fondation“ folgten.

Das Problem: Das Benu Village wuchs viel zu schnell, die Material- und vor allem die Personalkosten explodierten. Die Schulden häuften sich an, sodass die Situation aussichtslos wurde. So sahen es zuletzt auch die Wirtschaftsprüfer von „Muller & Associés“, die im Auftrag des Umweltministeriums die Bücher und Konten des Vereins analysierten. Mitte November veröffentlichte das Ministerium eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Audits in einer Pressemitteilung.

Ein verheerender Prüfungsbericht

Reporter.lu liegt der Abschlussbericht vom 10. November dieses Jahres vor. Das Urteil der externen Prüfer ist verheerend für die Direktion des Benu Village: Einem Defizit von 945.870 Euro steht eine Liquidität von nur 238.449 Euro gegenüber. Die größten Schulden hat Benu Village bei seinen Zulieferern, knapp 800.000 Euro sind nicht bezahlt worden.

Einer davon ist Raif Jusufovic, dessen Unternehmen „Rolfbau“ die gesamten Bauarbeiten des Öko-Dorfs übernommen hatte. Er sitzt auf einer unbezahlten Rechnung von 340.000 Euro. „Die Situation ist sehr problematisch, so etwas ist mir noch nie untergekommen“, sagt der Unternehmer im Gespräch mit Reporter.lu. Er habe sogar bereits Personal entlassen müssen, weil er die Mitarbeiter nicht mehr bezahlen könne …